43. Französische Filmtage
: Das Leben in Marseille

AnzeigeFestivalgast Mit neun Filmen von Robert Guédiguian geht es in die Arbeiterviertel.
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Redaktion Sonderthemen
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NPG

Der französische Regisseur Robert Guédiguian ist 1953 in Marseille geboren und findet dort immer neue Geschichten: zu Arbeit und Migration, Liebe und Streit, Politik und Erinnerung, Ausgrenzung und Solidarität. Er schaut schon immer von Marseille aus auf Frankreich und weniger von Paris. Auch sein neuer Film „Une femme aujourd‘hui“ (Eine Frau heute) spielt in der Hafenstadt. Protagonistin ist die 30-jährige Juliette (Marilou Aussilloux), die ein perfektes Leben hat, als der sexuelle Übergriff eines Kollegen sie völlig aus der Bahn wirft. Doch dann fängt sie an darüber nachzudenken, wer sie eigentlich ist, was sich für sie durch ihren Prestigejob im Finanzsektor verändert hat, was ihr wirklich wichtig ist, welche Frauenbilder gerade kursieren, und welche davon sie für sich zurückweist. Die Filmtage konnten sich die Deutschlandpremiere der Tragikomödie sichern. Insgesamt präsentiert die Werkschau neun Filme des Regisseurs mit dem genauen Blick für soziale Unschärfen, darunter sein Debüt „Dernier été“ (Letzter Sommer) von 1981. Damals machte er zum ersten Mal das Marseiller Arbeiterviertel L’Estaque zum Schauplatz, wo die Fabriken schließen, es an Arbeit und Geld fehlt und die Zukunft ungewiss ist. Die Filmtage begleitet Guédiguian seit langem: 1997 eröffnete das Festival mit „Marius et Jeannette“, der unwahrscheinlichen Liebesgeschichte zweier Menschen, die etwas wie Glück nicht mehr für sich erwarteten.

Wie es ist, sich als Malocher durchzuschlagen, hat der Regisseur selbst miterlebt: Seine Mutter hatte deutsche Wurzeln und arbeitete als Putzfrau. Sein Vater war Hafenarbeiter und stammte aus einer armenischen Familie.

Info:Ein Werkstattgespräch mit
Robert Guédiguian ist am Sonntag,
1. November, um 15.30 Uhr im
Institut Culturel Franco-Allemand,
Doblerstraße 25. Eintritt frei.