Alles geregelt: In die Zukunft gedacht

Wer über den Tod hinaus denkt, ist nicht makaber, sondern erleichtert seinen Angehörigen die Trauer.⇥Foto: Lars Gieger/Adobestock
Lars Gieger - stock.adobe.comWährend im Testament das Erbe festgelegt wird, ist es beim Probesterben Ziel, zu prüfen, was im Ernstfall passieren würde, ob alle wichtigen Unterlagen da sind oder die Angehörigen an Konten, Versicherungen oder wichtige Dokumente herankommen.
Probesterben heißt also in der Praxis, den eigenen Nachlass so zu betrachten, als wäre der Todesfall bereits eingetreten und systematisch zu prüfen.
Der Einblick für die Angehörigen
- Ist ein Testament eindeutig formuliert?
- Gibt es Pflichtteilsansprüche?
- Können Angehörige auf Geld und Unterlagen zugreifen?
- Sind Vollmachten vorhanden?
- Entstehen im Ernstfall
finanzielle Engpässe? - Gibt es Probleme mit Vermögen im Ausland?
- Abschied am Sarg: Meist gibt es die Möglichkeit, sich vor der Kremation oder der Beerdigung noch ein letztes Mal am offenen Sarg von dem Verstorbenen zu verabschieden. Ein feierlich geschmückter Abschiedsraum bietet den würdigen Rahmen.
- Trauerrede: In einer modernen Trauerfeier, ob konfessionell oder religiös ungebunden, ist die Trauerrede das zentrale Element. Sie fasst die Biographie kurz und bündig zusammen und würdigt den Charakter der verstorbenen Person.
- Trauermusik: Anstelle von Kirchenliedern beziehen trauernde Familien heute gerne die Lieblingsmusik der Verstorbenen mit in die Trauerfeier ein. Sie erinnert an gemeinsame Erlebnisse und bringt die Persönlichkeit eines Menschen auf eine weitere Art in die Feier ein. Die Musik soll dabei Emotionen und Bilder im Kopf eines jedem wecken.
- Trauerkaffee oder Leichenschmaus: Kaffee und Kuchen im Kreis der Familie und dem engsten Freunden zum Ausklang der Beerdigung – diese Sitte ist als Trauerkaffee bekannt; wenn eine vollständige warme Mahlzeit serviert wird, spricht man von einem Leichenschmaus. Dieses Zusammensein bietet Angehörigen eine wertvolle Gelegenheit, sich gemeinsam zu erinnern.
- Gedenken nach der Beisetzung: Grabstellen sind ein wichtiger Ort des Erinnerns. Dabei kann es sich um ein klassisches Grab auf dem Friedhof handeln, einen Gedenkstein in einer Baumgrab-Anlage, eine Urnenwand oder einen Baum im Bestattungswald. Die Grabpflege ist für Hinterbliebene eine Gelegenheit, sich der verstorbenen Person nahezufühlen und die eigene Trauer zu verarbeiten.
Gerade wenn mehrere Personen betroffen sind oder Vermögen aus verschiedenen Bausteinen besteht, lohnt sich ein genauer Blick.
Je komplexer die Lebens- und Vermögensverhältnisse sind, desto komplizierter sind die Finanzverhältnisse und größer ist das Risiko, dass im Todesfall etwas übersehen wird. Wer neben dem Haus in Deutschland noch ein Ferienobjekt im Ausland besitzt, Wertpapiere bei mehreren Banken verwaltet oder Versicherungsverträge in unterschiedlichen Ländern hat, sollte besonders sorgfältig planen.
Der Überblick für die Hinterbliebenen
- Girokonten und Sparkonten
- Depots und Wertpapiere
- Immobilien
- Lebensversicherungen
- Geldanlagen
- Schmuck, Kunst oder andere Wertgegenstände
- Digitale Verträge und Konten
- Bausparverträge, Rentenansprüche und betriebliche Vorsorge
Nicht zu unterschätzen ist auch der digitale Nachlass. Dazu gehören E-Mail-Konten, Cloud-Dienste, Streaming-Abos, Online-Banking oder auch Profile in sozialen Netzwerken. Wenn Angehörige keinen Zugang haben, kann selbst die Kündigung alltäglicher Verträge schwierig werden. Daher sollte ebenfalls geklärt werden, wo Passwörter, Zugangsdaten oder Anweisungen aufbewahrt werden und wer im Ernstfall darauf zugreifen darf.
Vollmachten und Verfügungen
Nicht nur für den Todesfall, sondern auch für Krankheit oder Entscheidungsunfähigkeit sind Vollmachten sehr wichtig. Dazu gehören zum Beispiel:
- Vorsorgevollmacht
- Bankvollmacht
- Patientenverfügung
- Betreuungsverfügung
Formulare sind im Internet, zum Beispiel auf der Homepage des Bundesministeriums der Justiz und Verbraucherschutz, als Vordruck zu finden. Diese Vordrucke sollte man nicht einfach nur ausfüllen und abheften. Entscheidend ist, dass die Dokumente im Ernstfall auffindbar sind und die bevollmächtigten Personen wissen, was geregelt wurde. Zudem sollten Vollmachten regelmäßig überprüft werden, etwa nach Heirat, Scheidung, Geburt von Kindern, Immobilienkauf oder größeren Vermögensveränderungen.
Wichtige Kontakte sammeln
- Wer ist Hausarzt, Notar, Steuerberater, Versicherungsberater oder Ansprechpartner bei der Bank?
- Welche Unterlagen liegen beim Notar, im Banksafe oder im privaten Ordner?
- Wer kennt den Standort des Testaments?
- Welche Familienmitglieder, Freunde und Bekannte sollen benachrichtigt werden?
Diese wichtigen Informationen sparen viel Zeit und verhindern, dass Angehörige mühsam nach einzelnen Puzzleteilen suchen müssen. Schließlich sind die Hinterbliebenen durch die Trauer belastet. Das Probesterben ist also kein makabres Gedankenspiel, sondern ein praktischer Test für die Vorsorge. Es hilft, den Nachlass einmal realistisch durchzudenken, Fehler rechtzeitig zu erkennen und Schwachstellen aufzudecken. Wer sich früh damit beschäftigt, kann dafür sorgen, dass die Hinterbliebenen entlastet werden. Denn gute Vorsorge bedeutet nicht nur, den eigenen Willen festzuhalten, sondern dafür zu sorgen, dass er tatsächlich umgesetzt werden kann.⇥ab

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