Bezahlsystem WERO: Offene Rechnungen? Bezahlen per Handy
Mit sanftem Gelb und sattem Schwarz platziert sich seit einigen Monaten eine neue Funktion, die in vielen Banking-Apps zur Verfügung steht: Wero heißt der Dienst, der das Bezahlen einfach per Knopfdruck auf dem Smartphone schnell und unkompliziert machen soll. Dahinter steht ein Zusammenschluss europäischer Banken, die eine Alternative zu den US-dominierten Kartennetzwerken Visa und Mastercard sowie zu anderen internationalen Payment-Anbietern schaffen wollen.
Die European Payments Initiative (EPI) mit Sitz in Brüssel hat das System entwickelt. Aus Deutschland sind Banken maßgeblich beteiligt. Das Versprechen: ein sicheres, europäisches „Wallet“-Konzept, das über die Zeit verschiedene Zahlungsarten bündeln soll.
Schneller Geldtransfer zwischen Freunden
Wero soll den europäischen Zahlungsverkehr stärken. Das Verfahren schützt die Nutzerdaten innerhalb der europäischen Infrastruktur und reduziert Abhängigkeiten von internationalen Kartensystemen. Ziel ist ein souveränes, modernes und nutzerfreundliches Bezahlverfahren für Europa, das bei allen gängigen Bezahlsituationen funktioniert. Rund 46 Millionen registrierte Nutzer in Europa wissen bereits die unkomplizierte und zuverlässige Bezahlweise zu schätzen.
Laut EPI-Geschäftsführerin Martina Weimert startet Wero zunächst für Überweisungen zwischen Privatpersonen mit der sogenannten P2P-Zahlungen, bevor weitere Use Cases folgen. In Deutschland soll der Dienst dabei nach und nach auch auf den Handel ausgeweitet werden. Shopinhaber können die neue Bezahlmethode ab sofort über ihren Payment-Provider in den eigenen Webshop integrieren. Für Nutzer bedeutet das: Geldtransfers werden über die Bankverbindung abgewickelt, ohne dass eine zusätzliche Kartenzahlung nötig ist.
Kontoüberblick und Zahlungen in Echtzeit
Der Vorteil des Systems ist, dass Zahlungen in Sekunden erfolgen können, wobei der Betrag anschließend auf dem Konto in Echtzeit gutgeschrieben wird. Im Kern ist das für typische Situationen gedacht, in denen Beträge kurzfristig ausgeglichen werden müssen – etwa nach einem gemeinsamen Restaurantbesuch, wenn Tickets geteilt werden oder wenn kurzfristig Geld für ein Geschenk gesammelt werden soll.
Es steht keine Kartenorganisation wie Mastercard oder ein Drittanbieter wie Klarna oder Paypal außerhalb der Europäischen Union dazwischen. Auch müssen keine sensiblen Bank- oder Kartendaten an fremde Techkonzerne weitergegeben werden. Ein wesentlicher Komfortfaktor für die Benutzer ist der Verzicht auf das manuelle Abtippen der IBAN: Für Zahlungen genügen typischerweise Handynummer oder E-Mail-Adresse des Empfängers oder Händlers.
Wero wächst über Grenzen hinweg
Technisch sind die Funktionen direkt in den meisten Online-Banking-Apps der beteiligten Institute integriert. Besonders praktisch, weil in der Startphase dadurch für viele Nutzerinnen und Nutzer kein zusätzlicher Account außerhalb des Bankzugangs nötig ist.
Der Anspruch von Wero ist, nicht nur Deutschland abzudecken, sondern europaweit nutzbar zu werden. EPI plant den Ausbau schrittweise – zunächst mit angebundenen Ländern, später mit weiteren Märkten. Nutzer sollen dadurch nicht nur national, sondern perspektivisch auch grenzüberschreitend Zahlungen senden und empfangen können, sobald entsprechende Netz- und Bankenabdeckungen vorhanden sind. Parallel wird der Funktionsumfang erweitert, etwa um Zahlungen in weiteren Händlerkontexten sowie um zusätzliche Wallet-Funktionen. Auch der Handel spielt für Wero eine zentrale Rolle. Der Dienst soll mit digitalen Zahlungswegen im Onlinehandel und später zunehmend auch im stationären Kontext funktionieren. Dafür seien – laut EPI – weitere technische Erweiterungen vorgesehen, die Händlerbezahlung vereinfachen und die Nutzererfahrung im Kaufprozess verbessern sollen.
Der Konzertticketanbieter Eventim ist bereits gestartet. Folgen werden unter anderem Decathlon, Lidl oder Rossmann und die Liste soll kontinuierlich erweitert werden. ⇥ab

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