Nahwärmeheizwerk Mainhardt: Die Wärme aus dem Wald
Während die Gas- und Ölpreise in Deutschland nach oben schnellen und die Energiepreise Rekordwerte erreichen, heizt man in Mainhardt mit Holz vor der Haustür. Am Wochenende wird dort das neue, mit Hackschnitzeln betriebene Nahwärmeheizwerk eingeweiht. Zunächst mit geladenen Gästen am heutigen Freitag, zwei Tage später, am Sonntag, mit einem Tag der offenen Tür für Interessierte.
Bis zur Verwirklichung des „Vorreitermodells“, das es laut Christoph Zimmer „so vielleicht nur dieses eine Mal in Deutschland gibt“, gingen einige Jahre ins Land. Initialzündung seien die großen Stürme „Lothar“ und „Wiebke“ Ende der 1990er-Jahre und die darauf folgende Borkenkäferinvasion infolge der Dürre gewesen, erklärt der Vorstandsvorsitzende der Forstbetriebsgemeinschaft Mainhardter Wald (FBG) und des Waldbauvereins Mainhardt (WBV). „Wir hatten damals Brennholz ohne Ende und wollten es sinnvoll verwenden.“
Förderung auf der Kippe
Hinzu kam einige Zeit später die Frage seitens des damaligen Bürgermeisters Karl-Heinz Hedrich, ob die 318 Mitglieder zählende FBG sich vorstellen könne, die Schule mit Hackschnitzeln für deren Heizungsanlage zu beliefern. Nachdem sich die Lagerung dieser Hackschnitzel in Silos als wenig praktikabel entpuppt hatte, entschied man sich 2007 für den Bau einer eigenen Halle.
Gedanklich war es von der Belieferung der Schule mit Heizmaterial bis zum Nahwärmeheizwerk für ganz Mainhardt vermutlich nur ein kleiner Schritt. Doch die Mühlen mahlen bekanntlich langsam und bis zur Verwirklichung gingen viele Jahre ins Land. Nicht nur, weil die EU dem Wertstoff Holz zwischenzeitlich die Nachhaltigkeit aberkennen wollte und die Fördergelder auf der Kippe standen. „Es gab ja kein Pilotprojekt, also keine Blaupause‘, von der wir hätten abschreiben können“, bringt es FBG- und WBV-Schriftführer Christoph Weidner auf den Punkt. Vielmehr sei das ganze Projekt in unzähligen Stunden von Grund auf erarbeitet worden. Will man nur Wärme, oder auch Strom erzeugen? Wo ist der beste Standort für das Nahwärmeheizwerk? Wie sind die Kosten zu stemmen? Um das Vorhaben finanziell sicher auf solide Füße zu stellen, wurden die Wirtschaftlichkeitsberechnungen schließlich an Fachleute in einem externen Büro vergeben. Heraus kam als praktikabelste Lösung, dass die FBG als Bauherr das Heizwerk plant und errichtet, die Wärme produziert und speichert, der Vertrieb aber durch die Stadtwerke Schwäbisch Hall und deren Nahwärmenetz erfolgt. Im März 2021 wurde der Bauantrag eingereicht, im Februar 2022 wurde er genehmigt, im September 2022 wurden Gelder im Rahmen des Bundesförderprogramms für effiziente Wärmenetze (BEW) beantragt. Weil sich die Bewilligung in die Länge zog, gleichzeitig aber die Gasspeicher in Deutschland leer zu werden drohten, entstand im Januar 2023 auf eine Anfrage der Stadtwerke hin ein Übergangsheizwerk mit nur einem Heizkessel. „Durch diese kleinere Version des heutigen Werkes gewannen wir wertvolle Erkenntnisse“, sagt Christoph Weidner rückblickend. Im August 2023 erreichte die FBG der Zuwendungsbescheid, die Fördergelder betreffend. Die Investitionskosten in Höhe von 1,2 Millionen Euro sollten mit 40 Prozent gefördert werden. „Ein Teil dieses Geldes ist inzwischen eingegangen“, sagt Ralf Lambacher, Geschäftsführer der Holz und Wald GmbH, die ein 100-prozentiges Tochterunternehmen der FBG ist. Auf den Rest warte man noch.
Weiter ging es im Oktober 2024, als der Wärmeliefervertrag die Kooperation mit den Haller Stadtwerken besiegelte. Im Mai 2025 war Spatenstich für das 12,50 mal 25 Meter große, zweistöckige Gebäude. Am 16. Dezember feierte man Richtfest, am 18. Dezember ging das Werk mit drei Hackgutkesseln, zwei Pufferspeichern mit insgesamt 75.000 Liter Fassungsvermögen sowie zwei Wärmenetzpumpen und einem Erdgaskessel der Stadtwerke in Betrieb. Letzterer dient der Versorgungsabsicherung, sollten die Hackgutkessel einmal ausfallen.
Zahlreiche ehrenamtliche Stunden steckten der achtköpfige Vorstand und Mitglieder in die Realisierung ihres Nahwärmeheizwerkes. Da wurde beraten und geplant, das Gerüst und die Kessel wurden aufgebaut, Elektroinstallationen durchgeführt, die Außenanlagen gerichtet. „Vom 16- bis zum 70-Jährigen packten fast alle ehrenamtlich an“, berichtet Ralf Lambacher. Genau könne man es nicht sagen, aber es waren deutlich über 1000 Stunden.
Gleich neben der Halle steht das 50 mal 25 Meter große und sieben bis acht Meter hohe Hackschnitzellager. „Die Hackschnitzelhalle bietet Platz für rund 10.000 Schüttraummeter Hackschnitzel – umgerechnet etwa 4000 Festmeter Holz. Damit lässt sich eine Holzmenge lagern, die ungefähr dem Jahresbedarf des neuen Heizwerks und der von uns belieferten Anlagen entspricht“, berichtet Ralf Lambacher. Hackschnitzel werden aus dem stofflich nicht verwertbaren Holz erzeugt. Als „stofflich nicht verwertbar“ bezeichnet man unter anderem das sogenannte „Gipfelholz“ aus der Baumkrone und „Schadholz“ wegen Käferbefalls, das sonst ungenutzt verbrannt werden würde. Mittels einer sogenannten Schnecke werden die Holzhackschnitzel automatisch in die Brennkessel transportiert.
100 Gebäude beliefert
Inzwischen werden rund 100 Gebäude, darunter fast alle kommunalen Gebäude, das Altenheim und etwa 85 Wohnhäuser mit Nahwärme aus Holz aus dem Mainhardter Wald und der näheren Umgebung versorgt. „Im Nachhinein sind alle, die sich für einen Anschluss entschieden haben, zufrieden“, sagt Bauunternehmer und FBG-Mitglied Markus Zick, der am vergangenen Mittwoch noch die Außenanlagen vor dem Wärmeheizwerk richtete. Sie benötigen weder Heiz- noch Lagerraum, keine Wartung und auch keinen Kaminfeger. Zudem schwanken die Kosten für Hackschnitzel sehr viel weniger stark als die für Gas oder auch Öl, etwa, wie aktuell spürbar, aufgrund der geopolitischen Krisen und Kriege.

Anzeige
-
Anzeige
-
Anzeige
-
Anzeige
-
Anzeige
-
Anzeige
-
