Tag des Bieres: Geschichten und Mythen

So manche Legende dürfte im Bierdunst entstanden sein. ⇥Foto: Anselm/adobe.stock
©Anselm/adobe.stock.comWer kennt sie nicht die Mythen, die am Stammtisch weitererzählt werden und die sich über Jahrhunderte beharrlich behaupten, auch wenn sie noch so falsch sind? Es sind meist launige Geschichten und Irrtümer rund um die Bierherstellung, den Biergenuss und die Bierkultur.
Qualitätstest mit der Lederhose
Die Qualitätskontrolle beim Bierbrauen umfasst heutzutage den gesamten Produktionsprozess: also vom Rohstoffeinkauf, Flaschenabfüllung bis zur Lebensmittelsicherheit.
Mit der Einführung des Reinheitsgebotes im Jahr 1516 mussten sich Brauer eines aus unserer heutigen Sicht kuriosen Tests unterziehen: Man goss eine reichliche Menge frisch gebrautes Bieres auf eine naturbelassene Bierbank. Dann wurden die Lehrlinge mit Lederhosen auf die nasse Bank gesetzt, wo sie ein bis zwei Stunden ruhig sitzen bleiben mussten. Die Lederhosen sogen sich zunächst mit dem Bier voll und trockneten. Dann standen alle gleichzeitig auf. Blieb die Bank nicht am Boden stehen, sondern an den Hosen kleben, hatte der Braumeister sein Werk gut gemacht und nicht an Malz gespart. Denn durch den Hosenbodentest wurde bewiesen, dass im frischen Bier genügend klebriger Malz-
zucker enthalten war.
„Ein Prosit der Gemütlichkeit“
Alle stoßen an; einige setzen das Bierglas vor dem ersten Schluck aber kurz auf dem Tisch ab. Die wahrscheinlichste Erklärung dafür ist, um sicherzustellen, dass der Trinkgenosse keine giftigen Substanzen in das Bier gegeben hat. Im Mittelalter wurden die Krüge mit großer Wucht aneinandergestoßen, so dass Bier von einem in das andere Gefäß schwappte. Damit waren sich die Trinkgenossen sicher: Wer mit seinem Gegenüber anstößt, hatte nicht die Absicht, dieses zu vergiften. Eine weitere mögliche Erklärung liegt im 19. Jahrhundert, als sich Bayern und Preußen nicht wohlgesonnen waren. Mussten beide jedoch zusammen anstoßen, hätten die Beteiligten vor dem ersten Schluck ihr Gefäß abgestellt und damit das Zuprosten rückgängig gemacht. Seeleute gedenken ihrer ertrunkenen Kameraden und lassen ihnen einen Salut zukommen. Zinndeckelbesitzer brauchen das Ritual zum Öffnen ihres Kruges. Egal für welche der vielen Anekdoten man sich beim bewussten Absetzen entscheidet, eine der Erklärungen passt sicher.
Gleichberechtigung gilt auch beim Bier
Bier ist längst keine reine Männersache mehr: Entgegen dem verbreiteten Klischee, trinken viele Frauen durchaus gerne Bier. Das zeigt eine Studie des Max-Rubner-Instituts, des Bundesforschungsinstituts für Ernährung und Lebensmittel. Demnach gaben 48 Prozent der befragten Frauen an, Bier gegenüber Wein zu bevorzugen. Damit liegt das Getränk bei fast jeder zweiten Frau vorn. Spirituosen sowie andere alkoholische Getränke stoßen laut Untersuchung deutlich auf weniger Zustimmung. Die Ergebnisse machen deutlich, dass Bier in der weiblichen Zielgruppe einen festen Platz hat und sich nicht auf klassische Männerrollen reduzieren lässt. Besonders interessant ist zudem der Blick auf die jüngere Generation: Bei den 19- bis 24-Jährigen spielt die Geschlechterfrage beim Trinkverhalten offenbar kaum eine Rolle. In dieser Altersgruppe trinken sowohl Frauen als auch Männer am liebsten Bier, wenn sie zu alkoholischen Getränken greifen.
Die Studie unterstreicht damit eindeutig, dass Bier in vielen Alters- und Bevölkerungsgruppen beliebt und nicht nur „reine Männersache“ ist. ⇥pm