Störung bei EM-Achtelfinale
: Magenta TV schaltet kostenlosen Stream für Türkei – Österreich frei

Die Kritik war riesig: Das EM-Spiel der Türkei gegen Österreich sollte nur auf Magenta TV zu sehen sein. Doch nach einer Störung schaltete der Sender doch einen kostenlosen Stream frei.
Von
dpa
Leipzig
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Das TV-Bild des Achtelfinals wird in Deutschland nur im Pay-TV zu sehen sein.

Arne Dedert/dpa

In sozialen Netzwerken war das Unverständnis vor allem in der deutschtürkischen Community riesig:  Die Partie zwischen Türkei und Österreich am Dienstag (21.00 Uhr) in Leipzig sollte ursprünglich im Free-TV weder bei den öffentlich-rechtlichen Sendern ARD und ZDF noch bei RTL zu sehen sein, auch das österreichische ORF hatte keine Senderechte für die Partie. Das sorgte im Vorfeld vor allem in den sozialen Netzwerken für einige Kritik. In Deutschland leben rund drei Millionen türkischstämmige Menschen.

Doch als das Spiel schon lief, geschah doch noch eine Wende: Weil die Magenta-Server offenbar überlastet waren, kam es bei vielen Kunden zu Störungen vor allem am Anfang der Partie – viele Fans verpassten deshalb sogar den Treffer der Türkei zum 1:0 in der ersten Minute. Danach schaltete Magenta TV einen kostenlosen Stream auf Youtube frei, in dem das Spiel ohne Bezahlschranke zu sehen war. Die türkischen Fans konnten so doch noch den Sieg ihrer Mannschaft über die favorisierten Österreicher bejubeln,

Wie ein Sprecher des Senders bei "Bild" einräumte, wurde Magenta TV vom Ansturm der Kunden überwältigt, die noch am Dienstagabend kurzfristig ein Abo abschließen wollten, die Kapazitäten im Anmeldeprozess wurden überlastet.

Kompliziertes Vertragswerk für TV-Rechte

Der Hintergrund: MagentaTV darf ein Achtelfinale bei der EM exklusiv zeigen. Wer an welcher Postion eine Partie auswählen durfte, kommentieren die Sender nicht. Das ZDF entschied sich allerdings für das Spiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Dänemark. Der kostenpflichtige Streamingdienst Magenta wählte, als er an der Reihe war, die Partie der Türken gegen die Österreicher.

Grundlage der Verteilung ist ein komplizierter Kontrakt. Die Telekom hatte sich 2019 die kompletten Medienrechte für die EM in Deutschland gesichert. Anschließend teilte sie in einem umfangreichen Vertragswerk einen großen Teil der EM-Rechte mit ARD/ZDF und erhielt im Gegenzug Sendelizenzen für alle Begegnungen der EM 2020 und alle Partien der WM 2022. 

46 der 51 EM-Spiele liefen oder laufen im Free-TV, jeweils 17 bei der ARD und dem ZDF, zwölf Begegnungen bei RTL. MagentaTV behielt Rechte für fünf Spiele exklusiv – darunter das letzte Achtelfinale.

Nach Schlusspfiff kann das Spiel dennoch in den Mediatheken von ARD und ZDF angeschaut werden. In der Audiothek der ARD gibt es das Spiel live zu hören.

Die ARD zeigte aus der Runde der letzten 16 bislang Spanien gegen Georgien und Portugal gegen Slowenien. Zudem hat die ARD am Dienstag (18.00 Uhr) noch Rumänien gegen Niederlande im Programm. Das ZDF war außer beim Deutschland-Spiel noch bei England gegen die Slowakei und am Montag bei Frankreich – Belgien live dabei. RTL übertrug am Samstag das Aus des Titelverteidigers Italien gegen die Schweiz.