130 Jahre Sozialstation
: In guten Händen

Anzeige130 Jahre Kirchliche Sozialstation Balingen Was mit einer einzigen „Stadtschwester“ begann und sich zum größten mobilen Pflegedienst im Landkreis entwickelt hat, feiert Geburtstag: Die Kirchliche Sozialstation Balingen wird 130 Jahre alt. Von Volker Schweizer
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Redaktion Sonderthemen
Sonderveröffentlichung
  • 130 Jahre Kirchliche Sozialstation Balingen⇥Volker Schweizer

    130 Jahre Kirchliche Sozialstation Balingen⇥Volker Schweizer

    Volker Schweizer
  • Die Historie der Einrichtung ist untrennbar mit dem Gebäude verbunden.

    Die Historie der Einrichtung ist untrennbar mit dem Gebäude verbunden.

    Volker Schweizer
  • Die Mitarbeitenden der Kirchlichen Sozialstation Balingen sind zugleich deren „größtes Kapital“.⇥Firmenfotos

    Die Mitarbeitenden der Kirchlichen Sozialstation Balingen sind zugleich deren „größtes Kapital“.⇥Firmenfotos

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  • 130 Jahre Kirchliche Sozialstation Balingen⇥Volker Schweizer

    130 Jahre Kirchliche Sozialstation Balingen⇥Volker Schweizer

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Die blau-weißen Fahrzeuge mit dem Logo zweier Menschen, die einander die Hand reichen, gehören längst zum vertrauten Straßenbild. Doch dahinter verbirgt sich eine lange und bewegte Geschichte. Die Wurzeln reichen zurück in das späte 19. Jahrhundert.

Lange und bewegte Geschichte

Im Juni 1894 findet sich in einem alten Protokollbuch der entscheidende Vermerk: Der damalige Oberamtmann Filser erbat für das Balinger Bezirkskrankenhaus zwei Schwestern vom Stuttgarter „Verein für Krankenpflegerinnen“. Zunächst kam jedoch nur eine: Marie Kröner. Als erste Olgaschwester trat sie 1895 ihren Dienst an und legte damit den Grundstein für die heutige Sozialstation.

Der Bedarf wuchs rasant. Die Diakonissen, an ihren weißen Hauben und den Kreuzbroschen mit der Aufschrift: „Gott spendet seine Güte und Treue“ erkennbar, waren bald aus Balingen und dem Umland nicht mehr wegzudenken. Schon 1905 versorgten 18 evangelische Schwestern und fünf katholische „Barmherzige Schwestern“ aus Untermarchtal Patienten in zwölf umliegenden Orten. Es war, wenn man so will, eine frühe, pragmatische Form der Ökumene.

Historie untrennbar mit Gebäude verbunden

Die Geschichte der Einrichtung ist auch untrennbar mit dem Gebäude in der Hindenburgstraße 34 verbunden. Um 1900 wurde das örtliche Krankenhaus zur Unterbringung von Lungenkranken umfunktioniert – eine enorme Herausforderung in Zeiten der Tuberkulose. Da der Platz nicht mehr ausreichte, wurde das heutige Domizil als „Evangelisches Schwesternheim“ erworben.

Lange Zeit waren die Schwestern bei Wind und Wetter zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs. Erst 1965 läutete ein VW Käfer eine neue Ära ein. In der damaligen Festschrift wurde stolz das Foto der „motorisierten Schwestern“ präsentiert. Heute führt ein Leitungsteam bestehend aus Pflegedienstleitung, hauswirtschaftlicher Leitung und Geschäftsführung gemeinsam die Geschicke der Sozialstation, die seit 1979 unter der Trägerschaft der evangelischen Gesamtkirchengemeinde Balingen steht. Trotz des Wandels zum professionellen Dienstleister bewahrt sich das Gebäude bis heute seinen ganz eigenen, geschichtsträchtigen Charme. „Wir haben viele Räume, es ist angenehm zu arbeiten, kein Großraumcharakter“, erklärt Geschäftsführerin Corinna Renner. In der alten Küche, die heute für Mitarbeiterfeste genutzt wird, finden sich in den Schubladen sogar noch Springerle-Backformen aus den Gründerjahren.

Der Blick der Leitung ist jedoch klar nach vorne gerichtet. „Der Mythos, dass Kirche veraltet und altmodisch ist, stimmt einfach nicht“, betont Corinna Renner. Die Station ist technisch digitalisiert, weltoffen und auf einem modernen Stand – entscheidend sei nicht die Herkunft und die Hautfarbe, sondern der Mensch. Neun E-Autos gehören bereits zum Fuhrpark; demnächst werden alte Garagen abgerissen, um Platz für moderne E-Ladestationen zu schaffen.

Sozialstation legt Wert auf Qualität

In Zeiten des Fachkräftemangels und des demografischen Wandels setzt die Sozialstation auf Qualität. Rund 478 Klienten werden aktuell in Balingen und Geislingen versorgt, wobei das Spektrum von medizinischer Behandlungspflege bis hin zur Angehörigenberatung reicht. „Die Leute werden immer älter, und die Kinder sind oft weit weg, weil sie auswärts studieren oder arbeiten“, schildert Renner die aktuelle Lage. Trotzdem gebe es keine Wartelisten. Umso wichtiger ist das Team aus rund 75 engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Pflegedienstleiterin Silke Stelter bezeichnet sie daher als das „größte Kapital“ der Einrichtung. Man begegne sich mit Respekt und pflege eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe. Die Arbeit, so betont sie, sei sinnstiftend, aber auch herausfordernd. Man sei dabei, sich bei der Versorgung von Menschen mit chronischen Wunden besonders zu qualifizieren, sodass mit speziell geschultem Fachpersonal und modernen Behandlungskonzepten eine fachgerechte Versorgung von chronischen und schwer heilenden Wunden gewährleistet wird.

Um die Motivation hochzuhalten, geht die Sozialstation Wege, die über den Standard hinausgehen: Tariflohn, Zusatzrente, Einspringprämien und – in der Pflegebranche eine Seltenheit – der Verzicht auf geteilte Dienste. Darüber hinaus durchlaufen immer wieder junge Menschen die dreijährige Ausbildung zur Pflegefachkraft.

Statt eines Festakts zum 130-jährigen Bestehen investiert die Kirchliche Sozialstation Balingen lieber in die Gemeinschaft. Da es schwierig ist, alle Mitarbeiter gleichzeitig unter einen Hut zu bekommen, wird Wert auf ein breitgefächertes Angebot gelegt. So geht das Team zum Beispiel kegeln, Minigolf spielen oder gemeinsam Pizza essen. Als kirchliche Einrichtung ist die Sozialstation nicht auf Gewinnmaximierung ausgelegt. „Wir sind gemeinnützig und investieren in faire Löhne und die Qualität der Pflege“, unterstreicht Corinna Renner. Ein Kontrollorgan der Gesamtkirchengemeinde wache über diese Ausrichtung, ergänzt Silke Stelter.

So schließt sich nach 130 Jahren der Kreis: Von der einzelnen Olgaschwester, die zu Fuß zu ihren Patienten eilte, bis hin zum digitalisierten Pflegedienst der Gegenwart bleibt der Kern der Arbeit identisch. Oder wie Silke Stelter es mit Blick auf das Logo und den Slogan „In guten Händen“ zusammenfasst: „Bei Gott sind sowohl die Klienten als auch die Mitarbeiter gut aufgehoben.“

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