1250 Jahre Donnstetten
: Eine bewegte Ortsgeschichte

AnzeigeVon römischen Siedlungsspuren über die erste urkundliche Erwähnung im Jahr 776 bis zur modernen Ortschaft: Donnstetten blickt auf eine bewegte Geschichte voller Wandel, Rückschläge und Neubeginn zurück – und feiert in diesem Jahr sein 1250-jähriges Bestehen.
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Redaktion Sonderthemen
Sonderveröffentlichung
  • Die Proben für den Auftritt sind in vollem Gange und die Vorfreude groß: beim Heimatverein, Musikverein, Sportverein und allen, die beteiligt sind. ⇥Fotos: Hubertus Schmid

    Die Proben für den Auftritt sind in vollem Gange und die Vorfreude groß: beim Heimatverein, Musikverein, Sportverein und allen, die beteiligt sind. ⇥Fotos: Hubertus Schmid

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  • Der Musikverein bei der Marschprobe. Foto: Hubertus Schmid

    Der Musikverein bei der Marschprobe. Foto: Hubertus Schmid

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Im August 1795 findet ein siebenjähriger Donnstetter Bub am Nordhang des „Hasenhäusle“ eine goldene Münze: geprägt unter dem Kaiser Vespasian, rund um 66 n. Chr. geschlagen – also in der Zeit vor der Zerstörung Jerusalems unter Titus. Vermutlich waren schon Römer und ihre Soldaten im württembergischen Land unterwegs.

In den folgenden Jahrzehnten mehren sich römische Funde. Kurz vor der Jahrhundertwende wird der Fachwelt klar, dass Donnstetten ein römisches Dorf war: 1900 kommen bei Drainagearbeiten östlich des Ortes viele Scherben und Münzen zum Vorschein, sehr bald auch ein Römerbrunnen. 1958 stößt man beim Bau eines Rübenkellers in der Römerstraße auf weitere, gut erhaltene Reste eines zweiten römischen Brunnens.

Trotz der guten Lage und der hervorragenden Bedingungen für die Landwirtschaft übernehmen die Alemannen die vorhandenen römischen Brunnen offenbar nicht einfach. Während Brunnenanlagen andernorts aufgegeben und allmählich mit Schutt verfüllt werden, wirkt es in Donnstetten so, als seien die Brunnen bewusst zerstört und „verpestet“ worden. So lässt sich eine auffällige Menge an Tierknochen erklären, die im frisch zersplitterten Zustand ins Brunnenwasser gelangt sein muss. Dies geschah in einer Zeit um 230 n. Chr., in der römische Verbände aus germanischen Provinzen abgezogen werden mussten, weil die Perser Rom bedrohten. Germanische Stämme nutzten das aus, durchstoßen den Limes und fielen ins Neckarland ein. Um 260 endet die Römerherrschaft; dann beginnt die schwäbische Besiedlung.

Vermutet wird, dass die Besiedlung von Zainingen aus erfolgte. Der Grund, warum ein Bewohner sich einige Kilometer weiter nördlich von dieser Siedlung niedergelassen hat, ist unklar. Man vermutet, dass dieser Alemanne den Namen Tunno getragen haben könnte – daraus könnte Tunostetten geworden sein. Sicher überliefert ist dagegen eine Urkunde: Herembert schenkt dem Kloster Lorsch, „was ich in Donnstetten habe an Feldern, Wiesen, Wäldern und Wassern“. Die Urkunde ist auf 776 datiert – genau vor 1250 Jahren. Das spätere Wachstum zeigt: Donnstetten verschwinden nicht von der Landkarte. Nach zähem Ringen gelang es am 30. August 1447, dass Donnstetten eine eigene Pfarrei genehmigt bekam. Die große, noch heute regelmäßig läutende Glocke wird 1489 auf den Kirchturm gebracht. Sie übersteht als eine der wenigen im Bezirk den Dreißigjährigen Krieg. 1534 folgt schließlich die Reformation. Es folgten Erweiterungen am Gotteshaus; die letzten Renovierungen waren 1958 abgeschlossen.

Geschichte im Wandel der Zeit

Der Dreißigjährige Krieg trifft auch Donnstetten: Die Pest wird eingeschleppt und Wallensteins Regimenter marschieren durchs Land. Nach der Schlacht von Nördlingen 1634 beginnt die völlige Auflösung der Gemeinde. 98 Firste brennen ab, zahlreiche alteingesessene Bauerngeschlechter verschwinden. Von 510 Einwohnern überleben nur etwa 50.

Dank der Lage in einem fruchtbaren Maarkessel erblüht der Ort neu: Familien wie Hummel, Bächtle, Aufrecht, Gienger, Klingler, Frick, Munderich und Rieck sind zugewandert.

Das erste Schulgebäude entsteht 1694, das aber schnell aus allen Nähten platzte. Erst im Jahr 1930 gab es dann eine bessere Lösung mit dem Bau einer neuen Schule. In den Sechzigern folgte der moderne Anbau mit Turn- und Festhalle.

Im 19. Jahrhundert prägt die Weberei vielen Familien das Leben, oft verbunden mit Armut. Die Not wurde noch größer, als Webmaschinen zum Einsatz kamen. Die Folge war unter anderem, dass 1852 sieben Familien nach Amerika auswanderten. Trotz aller schweren Lebensumstände kam es zur Gründung des Liederkranzes 1843 und zeigt somit das Bedürfnis nach Zusammenhalt.

1922 gab es erstmals elektrisches Licht im ganzen Ort und 1924 errichtete die Gemeinde eine Krankenpflegestation.

Einige Donnstetter verloren ihr Leben im Zweiten Weltkrieg oder sind vermisst.

Donnstetten heute

Am 1. Januar 1975 wird Donnstetten mit Böhringen und Zainingen zur neuen Gemeinde Römerstein vereinigt. Auch nach dieser Reform erhält sich Donnstetten seine Eigenständigkeit.Heute leben mehr als 1.070 Menschen in Donnstetten, gebaut wird weiter, um neuen Wohnraum zu schaffen, alte Gebäude werden liebevoll saniert. Das Gewerbegebiet „Eichenried“ wächst und beherbergt zahlreiche Firmen, von Handwerksbetrieben bis zu Industrieunternehmen. Die Verkehrsanbindung ist gut und eine Busverbindung, die Bad Urach über Donnstetten mit Laichingen und dem Bahnhalt Merklingen im Stundentakt verbindet, verbessert die Mobilität.

Sorgen macht dagegen die Nahversorgung: Ende 2025 schließt die Metzgerei Rieck ihre Filiale, im Juni 2026 schließt der Dorfladen der Familie Röhrle. In diesem Sommer sollen die Donnstetter in einer Einwohnerversammlung beraten, wie es mit dem Einkauf im Ort weitergeht. (aus der Festschrift)

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