Fachmann für alle Fälle Langen: Wie oft soll ich denn im Winter Auto waschen?

Angriff auf den Autolack: Straßenschmutz und Streusalz.
Foto: Helmut Fricke/dpa/dpa-tmnWinterwetter ist wechselhaft. Mal klirrend kalt und trocken mit viel Sonnenschein. Mal schmuddelig nass mit Schneematsch. Wer da mit dem Auto durch muss, stellt sich unweigerlich die Frage: Wie oft soll ich das Fahrzeug waschen? Und woran man in Sachen Pflege sonst noch denken sollte. Wir haben den Fahrzeugpflege-Experten Christian Petzoldt gefragt.
Wie oft soll ich im Winter Auto waschen?
Christian Petzoldt: Das kommt auf die Verschmutzung an - und ob man Vielfahrer ist oder nicht. Eine Faustformel gibt es nicht. Da sind trockene Phasen, wo das Auto ein, zwei Wochen sauber bleibt. Wenn es vierzehn Tage nur Sauwetter und Streusalz gab und Sie jeden Tag auf der Autobahn waren, kann das Auto schnell wie mit Salzkruste gepökelt aussehen. Und dann sollten Sie – sofern es frostfrei ist – schnellstmöglich durch die Waschanlage. Denn die Einwirkzeit spielt eine Rolle. Die Länge kann dann die Schädigung auf der Lackoberfläche bringen - ähnlich wie bei milden Tiersekreten. Haben Sie das schnell runter, geht es für den Fahrzeuglack meist glimpflich ab.
Bleibt es wochenlang drauf und wird durch hohe Luftfeuchtigkeit, Nässe oder Regen immer wieder eine Lauge, arbeitet es weiter und die Schädigung kann massiver werden. Wer viel auf gestreuten Straßen fährt, sollte die Verschmutzungen zeitnah runterwaschen. Das beugt auch Korrosionsschäden an der Karosserie vor, falls es bereits leichte Lackverletzungen gibt. Also: Häufiges Waschen bei häufigem Fahren bei schlechtem Wetter und stark verschmutztem Auto ist daher immer sinnvoll.
Sie können eine einfache Wäsche machen, das reicht. Wenn Sie den Lack im Herbst aber nicht gut mit einem Lackschutzprodukt konserviert haben, wäre eine Premiumwäsche mit Konservierung wie etwa einem Wachs sinnvoll. Dann gibt es dem Lack zumindest einen gewissen Schutz für ein, zwei Wochen.
Mit der Hand nachwachsen bringt bei einstelligen Temperaturen nicht viel – außer man kann es in einer wärmeren Garage machen. Sie können es zwar auftragen, aber nicht vernünftig auspolieren – es schmiert. Das Wachs bleibt einfach weich, die Lösemittel dunsten nicht aus. Das ist den niedrigen Temperaturen und der hohen Luftfeuchtigkeit geschuldet.
Welcher Teil von Auto braucht auch noch Zuwendung?
Petzoldt: Das sind vor allem die Dichtgummis an den Autos. Denen wird jetzt oft besonders stark zugesetzt. Vor allem durch Salzwasser, aber auch durch Chemikalien, etwa in Enteiser-Sprays und so weiter. Die laufen auch über die Gummidichtungen. Das ist auch etwas, warum Gummidichtungen künstlich altern. Die brauchen regelmäßig Pflege.
Idealerweise hat man auch das vor der Wintersaison erledigt. Wenn nicht, dann nun nachholen – und sowieso auch regelmäßig nachpflegen. Denn auch der aufgetragene Schutzfilm einer Gummidichtung kann sich natürlich abspülen – etwa auch beim normalen Waschen.
Mit einem feuchten Baumwoll- oder Mikrofasertuch erst grobe Salzverschmutzungen entfernen und die Dichtungen vorsichtig abwischen. Anschließend mit einer Gummipflege nachpflegen. Und immer wieder mal eine Sichtkontrolle machen: Haben Dichtungen irgendwo Salz- und Schmutzanhaftungen oder sehen ganz stumpf aus?
Was sind No-Gos, die dem Auto im Winter schaden?
Petzoldt: Ich sehe oft, dass die Leute mit sehr harten Plastikborsten und Schabern auf den Lackoberflächen kratzen, um auch diese Flächen schneefrei zu bekommen. Dann sieht man spätestens im nächsten Frühjahr, wie die Lacke unter solchen Torturen gelitten haben. Daher: Auf den Lackflächen immer nur mit einem weichen Besen arbeiten.
Interview: Peter Löschinger, dpa
ZUR PERSON
Christian Petzoldt aus Hagen beschäftigt sich seit mehr als 45 Jahren mit den Themen Autolack und Fahrzeugpflege und ist international tätiger Experte auf diesen Gebieten.

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