Medizin von Morgen
: Prävention als Zukunftsauftrag

AnzeigePrävention gilt als einer der wichtigsten Hebel, um das deutsche Gesundheitssystem langfristig zu sichern. Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) will die Gesundheitsvorsorge dafür gezielt ausbauen.
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Redaktion Sonderthemen
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Das gesundheitliche Potenzial ist groß: Bis zu 80 Prozent der Herz-Kreislauf-Erkrankungen und bis zu 40 Prozent der Krebserkrankungen lassen sich vermeiden. Laut WHO beruhen rund 60 Prozent der vorzeitigen Todesfälle bei chronischen Erkrankungen auf beeinflussbaren Risikofaktoren wie Tabak, Alkohol, Übergewicht, Bluthochdruck, Bewegungsmangel oder Fettstoffwechselstörungen. Auch bei Infektionserkrankungen gibt es erhebliches Präventionspotenzial – von Atemwegsinfektionen über Magen-Darm-Infektionen bis hin zu sexuell übertragbaren Erkrankungen.

Deutschland steht bei der Prävention nach Einschätzung von Fachinstitutionen nicht optimal da. Die OECD verweist darauf, dass die Lebenserwartung hierzulande unter dem EU-Durchschnitt liegt. Das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung sieht dafür auch Defizite in der Vorsorge als mitverantwortlich. „Nur“ um Lebensverlängerung gehe es dabei nicht: Prävention kann schwere Verläufe verhindern, Komplikationen reduzieren und Menschen länger in vergleichsweise guter Gesundheit halten. Das bedeutet auch: weniger Beschwerden im Alltag und weniger stationäre Behandlungen.

Gezielte Prävention entlastet das Gesundheitssystem

Zugleich kann Vorsorge die Kostenentwicklung bremsen. Wenn vermeidbare und teure Krankenhausaufenthalte ausbleiben, entlastet das die Gesundheitssysteme – gerade in einer Phase, in der sie vielerorts an finanzielle Grenzen stoßen. Eine finanzierbare und funktionierende Versorgung gilt zudem als Resilienzfaktor für demokratische Gesellschaften.

Prävention setzt an mehreren Stellen an. Zunächst geht es darum, Risiken und Ursachen besser zu verstehen: Welche Faktoren fördern Krankheiten? Welche Mechanismen verschlimmern sie? Mindestens ebenso wichtig ist jedoch der Transfer in die Praxis. Wirksame Präventionsmaßnahmen müssen identifiziert, evaluiert und so gestaltet werden, dass sie tatsächlich im Alltag ankommen – im Gesundheitswesen ebenso wie außerhalb, etwa in Bildung oder im digitalen Alltag.

Technologie kann den Transfer beschleunigen, etwa bei gesundheitsförderlichen Lebensstilen. Gleichzeitig braucht es passende Versorgungsstrukturen, die regional erprobt und bewertet werden – etwa bei der Demenzprävention oder bei der Primärprävention des Typ-1-Diabetes. Auch soziale Determinanten sind zentral: Prävention muss dort ansetzen, wo ungleiche Lebensbedingungen Gesundheitsrisiken verstärken. Forschung soll außerdem etablierte Ansätze vereinfachen. Beispiele dafür sind die Entwicklung einer leichter handhabbaren HPV-Impfung durch das Deutsche Krebsforschungszentrum in Heidelberg oder neue medikamentöse Ansätze zur Gewichtsreduktion, die in München mitentwickelt wurden.

BMFTR fördert Prävention über die ganze Kette hinweg

Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) unterstützt Prävention von der Wissensgenerierung bis zur Anwendung. Ein Leuchtturmprojekt ist die seit 2014 laufende NAKO-Gesundheitsstudie: Rund 200.000 Erwachsene werden über Jahrzehnte medizinisch begleitet. Ziel ist es, Faktoren zu identifizieren, die Krankheiten begünstigen – um daraus neue Präventionskonzepte abzuleiten.

Insgesamt fördert das BMFTR mehrere Interventionsstudien für gesunde und nachhaltige Lebensbedingungen. Mehrere Verbünde konzentrieren sich zudem auf Darmkrebs: vier Projekte betreffen Prävention und Früherkennung bei jungen Erwachsenen. Weitere vier arbeiten an risikoadaptierter Krebsfrüherkennung für Krebsarten, für die es bisher keine Programme gibt.

Auch die psychische Gesundheit ist Teil des Ansatzes: Das Deutsche Zentrum für Psychische Gesundheit (DZPG) untersucht an sechs Standorten, wie psychische Erkrankungen insbesondere in Kindheit und Jugend entstehen. Ziel ist es, Erkenntnisse für frühere und wirksamere Prävention zu gewinnen.

Ausblick

Prävention sei in den vergangenen Jahrzehnten sowohl in der Forschung als auch in der Umsetzung zu kurz gekommen. Die Förderprogramme des BMFTR sollen das ändern. Denn bessere Vorsorge hilft nicht nur einzelnen Menschen – sie kann auch die Sozialsysteme entlasten und damit langfristig ein wichtiger Resilienzfaktor für demokratische Gesellschaften sein. ⇥jun

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