Saisonstart Tigers: Mit großen Ankündigungen

Sonderveröffentlichung
NPGDie 2. Basketball-Bundesliga Pro A startet am Wochenende in ihre 20. Saison. Am Freitagabend empfangen die Gießen 46ers die Artland Dragons zum Hauptrundenauftakt. Am Samstag (19.30 Uhr) geht es dann auch für die Tigers Tübingen in der heimischen Paul-Horn-Arena gegen die Heidelberg Academics mit der dritten Zweitliga-Saison seit dem jüngsten Bundesliga-Abstieg los. Beim Start der Pro A 2016 spielten 16 Mannschaften ohne Playoffs um die Meisterschaft. Inzwischen sind 18 Teams in der Hauptrunde dabei, 8 davon qualifizieren sich für die Playoffs, 2 steigen ab – sofern es aufstiegswillige Klubs aus der Pro B gibt. Die Baskets Wolmirstedt gehen wegen Lizenzverstößen in der Vorsaison mit dem Handicap von vier Minuspunkten in die Saison.
Die Favoriten auf den Titel
Die Heidelberg Academics sind nach fünf Jahren in der Bundesliga wieder in der Zweitklassigkeit gelandet. Das soll allerdings nur ein Intermezzo bleiben. Mit dem vermutlich höchsten Budget der Liga peilen die Heidelberger mit dem ehemaligen Tübinger Assistenztrainer Carlo Finetti als Chefcoach den direkten Wiederaufstieg an.
In der Vorsaison scheiterten die Gießen 46ers (gegen Überraschungsvizemeister Kirchheim Knights) und die Eisbären Bremerhaven (gegen Aufsteiger Phoenix Hagen) im Playoff-Halbfinale. Gießen schaffte es unter Trainer-Veteran Branislav Ignjatovic (59) in den vergangenen vier Jahren stets in die Endrunde und dreimal bis ins Halbfinale. Zusätzlich zum routinierten deutschen Kern um Ex-Nationalspieler Robin Benzing (37) haben sich die Gießener mit Chris Carter (Jena) und Zach Cooks (Bonn) namhaft verstärkt. Bremerhaven musste Erfolgstrainer Steven Esterkamp in die 1. Liga nach Jena ziehen lassen. Für ihn übernahm der Belgier Ferried Naciri (37), zuvor unter anderem Co-Trainer in Braunschweig und Oldenburg.
Auch die vor zwei Jahren aus der Bundesliga abgestiegenen Crailsheim Merlins und die vor einem Jahr abgestiegene BG Göttingen gehen mit neuen Trainern in die Saison und zählen zum Favoritenkreis: In Crailsheim hat der zuvor auch von den Tigers Tübingen umworbene Florian Flabb (33) von David McCray – jetzt Sportlicher Leiter in Ludwigsburg – übernommen und geht mit einem runderneuerten Team in die Saison. Der einstige Tübinger Bundesliga-Center Bogdan Radosavljevic musste im Sommer als Sportlicher Leiter der Merlins gehen. Göttingen hat sich nach einem Jahr von Fabian Strauß getrennt, den die Tigers Tübingen 2025 auch gerne verpflichtet hätten. Für ihn übernahm der Lette Martins Gulbis (35), für den es die erste Auslandsstation ist.
Große Ankündigungen sind aus Essen zu vernehmen – allerdings betrifft das wohl die mittelfristige Zukunft: Die US-amerikanische Sage Group hat bei Aufsteiger ETB Miners Essen 60 Prozent der Gesellschafteranteile übernommen. Bis 2030 will der Klub einem Medienbericht zufolge in die Bundesliga aufsteigen, 2035 sogar in der Euroleague spielen.
Die Situation bei den Tigers
Etwa 1000 Leute wollten das letzte Testspiel der Tigers Tübingen in der Vorwoche gegen Basel sehen. Manager David Keckeis freute sich über den Zuspruch, den er neben der Neugier auf das umgekrempelte Team auch auf das Rahmenprogramm etwa mit Kinderschminken, Bar vor der Halle und Autogrammstunde nach dem Spiel zurückführt. „Und das wollen wir in der Hauptrunde auch weiter ausbreiten“, sagt Keckeis und spricht von einer „Eventisierung“ der Spieltage.
Zur neuen Saison kehrt auch der Fantalk nach den Heimspielen wieder zurück. Allerdings nicht wie zuletzt in der Saison 2024/25 mit Markus Goller als Moderator, sondern mit dem neuen Hallensprecher Francesco Limonciello. Zum Auftakt am Samstag ist Kapitän Till Jönke zu Gast. Das Experiment mit einem Fan-Stammtisch unter der Woche im Helmut-Roth-Stüble gegenüber der Paul-Horn-Arena mit Gästen aus der Mannschaft oder dem Umfeld fand zu wenig Anklang.
Die Planzahlen
Vergangene Saison kamen im Schnitt offiziell 2233 Leute zu den Heimspielen der Tigers Tübingen. Auch für die anstehende Runde plant Manager Keckeis in einer ähnlichen Größenordnung von 2300 Leuten. „Aber wir hoffen, mit neuem Schwung auch mehr Publikum in die Halle zu locken.“ Ebenfalls ähnlich wie in der vergangenen Saison haben die Tübinger etwa 600 Saisonkarten abgesetzt.
Die Etatzahlen setzt Keckeis ebenfalls ähnlich wie im Vorjahr an, sodass das Budget im Größenbereich von etwa 3 Millionen Euro liegen dürfte. Die Stagnation hat zur Folge, dass die Tübinger inzwischen wohl nicht mehr zu den finanzstärksten Klubs der Liga gehören, sondern, wie Manager Keckeis schätzt, irgendwo zwischen Platz 7 und 10 anzusiedeln sind. Das Saisonziel formuliert der Manager entsprechend zurückhaltend: „Es wäre ein Erfolg, wenn wir in den letzten zehn Hauptrundenspielen noch im Kampf um die Playoffs wären.“ Zunächst sei es ein Konsolidierungsjahr. „Aber wir wollen die Leute begeistern, mit dem, was wir auf dem Feld und drumherum machen.“
Mehr Programm im Stream
Zuschauerzahlen gibt Sporteurope.TV keine raus. Deshalb ist kaum nachvollziehbar, was die kostenpflichtige Übertragung der Spiele auf der Plattform den Klubs bringt. Die Liga versucht jedoch, die Onlinestreams zu verbessern. Dazu gab es unter anderem Schulungen für die Moderatoren. Bei den Tigers-Heimspielen ist das weiterhin das renomierte Duo Rouven Hänig und SÜDWEST-PRESSE-Kolumnist Marius Dieterle. Künftig müssen die Klubs vor dem Spiel ein Interview mit beiden Trainern führen. Nach der Partie ist ein Interview mit je einem Spieler beider Teams Pflicht. Und neu ist auch, dass in den Auszeiten in allen Hallen ein Angelmikrofon zum Einsatz kommt. Bei der Mannschaft des Trainers, der die Auszeit nimmt, kann der Zuschauer mithören. „Das ist Pflicht“, sagt Keckeis. „Sonst gibt’s eine Strafe.“
Die Ex-Tiger in der Liga
Der aus Reutlingen stammende Nils Schmitz (25), ausgebildet bei den Young Tigers Tübingen, bleibt bei der BG Göttingen einer der Sonderbeauftragten für die Verteidigung der gegnerischen Guards. Sein Kapitän ist weiter Mathis Mönninghoff (34), mit dem die Walter Tigers 2018 aus der Bundesliga abgestiegen sind. In Koblenz geht Forward Jonas Niedermanner (29) in seine zweite Saison nach seinem Abschied aus Tübingen. Dreierspezialist Isaiah Sanders (26) kehrte im Sommer nach einem Jahr bei den Tigers zurück zu Aufsteiger ETB Miners Essen.
Der frühere Tübinger Kapitän und Aufbauspieler Gianni Otto (31) bleibt bei den Crailsheim Merlins. Assistent von Trainer Florian Flabb
ist dort Tom Walther (23), zuletzt in Dänemark und davor zwei Jahre Assistent von Daniel Jansson in Tübingen, wo er beim Bundesliga-Aufstieg 2023 mithalf. In der Bundesliga-Saison 2023/24 war auch der Italiener Carlo Finetti (31) Co-Trainer bei den Tigers. Er übernahm bei den Heidelberg Academics nach der Entlassung von Daniel Jansson Ende Februar und führt den Bundesliga-Absteiger als Cheftrainer in die neue Saison. Als einziger frühere Tübinger Spieler im Heidelberger Kader ist Shooting Guard Erol Ersek (27) übriggeblieben.
Bei den Kirchheim Knights geht der langjährige Bundesliga-Spielmacher und -Trainer der Walter Tigers Igor Perovic (52) in seine siebte Saison. Erster Zugang bei den Paderborn Baskets diesen Sommer war Shooting Guard Nik Schlipf (24), der von Drittligist Fellbach Flashers kam und in der Jugend bei den Young Tigers Tübingen spielte. Bei den Karlsruhe Lions bleibt der langjährige Tübinger Power Forward und Trainer Aleksandar Nadjfeji (49) eine Konstante als Assistent von Demond Greene. Der frühere Tübinger Publikumsliebling und Point Guard Kenny Cooper (28) hat bei den Baskets Wolmirstedt unterschrieben.

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