16. Ermstal Marathon: Die Vernunft läuft mit

So sieht es kurz nach dem Start des Halbmarathons in Metzingen aus. Durch die der Hitze angepassten Startzeiten kann es am 12. Juli auch auf der Strecke zeitweise eng werden. Disziplin ist dann besonders gefragt. ⇥Foto: Thomas Kiehl
Thomas KiehlEs hat eine gewisse Tradition, dass beim Ermstal-Marathon allerbestes Wetter ist. Sonnig und warm. Weil die Temperaturen in diesem Jahr mit warm aber oft nur unzureichend beschrieben sind, wird eine Stunde früher gerannt. Um 8 Uhr werden die Teilnehmer des Halbmarathons in Metzingen auf die Strecke gen Bad Urach geschickt. Die geballte Ladung wird ihnen entgegenkommen. Die Zehn-Kilometer-Meute wird um 8.05 Uhr in Bad Urach losgelassen. Jene, die den Fünfer gebucht haben, machen sich von Dettingen aus ebenfalls um 8.05 Uhr auf die Socken. Gemeinsames Ziel ist der Kelternplatz in Metzingen. Dort wird es dann richtig kuschelig.
Bei Temperaturen, die sich nach diversen Prognosen weit über der 30-Grad-Marke bewegen sollen, macht die Vorverlegung Sinn. Eine kurzfristige Absage wäre die Alternative gewesen, deshalb entschloss man sich zur „Vorbeugung“. Das Wohl der Teilnehmer steht im Vordergrund.
Die Meldezahlen bewegten sich auf Rekordniveau und sind paradoxerweise noch einmal angestiegen, als der frühere Start durchgesickert ist. Es geht stramm Richtung 3500. Wie aber wird der Ansturm kanalisiert, wenn sich die Fünf-Kilometer-Läufer mit den schnellsten Zehnern vermischen und im Gegenverkehr der Halbmarathon seinen Platz beansprucht? „Wir sind auf die Disziplin der Sportler angewiesen und bitten dringend darum, das Rechts-Lauf-Gebot einzuhalten“, betont Michael Koch vom Organisationsteam. Auf die Radfahrer, die die jeweiligen Gruppen begleiten, kommt eine Heidenarbeit zu.
Alle über die Vorverlegung zu informieren war eine immense Herausforderung, man stieß aber allerorten auf viel Verständnis, in erster Linie bei der Polizei und dem Roten Kreuz. Ein Markenzeichen des Ermstal-Marathons sind die vielen freiwilligen Helfer entlang der Strecke. Es helfen auch welche, die gar nicht eingeteilt sind ganz privat. Manche Wasseruhr wird an diesem besonderen Tag im roten Bereich drehen.
Wie hat doch Lorenz Baum gesagt, einer der bekanntesten und besten Läufer der Region. „Für jene, die regelmäßig trainieren, sind höhere Temperaturen kein großes Problem, zumal, wenn es nur über zehn Kilometer geht. Aber man muss auch an jene denken, die eben diese Voraussetzungen nicht mitbringen.“
Lorenz Baum (LAV Stadtwerke Tübingen) gehört beim Zehner zu den Favoriten, ist nach längerer Zeit wieder dabei im Ermstal. Der Münsinger Silvan Rauscher ist eigentlich immer dabei und lässt es sich nicht nehmen, die zehn Kilometer ermstalabwärts zu düsen, auf dieser einzigartigen Strecke. Sicher hätte er im Hinblick auf den Berlin-Marathon im September, der auf seinem Lauf-Kalender steht, auch einen Halbmarathon verantworten können – hat sein Training aber so gestaltet, dass die Tempoeinheit am 12. Juli exakt passt. Jedes Jahr will er sich verbessern, war im vergangenen Jahr mit den 30:41 Minuten sehr zufrieden, musste dabei allerdings Dominik Notz noch den Vortritt lassen, der mit neuem Streckenrekord ins Ziel stürmte (30:30). Der ist jetzt natürlich im Hinterkopf, wenn sich das Duo Baum/Rauscher auf den Weg macht. Und Silvan Rauscher macht der frühere Beginn definitiv gar nichts aus. Während der Bruthitze ist er gerne schon morgens gegen 6 Uhr los.
Dominik Notz, der schnelle Dettinger, der für die LAV Stadtwerke Tübingen läuft, hat heuer den Halbmarathon gebucht, weil er prima in die Vorbereitung auf große Bergläufe passt, die in diesem Jahr noch anstehen. Notz bekommt es unter anderem mit Recep Arslan zu tun. Der schnelle Kurde ließ bereits bei vielen Läufen aufhorchen und hat betont, dass er sich mit dem Streckenrekord beschäftigen wolle, den im vergangenen Jahr Arron Nitschke aufgestellt hat (1:08:10 Stunden). Der Australier ist rein zufällig beim Europa-Aufenthalt auf das Rennen gestoßen. Nach Zielankunft wurde er nicht müde die Strecke, die Organisation und die unfassbare Unterstützung an der Strecke zu loben. Er wollte nicht ausschließen wiederzukommen, sein Name ist aber (noch) nicht in der Meldeliste aufgetaucht. Ist eben nicht der nächste Weg.
Da hat es Leah Hanle bedeutend näher. Die Läuferin des TSV Holzelfingen scheint beim Ermstal-Marathon ein Abo gebucht zu haben. Vier Siege in Serie stehen auf ihrem Laufzettel, drei Streckenrekorde kommen hinzu. Der jüngste stammt aus dem Jahr 2025. Leah Hanle hatte keinen Hehl aus ihrem Vorhaben gemacht, wollte die zehn Kilometer unter 34 Minuten rennen. Das hat mit 33:55 prima geklappt, muss aber natürlich noch nicht das Ende der Fahnenstange sein.
„Ich würde schon gerne Vollgas laufen“, hat der kleine Wirbelwind im Vorgespräch gesagt. Könnte sein, dass der Trainer im Hinblick auf die zwei Wochen später stattfindenden Deutschen Meisterschaften etwas dagegen hat. Halbgas ist aber nun mal gar nicht das Ding der Holzelfingerin, die einmal mehr mit Bruder Simon auf die Reise von Bad Urach nach Metzingen gehen wird. Gebummelt wird dabei sicher nicht.

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