Das Thema Vorsorge sollten auch diejenigen beachten, bei denen keine Beschwerden vorliegen. „Es geht um Personen, bei denen gewisse Risiken vorliegen“, so der Herzspezialist. „Menschen, bei denen Eltern oder Geschwister beispielsweise eine Herzerkrankung haben. Aber auch Personen mit Übergewicht, Bluthochdruck, Cholesterin und übermäßigem Stress.“
Ab dem 40. Lebensjahr sei es grundsätzlich ratsam, sich untersuchen zu lassen. Wenn Stress zudem durch Genussmittel wie Alkohol, Nikotin oder ungesundem Essen komplettiert werde, steigt das Risiko einer koronaren Herzerkrankung. „Bei Stress empfiehlt sich Sport und Bewegung. Nicht jeder hat das Zeug zum ausdauernden Kraftsportler, doch auch Spaziergänge, Radfahren oder Schwimmen können für einen angemessenen Ausgleich sorgen.“

Wenn das Herz schmerzt

Eingeschränkte Leistung, Luftnot und Schmerzen sollten Betroffene ernst nehmen. Auch Personen mit Depressionen können zu Herzerkrankungen neigen. Das Gleiche gilt im umgekehrten Fall: „Auch eine Herzerkrankung kann Depressionen auslösen. Etwa dann, wenn sich Patienten nach einem Herzinfarkt vor weiteren Komplikationen fürchten.“ Eine Gesprächstherapie zur Aufklärung wird in der Herzklinik gemeinsam mit Psychotherapeuten angegangen: „Oft ist ein gewisses Training erforderlich, um sich aus der Angstspirale zu befreien.“ Was vielen Patientinnen und Patienten außerdem hilft, ist der Anschluss an eine Herzsportgruppe. Im Verein organisiert, können sich Betroffene untereinander austauschen und mit der richtigen Bewegung zurück ins alltägliche Leben finden. Seit über 15 Jahren unterstützt die Herzklinik mit dem Ulmer Herzsportpreis die Herzsportgruppen.
Eine Ultraschalluntersuchung von Herz und Gefäßen, sowie ein Belastungs-EKG sind zwei schmerzfreie, unkomplizierte Methoden, um sich Gewissheit zu verschaffen. Oftmals bleibt Betroffenen nur die Veränderung des eigenen Lebensstils. Gerade nach einer Corona-Erkrankung fällt es vielen Patienten schwer, die körperlichen Einschränkungen in Kauf zu nehmen: etwa rasche körperliche und geistige Erschöpfungszustände. „Hier gibt es keine Pille auf Rezept, die nach einer Covid-19-Erkrankung die sofortige Rückkehr zur körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit garantiert.“

Post Covid: in Ruhe zurück

Die Untersuchung von Post-Covid-Patienten zählt mittlerweile in der Herzklinik an den drei Standorten Ulm, Neu-Ulm und Geislingen zum Tagesgeschäft. „Es gibt eben keine kausale Therapie – auch Leistungssportler bleiben von den sogenannten Post-Covid-Symptomen wie schneller Ermüdung und eingeschränkter Leistungsfähigkeit nicht verschont.“ Ein ganzes Bündel Symptome könne Patienten treffen. „Das einzige, das hilft, ist die Zeit, gerade auch bei Long-Covid-Symptomen, die länger als drei Monate andauern." In seltenen Fällen kann eine Corona-Erkrankung auch zu Herzmuskelentzündungen führen. Was hier hilft? „Eine ausreichende Schonzeit. Im Normalfall heilen die Symptome wieder aus, es bedarf eben seiner Zeit.“ Generell sei es ratsam, auf Nikotin zu verzichten, den Blutdruck im Auge zu behalten, sich ausreichend Bewegung zu gönnen und auf eine gesunde Ernährung mit ausreichend Gemüse und wenig Fleisch zu achten. „Wir sehen, dass Patienten auch nach einer Covid-19-Impfung eine Herzmuskelentzündung bekommen können. Die Wahrscheinlichkeit, und das gilt es definitiv zu beachten, ist allerdings hundertmal geringer als nach einer Covid-19-Infektion.“

Gefahrenzone Schlaf

Abschließend verweist er auf ein Indiz, das kaum erkannt, aber ein großes Risikopotential in sich birgt: nächtliches Schnarchen. „Hierbei kann es, wenn die Zunge nach hinten fällt, zu Atemaussetzern, der sogenannten Schlafapnoe, kommen, da die Zunge die Atemwege blockiert. Betroffene fühlen sich rasch erschöpft und können langfristig einen hohen Blutdruck entwickeln. Durch den nächtlichen, episodenartigen Sauerstoffmangel steigert sich zudem das Risiko eines Herzinfarkts. Bei Verdacht ist es hilfreich, den Partner oder sich selbst zu fragen. Schnarche ich? Setzt die Atmung manchmal aus? Eine Screening-Untersuchung der nächtlichen Schlafgewohnheiten kann Betroffenen Sicherheit bringen.“

Zur Person

Dr. med. Winfried Haerer ist Internist, Kardiologe und Leiter der Herzklinik Dr. Haerer und Partner mit den Standorten Ulm, Neu-Ulm und Geislingen. An der Universitätsklinik hat er die Interventionskardiologie eingeführt. 1992 hat er die Praxis Dr. Haerer mit Herzkatheteranlage gegründet und die Konzession für die heutige Herzklinik erhalten. Das Ziel der Herzklinik ist es, alle Patienten kardiologisch und angiologisch bestmöglich zu versorgen und ihnen mit allen medizinischen Möglichkeiten zu helfen. Die Klinik mit 53 000 Patienten jährlich, ist spezialisiert auf Herz-, Kreislauf- und Gefäßerkrankungen.

Kontakt

Herzklinik Ulm
Magirusstraße 49
89077 Ulm