Derendingen Schulcampus: Neue Mitte für drei Schulen
Die vorhandene Infrastruktur an der Primus-Truber-Straße in Derendingen wurde weitergebaut. Darauf entstand ein gemeinsames Haus für die Gewerbliche Schule Tübingen, die Wilhelm-Schickard-Schule und die Mathilde-Weber-Schule. Mensa, Mediathek, Unterrichtsräume und Lerninseln schaffen einen offenen Lernort für rund 5200 Schülerinnen und Schüler.
Der Schulstandort war lange durch einzelne Nutzungen geprägt. Schulgebäude, Parkdeck, Zufahrten, Turnhalle Feuerhägle, Kindergarten, Jugendtreff und der grüne Flussraum der Steinlach lagen nebeneinander. Was fehlte, war ein Ort, der diese Nachbarschaften verbindet und dem Berufsschulcampus eine gemeinsame Adresse gibt. Der Neubau von a+r Architekten übernimmt diese Aufgabe. Der langgestreckte Baukörper folgt der Länge des bestehenden Parkdecks und legt darüber eine öffentliche Ebene für die drei Schulen. Über Freitreppen von Norden und Süden wird die erhöhte Mensaterrasse zum Ankunftsort. Zugleich bleiben die Wege der Schülerinnen und Schüler klar von den Zu- und Ausfahrten der sanierten Tiefgarage getrennt, die auch nach dem Umbau wieder als Parkhaus genutzt wird.
„Wir haben mit dem neuen Mensagebäude einen Ort geschaffen, der die drei Schulen miteinander verbindet“, sagt Walter Fritz, Projektleiter bei a+r Architekten. „Die Mensa, die Mediathek und die neuen Lernbereiche geben dem Campus erstmals eine gemeinsame Mitte und schaffen dadurch ein Wir-Gefühl.“
Ausgangspunkt des Entwurfs war das Parkdeck aus den frühen 1970er Jahren. Seine Konstruktion war ursprünglich für eine Erdüberdeckung mit Grünfläche und Bepflanzung ausgelegt und verfügte deshalb über Lastreserven. Diese Reserven machten den Neubau auf dem Bestand überhaupt erst möglich. Zugleich gaben Raster, Höhen und Lastabtragung die anspruchsvollen konstruktiven Rahmenbedingungen für den Neubau vor. Durch das Erhalten des Bestands konnten Ressourcen geschont und graue Energie im Gebäude bewahrt werden. Der Bauablauf des Projektes wurde von Ernst2 Architekten aus Stuttgart betreut und überwacht.
Die Mensa liegt auf der erhöhten Terrassenebene und öffnet sich mit raumhohen Verglasungen zur Terrasse und zur Umgebung. V-förmige Schrägstützen entlang der Westfassade machen die Überbauung des Parkdecks auch im Inneren erfahrbar. Ein verglastes Atrium verbindet den Speiseraum mit der Mediathek im Obergeschoss und bringt über Glasflächen und Oberlichter Tageslicht in die Tiefe des Grundrisses.
Über der Mensa bildet die Mediathek den nach außen sichtbaren Kopf des Hauses. Sie wird personell vom Kreismedienzentrum unterstützt und bietet Raum für Recherche, Aufenthalt und konzentriertes Arbeiten. Regale, ein zentraler Tresen und lange Sitznischen entlang der gefalteten Fassade geben dem hellen Raum Ordnung. Außen fassen blaugrüne Faserzementplatten die oberen Ebenen. An der Stirnseite verdichten sie sich zu einer fein gestaffelten Kontur, die dem Gebäude Tiefe und Maßstab gibt. Vom Gebäudekopf aus entwickelt sich das Lernhaus nach Osten in Richtung des Flusses. Entlang eines zentralen Flurs liegen auf zwei Geschossen Unterrichtsräume, Lerninseln, offene Arbeitsplätze und Nebenräume. Schulsozialarbeit und Lehrerbüros ergänzen die Unterrichtsbereiche auf beiden Ebenen und schaffen gut erreichbare Anlaufstellen im Alltag.
Auch die Materialwahl ist auf den Schulbetrieb ausgelegt. Sandgestrahlte Betonoberflächen prägen die Sockelebenen innen wie außen sowie die Treppenhäuser. Im Innern der oberen Ebenen kommen Weißtanne, Betonwerkstein und Glas hinzu. Pflege, Wartung und gutes Altern spielten schon in der Planung eine Rolle. „Wir haben Materialien, Pflegeaufwand und Alterungsfähigkeit früh geprüft“, sagt Stefanie Lüdigk, zuständige Abteilungsleiterin beim Landkreis Tübingen und Vertreterin der Bauherrschaft. „Uns war wichtig, dass die Oberflächen dem intensiven Schulalltag standhalten und ihre Qualität langfristig bewahren.“
Möglich wurde der anspruchsvolle Bau auf dem bestehenden Parkdeck auch durch die enge Zusammenarbeit mit Fachplanenden und Gewerken aus der Region, die ihre Erfahrung in Planung und Ausführung einbrachten. ⇥ma

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