DFB-Team vor der Fußball-WM: Nagelsmann appelliert an die „Familie“

Jetzt gilt’s! Bundestrainer Julian Nagelsmann legt in Herzogenaurach offiziell mit der WM-Vorbereitung los.
Federico Gambarini/dpa- Start der WM-Vorbereitung in Herzogenaurach: Nagelsmann setzt auf Teamgeist als „Familie“.
- Ziel ist der „fünfte Stern“. Jeder der 27 Spieler soll Verantwortung übernehmen.
- Manuel Neuer fehlt gegen Finnland wegen Wadenproblemen – Rückkehr vor Chicago eingeplant.
- Erster Test am Sonntag in Mainz gegen Finnland, Familienbesuch am Freitag eingeplant.
- Völler mahnt Ruhe an: Keine politischen Aktionen wie 2022, Fokus auf begeisternden Fußball.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Seine wichtigste Botschaft formulierte „Familienmensch“ Julian Nagelsmann frei nach Sepp Herberger. Nicht nur elf Freunde, wie beim ersten deutschen Weltmeister-Coach, sondern gleich 27 sollen den „American Dream“ mit Leben füllen – und ihr Teamgeist die deutsche Fußball-Nationalmannschaft zum fünften Stern tragen. Er wünsche sich, sagte der Bundestrainer beim Aufbruch ins WM-Abenteuer am Mittwochnachmittag in Herzogenaurach, „dass jeder am selben Strang zieht und wie in einer gut funktionierenden Familie alles für den anderen tut“. Dann, und nur dann, könne es was werden mit dem ersehnten Triumph in siebeneinhalb Wochen.
Den Weg dahin begann Nagelsmann nach der Begrüßung seiner Auserwählten um den noch immer angeschlagenen Rückkehrer Manuel Neuer 18 Tage vor dem WM-Start gegen Curaçao mit einem Stolperer. Als er auf der Pressekonferenz im dunklen, holzvertäfelten Medienraum am „Home Ground“ Platz nahm, verrutschte ihm der Stuhl – ein Wackler mit Symbolcharakter sollte das aber nicht sein. „Ich bin total optimistisch“, sagte Sportdirektor Rudi Völler, der neben Nagelsmann saß, „es wird schwer, gegen uns zu gewinnen“.
Die fränkische Frühlingshitze war dabei die perfekte Einstimmung auf die Extrembedingungen beim XXL-Turnier. Vor Ort helfe notfalls auch mal „ein eisgebadetes Handtuch im Nacken“, scherzte Nagelsmann. Das hätte auch den rund zwei Dutzend Fans geholfen, die in der prallen Sonne auf ihre Stars warteten. Die trudelten meist in verdunkelten Vans ein, immerhin Leroy Sané und David Raum belohnten die Geduldigen mit Autogrammen.
Am Sonntag gegen Finnland
Im oasengleichen Inneren verriet Nagelsmann der Mannschaft seinen WM-Plan: Es sei „immer der nächste Schritt entscheidend, nicht der Erfolg, den wir erreichen wollen. Es hilft den Jungs, im Hier und Jetzt zu bleiben.“ Unterstützung sollen sie auch von ihren Familien bekommen, die für Freitag eingeladen sind, am Sonntag (20.45 Uhr/ZDF) steigt der erste von zwei WM-Tests in Mainz gegen Finnland – noch ohne die alte, neue Nummer 1. „Es macht keinen Sinn“, sagte Nagelsmann über Neuer und dessen zwickende Wade, „wir wollen da noch Ruhe dranlassen.“ Neuer sei mit der Entscheidung „völlig d‘accord“, sorgen müsse man sich mit Blick auf die Generalprobe am 6. Juni in Chicago gegen die USA und das Turnier nicht. Welche Bedeutung der 40-Jährige sofort wieder haben soll, machte Nagelsmann klar: „Mit Manu sind wir besser als ohne Manu.“
Neuer ist der letzte verbliebene Weltmeister von 2014 im Team, der Bundestrainer hat sich aber „immer wieder“ auch mit anderen Champions ausgetauscht. Diese hätten ihm eingeimpft, er müsse den Spielern vermitteln, „dass jeder wichtig ist“. Völler erinnerte an das Negativbeispiel bei der WM in den USA 1994. „Es gab immer irgendwie Unruhe“, sagte er, und Nagelsmann lauschte aufmerksam. „Dass jeder hier mitgenommen wird“, betonte Völler, „wird fundamental sein.“
Zumal die Nagelsmänner genügend Zweifel mitnehmen. Geht das mit Neuers Wade wirklich gut? Wer könnte Kapitän Joshua Kimmich im Notfall ersetzen, wenn doch kein Rechtsverteidiger dabei ist? Wer spielt auf der Doppelsechs? Findet Jamal Musiala wirklich zu alter Stärke? Und kann man ohne Stoßstürmer Weltmeister werden? Nagelsmann mühte sich in rund 45 Minuten redlich, überzeugende Antworten zu finden.
Maulkörbe gibt es nicht
Die Stimmung im Land jedoch, meinte Völler, „kommt nicht alleine durch Quatschereien“. Die jüngste Kritik am Bundestrainer habe er als „teilweise ein bisschen ungerecht“ empfunden, betonte er, „aber wir haben ja noch ein bisschen Zeit“, um für gute Laune zu sorgen.
Lästige politische Debatten sollen dabei nicht stören. Es gebe keine Maulkörbe, bestätigte Völler die bekannte Verbandsposition, Aktionen wie in Katar 2022 werde es aber „nicht mehr geben“. Das Motto: „Schönen Fußball spielen und die Leute begeistern.“ Und so auch die Fans in die große DFB-Familie holen.




Nach einem kommunikativen Eiertanz wirkt der Auftritt des 38-Jährigen am Donnerstag aufgeräumt. Da versuchte einer, die Öffentlichkeit mitzunehmen, Entscheidungen zu erklären. Das verdient Respekt.