Die besten Jahre
: Demokratie braucht alle Generationen

AnzeigeUnsere Demokratie steht vor großen Herausforderungen. Krisen, Wandel und Unsicherheit betreffen alle Generationen – jedoch auf unterschiedliche Weise. Damit Demokratie zukunftsfähig bleibt, braucht es den Austausch zwischen Jung und Alt.
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Redaktion Sonderthemen
Sonderveröffentlichung
  • GenerationenzusammenhaltFoto: PX Media - stock.adobe.com⇥honorarfrei

    GenerationenzusammenhaltFoto: PX Media - stock.adobe.com⇥honorarfrei

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  • Damit Demokratie zukunftsfähig bleibt, braucht es den Austausch zwischen Jung und Alt. ⇥Foto: Mediteraneo / stock.adobe.com

    Damit Demokratie zukunftsfähig bleibt, braucht es den Austausch zwischen Jung und Alt. ⇥Foto: Mediteraneo / stock.adobe.com

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Europa erlebt bewegte Zeiten. Der Krieg in der Ukraine, die wachsende Unsicherheit an den europäischen Außengrenzen und die weltweite Zunahme autoritärer Tendenzen stellen die Grundlagen des friedlichen Zusammenlebens infrage. Was über Jahrzehnte zumindest für Westeuropa als selbstverständlich galt ein Leben in Frieden, Freiheit und Stabilität wird wieder brüchig. Inmitten dieser geopolitischen Erschütterungen wandelt sich unsere Gesellschaft rasant: technologisch, sozial, kulturell. Dabei wirkt nicht nur die äußere Bedrohung destabilisierend, auch von innen heraus geraten Vertrauen, Zusammenhalt und demokratische Kultur unter Druck.

Gleichzeitig spüren viele Menschen eine wachsende Geschwindigkeit, mit der sich Alltag, Medien, Politik, politische Willensbildungsprozesse und Lebensverhältnisse verändern. Was heute noch als sicher gilt, kann morgen schon überholt sein. Junge Menschen wachsen in einer Welt der Dauerkommunikation, digitaler Echtzeit und permanenter Erreichbarkeit auf. Ältere Generationen erleben tiefgreifende Umbrüche in einem Tempo, das Gewissheiten infrage stellt. Dieses Gefühl ständiger Beschleunigung betrifft alle Altersgruppen – es erzeugt Überforderung, aber auch Innovationsdruck, es entstehen Risiken, aber auch Chancen, die Gesellschaft weiterzuentwickeln. In dieser Lage stellt sich mehr denn je die Frage, wie gesellschaftlicher Zusammenhalt und demokratisches Miteinander unter veränderten Bedingungen gelingen können. Die politische Bildung sieht es als ihre Aufgabe, Räume für Dialog, Verständnis und gemeinsames Handeln über Altersgrenzen hinweg zu schaffen.

Megatrends: Kräfte des Wandels

Megatrends sind Entwicklungen, die über Jahrzehnte hinweg Bestand haben und viele Lebensbereiche durchdringen – von Technologie über Gesellschaft bis zur Politik. Für den Generationenzusammenhalt besonders bedeutsam sind:

• Demografischer Wandel

• Digitalisierung

• Individualisierung

• Globalisierung

• Wertewandel

• Migration

• Klimakrise

Diese Entwicklungen wirken nicht isoliert, sondern in Wechselwirkung. Sie treffen mit großer Wucht in den Worten von Andreas Zick, Beate Küpper und Nico Mokros, die gemeinsam 2023 die letzte sogenannte Mitte-Studie herausgegeben haben, „auf eine weitgehend unvorbereitete Gesellschaft, die normalerweise eher Ordnung, Sicherheit und einen ruhigen, möglichst risikoarmen Lauf bevorzugt.“

Gesellschaft im Spannungsfeld der Veränderung

Die genannten Trends stellen liberale demokratische Gesellschaften, so auch die Bundesrepublik Deutschland vor Herausforderungen. Die genannten Megatrends eröffnen wie gesagt Chancen, werden aber von Teilen der Bevölkerung als Herausforderung, Verunsicherung oder Bedrohung wahrgenommen. Die Gesellschaft steht vor der Frage: Schotten wir uns angesichts der Megatrends ab und fokussieren uns „auf uns“ und stellen dabei auch demokratische Errungenschaften infrage und geben sie preis? Oder nutzen wir die Potenziale der offenen Gesellschaft und öffnen uns für „andere“ und deren Belange auch über Generationen hinweg und entwickeln die Gesellschaft in eine offene und unbekannte Zukunft demokratisch weiter?

Vielfältige Herausforderungen

Dabei sind die Herausforderungen im gesellschaftlichen Miteinander sehr vielfältig. Unterschiedliche Mediennutzungen, politische Erwartungen und individuelle Lebensentwürfe bei nachlassender Bindungskraft klassischer Milieus und Traditionen führen nicht selten zu Missverständnissen oder sogar zu Vorurteilen. In gesellschaftlichen Debatten werden Generationen gelegentlich gegeneinander ausgespielt. Generationen lassen sich auch als Erfahrungsräume beschreiben, in denen bestimmte Werte, Erlebnisse oder Zukunftsvorstellungen vorherrschen. Demokratie ist wie oben schon dargelegt kein abgeschlossenes System, sondern ist ein fortlaufender Prozess, der über Generationen weiterentwickelt wird. Damit dieser Prozess gelingt, müssen die Interessen, Erfahrungen und Werte aller Generationen berücksichtigt werden. Dieser Ansatz wird verständlich, lenkt man den Blick auf biografisch bedingte Erfahrungen der jungen Generation – so auch der Soziologe Aladin El-Mafaalani gemeinsam mit dem Politikwissenschaftler Sebastian Kurtenbach und dem Soziologen Klaus-Peter Strohmeier. In ihrer aktuellen Publikation „Kinder – Minderheit ohne Schutz. Aufwachsen in der alternden Gesellschaft“ (2025) beschreiben sie eine Jugend im Krisenzustand. Exemplarisch wird dies aufgezeigt am Beispiel junger Menschen, geboren im Jahr 2007:

• Mit acht Jahren sind sie von der sogenannten Flüchtlingskrise 2015 betroffen: Schulen nehmen Geflüchtete auf, Turnhallen sind belegt.

• Mit 13 Jahren trifft sie die Coronapandemie (2020 bis 2022): Die Folge sind Lockdown der Schulen, Kontaktbeschränkungen, Digitalisierung.

• Mit 15 Jahren erleben sie Krieg in Europa (2022 ff.): Der Überfall Russlands auf die Ukraine löst Ängste aus, aber auch Energiekrise, Preissteigerungen, Inflationsrate– und wieder Zuwanderung von Geflüchteten, auch in den Schulen.

• Mit 16 Jahren sind sie mit eskalierender Gewalt im Nahen Osten konfrontiert (2023 ff.) Der Terrorangriff der Hamas auf Israel und der darauffolgende Krieg führen zu Konflikten in Deutschland, auch an Schulen.

• Mit 16/17 Jahren verfolgen sie Diskussionen über Waffenlieferungen, Sondervermögen und Wiedereinführung der Wehrpflicht für junge Menschen (2023 ff.).

Weiterhin Themen sind Klimawandel und Diskriminierung, Themen sind aber auch mentaler Stress, die Bilder- und Informationsflut der Sozialen Medien, Hass und Hetze im Netz sowie seit dem Start von ChatGPT 2022 zunehmend auch Künstliche Intelligenz.

Demokratische Werte vorleben

Demgegenüber bringen ältere Generationen mehr Erfahrung, historisches Wissen und langfristige Perspektiven ein.

Zudem werden demokratische Werte wie Toleranz, Kompromissbereitschaft nicht vererbt – sie müssen gelernt und vorgelebt werden. Ältere Generationen spielen eine wichtige Rolle in der Weitergabe dieser Werte an Jüngere, in Familien, Schulen, Vereinen oder zivilgesellschaftlichen Organisationen. unterschiedlichen Erfahrungen im Dialog der Generationen sichtbar zu machen ist eine Vorbedingung für Generationenzusammenhalt.

Demokratie braucht Generationenzusammenhalt

Generationenzusammenhalt stärkt die faire politische Teilhabe aller Altersgruppen. Wenn ältere und jüngere Menschen in Dialog treten, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass politische Entscheidungen generationengerecht ausfallen. Entscheidungen über Rentenpolitik, Bildung oder Klimaschutz betreffen Altersgruppen sehr unterschiedlich.

Nur durch Verständigung und Kompromisse können Lösungen entstehen, die langfristig tragfähig und demokratisch legitimiert sind. Ein Mangel an Generationenzusammenhalt gefährdet diesen Austausch und kann zu gesellschaftlicher Spaltung und Politikverdrossenheit führen. Ohne ihn drohen Polarisierung, Rückzug ins Private und eine Schwächung der demokratischen Kultur. Umso wichtiger sind generationenübergreifende Projekte, Bildungsangebote und politische Räume für Dialog und Austausch.

Quelle: Landesseniorenrat BW

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