Bürgerwehr Dietenheim: Tradition, Wandel und Wunsch nach Nachwuchs
Bürgerwehr und Spielmannszug sind traditionell fest in Dietenheim verwurzelt und aus dem Leben in der Stadt nicht wegzudenken. Die Bürgerwehr ist erstmals im Jahr 1313 urkundlich erwähnt und hat somit ins Mittelalter zurückreichende Wurzeln. Um 1590 erhielt sie durch die Grafen Fugger eine rechtliche Grundlage. Zu ihren ursprünglichen Aufgaben gehörte es, die mittelalterliche Stadt bei Bränden, Hochwasser, Diebstählen und Unruhen zu verteidigen und zu sichern. Protokolle aus den Jahren ab 1896 zeugen noch heute davon. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts erhielt die Bürgerwehr zudem ihre Uniform, deren Erscheinungsbild damals wie heute gleich ist. Sie orientiert sich an der Uniform und dem Raupenhelm des 12. Bayerischen Infanterie-Regiments „Prinz Arnulf“. Die Offiziere tragen einen Zweispitz mit Goldtressen und Hahnenfederbusch in den württembergischen Landesfarben sowie in den Stadtfarben Dietenheims. Im Laufe der Jahrhunderte haben sich jedoch die Aufgaben der Bürgerwehr stark gewandelt. Heute begleitet die Bürgerwehr traditionell als Garde das kirchliche und kulturelle Leben und steht als Verein für gelebte Kameradschaft und Geselligkeit.
Aus den Reihen der Bürgerwehr heraus gründeten 1951 drei Trommler den Spielmannszug als eine Abteilung der Bürgerwehr. Noch im selben Jahr traten zahlreiche Musiker mit weiteren Instrumenten dem Spielmannszug bei. Den ersten öffentlichen Auftritt hatte man anlässlich des 50-jährigen Jubiläums des Liederkranzes. Selbstverständlich war für den Spielmannszug die Teilnahme an den Festlichkeiten zur Stadterhebung Dietenheims im Jahr 1953. Der Erfolg nimmt seinen Lauf: Schon zehn Jahre später punktet der Spielmannszug bei seinem ersten Wertungsspiel in Rottenburg: „Durch gutes Spiel und Haltung erreicht er den 1. Rang und bekommt den Siegerkranz in Gold verliehen“, ist in der Chronik zu lesen.
Die Jahre vergehen, der Spielmannszug wächst und gedeiht und findet immer mehr Freunde und Unterstützer. 2001 feiert man selbst das 50-jährige Bestehen. Es findet ein gemeinsames Konzert der Spielmannszüge Ehingen, Mittelbiberach, Waldburg und Dietenheim statt. Bei der Veranstaltung kommen Percussion-Instrumente wie Congas, Bongos, Xylophon, Kesselpauken und viele mehr zum Einsatz.
Auch auf nationaler Ebene sind die Dietenheimer mit von der Partie. So fahren mehrere Spielleute mit nach Berlin, um im Haus Baden-Württemberg einen Großen Zapfenstreich zur Verabschiedung des damaligen Ministerpräsidenten Erwin Teufel aufzuführen.
Der Spielmannszug ist bei zahlreichen Veranstaltungen präsent, darunter Kritikspiele bei Landestreffen, dem Kinderfest Laupheim, den Heimattagen Baden-Württemberg sowie einem Gelöbnis der Bundeswehr. Der Spielmannszug verfügt über ein umfassendes Repertoire an Straßenmärschen. Darüber hinaus zählt eine große Auswahl an konzertanten Stücken zum Standardrepertoire. Seit 2020 spielen die Musikerinnen und Musiker unter der Leitung von Tambourmajor Fabian Graf.
Was wünscht sich der Spielmannszug für die Zukunft? „Dass wir so bleiben, wie wir sind. Mit einem Durchschnittsalter von rund 30 Jahren sind wir gut aufgestellt“, so Carsten Baur, der das Amt des Kommandanten und Vorstands bekleidet. „Vielleicht etwas mehr Nachwuchs bei der Infanterie. Da wollen wir noch ein bisschen Werbung zur Mitgliedersuche machen.“

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