Urlaub in Westjütland: Wenn der Wind überhaupt nicht stört
Urlaub mit Teenagern? Da ist es nicht immer ganz leicht, den Geschmack zu treffen. Die einen wollen eigentlich gar nicht mehr mit, die anderen finden alles wahlweise öde, uncool oder einfach nur nervig. Charlotte (15) und Raphael (12) haben es trotzdem gewagt und sich mit Mutter auf an nach Westjütland gemacht, an die dänische Nordseeküste. Die Erwartungen? Gedämpft.
Doch schon beim Blick ins geräumige Ferienhaus, das versteckt hinter einer Düne liegt, schwindet die Skepsis ein wenig. Es gibt viel Platz, einen großen Fernseher, für jeden ein Zimmer – aber das Wlan funktioniert nicht. Anruf beim Vermieter, keine halbe Stunde später klopft der Techniker an der Hinterrtür. Das Problem ist in Nullkommanix behoben. Wlan ist da und wird im Verlauf der folgenden Tage erstaunlicherweise unwichtig.
Für den Strandurlaub sind wir nicht gemacht. Einmal probiert und schon nach eineinhalb Tagen auf der Strandliege haben die Kinder gefragt: Und was machen wir heute? An unsem dänischen Strand ist es schwierig sich platt den ganzen Tag auf den Bauch zu legen. Ohne Wind sehen wir ihn kaum, dafür gibt es was viel wichtigeres: Wellen! Die hinterlassen zwar Kratzer auf dem Bauch, aber wen stört’s? Der Spaziergang zum Sonnenuntergang, eine Runde ins Wasser – das wird zur Abendroutine.
Die Kinder wollen Programm und das gibt es reichlich. Zunächst einmal steht ein Abstecher nach Ribe an. Raphael murrt zunächst, Wikinger ist ja eigentlich was für kleine Kinder. Wir machen uns auf eigene Faust auf den Weg und erkunden das Dorf. Schon bald wächst das Interesse, an den Tieren, die dort gehalten werden, an den Menschen, die in zeitgemäßer Kleidung auf Zeit leben. Spätestens als die beiden dann angesprochen werden, ob sie ein Wikinger-Spiel probieren wollen, ist der Bann gebrochen: Die Schwester mit einem Sack vom Balken prügeln, das trifft Raphaels Geschmack zu 100 Prozent. Auch Bogenschießen, sich selbst ein Messer machen und eine Münze prägen.
Henne Strand ist ein idealer Ausgangspunkt auch für Aktivitäten, die wenig näher liegen. Die App des Naturparks Vesterhavet bietet zahlreiche Infos, etwa über den Filsø-See. Eine Rad-Tour mit 25 Kilometern Länge ist – trotz Wind – auch für weniger Geübte sehr gut zu schaffen. Die Aussicht entlohnt für die Anstrengung, besonders auf der noch neu angelegten Holzbrücke. Einzig ein Vogelspektakel wird uns nicht geboten, doch das liegt an der Jahreszeit (Juni).
Der Höhepunkt des Kurztrips nach Dänemark sollte das Drachenfest auf der Insel Fanø sein, 50 Kilometer und knapp eineinhalb Stunden mit dem Auto von unserem Ferienhaus entfernt. Das Wetter passt, die Sonne scheint, aber auch der Wind ist da, denn der ist für unser Vorhaben unerlässlich. Was da alles in der Luft schwebt, lässt uns einfach nur staunen. Vom Hasen bis zum Wal in allen möglichen Größen ist alles geboten. Ein Spektakel und trotzdem ganz unaufgeregt.
Doch noch viel mehr sind die Kinder scharf aufs Blokart fahren. Über das Tourismusbüro haben wir gebucht und jetzt stehen sie vor diesen Geräten, die aussehen wir ein dreirädriges Go-Kart mit Segel. Schon Zwölfjährige können fahren, sofern sie es auf eine Größe von 1,35 Metern bringen. Viel Wind, wenig Gewicht, das könnte bei Raphael knapp werden, also wird er zunächst mit der großen Schwester ins Sportgerät gesetzt. Helm auf, rein, kurze Erklärung, was mit den Seilen zu tun ist und los geht’s.
Erst einmal ist Achterfahren gefordert, die (Un-)einigkeit im geschwisterlichen Kart ist allerdings ein Hindernis fürs Fortkommen. Also hat der gute Mann ein Einsehen und lässt Raphael doch ins eigene Blokart. Zehn Minuten später ist freie Fahrt angesagt. Vorbei an denen, die mit ihrem eigenen Sportgerät in einer affenartigen Geschwindigkeit unterwegs sind, geht es auf den weitläufigen Strand.
Mütter sollten entweder gute Nerven haben oder einfach wegschauen. Denn es wird richtig schnell, wenn man’s kann. Denn mit dem Wind voranzukommen, das ist keine Kunst. Der Rückweg dafür schwieriger. Das Segel richtig zum Wind stellen und dabei nicht umzukippen, das ist die Kunst. Charlotte hat es schnell raus, Raphael wird einmal dann doch Opfer des geringen Gewichts und liegt wie ein Käfer auf dem Rücken. Schnell sind helfende Hände da. Eins ist sicher: Dieser Programmpunkt des Urlaubs war zu schnell vorbei. Nach einer Stunde sind die Arme zwar müde, doch die Kinder komplett begeistert.
Tag vier. Schon wieder Museum. Aber nach Action pur, darf das auch mal sein. Es geht nach Blåvand ins Tripitz-Museum. Das Thema ein Ernstes, Dänemark im Zweiten Weltkrieg. Wieder einmal liegen Erwartung und Wirklichkeit ziemlich weit auseinander. Schon von Außen ist das futuristische Museum beeindruckend. Drinnen ist es gegliedert in mehrere Bereiche, man trifft sich immer wieder in der Mitte. Einen Zeitpunkt auszumachen ist an dieser Stelle sicher kein Fehler, denn mit dem Audioguide um den Hals sind alle ganz schnell weg.
Auch hier gilt: Anfassen erlaubt, Geschichte wird erleb- und erfassbar. Die Geschichte der Westküste – ganz ohne Krieg – kann man in einem Raum erleben. Die besten Geschichten von Westjütland sind hier zusammengetragen. Dann gibt es alles über Bernstein oder man kann sich in die beklemmende Situation auf dem Minenfeld nachvollziehen, inklusive virtueller Explosion, wenn man einen falschen Schritt macht. In der Bunkerlandschaft werden Geschichten von Menschen im Krieg erzählt, Einzelschicksale, die das damalige Leben begreifbar machen. Allein lassen sollte man die Kinder in diesem Teil des Museums nicht, denn es tauchen fragen auf. Den Abschluss bildet dann der Besuch des Tirpitz-Bunkers, der Anlagen drinnen und draußen.
Daten und Fakten
Unterkunft Es besteht die Wahl zwischen einzel stehenden Ferienhäusern, in denen man ganz für sich ist, aber auch einen etwas weiteren Weg zum Strand oder zum Café hat, oder aber enger zusammenstehenden Häusern. Die Ausstattung ist hervorragend, bis hin zu Whirlpool und Sauna. Die Preise variieren je nach Saison sehr stark. Für eine Woche im Juli in einem großen Ferienhaus mit Terasse, Waschmaschine und Sauna zahlten wir 450 €. Strom kommt noch dazu, fällt aber nicht ins Gewicht, wenn man nicht täglich in der Sauna sitzt. Bettwäsche kann mitgebracht oder dazugebucht werden. Info und Buchung über die Homepage: www.hennestrand.de
Ribe VikingCenter Eintritt für alle ab 14 Jahre 130 DKK (ca. 18 €), Kinder 65 DKK (ca. 9 €). Eine Aktivitätskarte (Bogenschießen, Schnitzen, Münze prägen) kostet 60 DKK (ca. 8 €). Weitere Aktivitäten sind kostenlos. Info zu Öffnungszeiten: ribevikingecenter.dk
Blokart 350 DKK (ca. 45 €) pro Stunde kostet die Fahrt inklusive Ausrüstung, Einweisung un Üben. Kontakt und Info: Club Fanø Blokartschule oder über die Tourist-Info Fano. Möglich für Kinder ab 12 Jahren und einer Mindestgröße von 1,35 m.
Tirpitz-Museum Erwachsene zahlen 145 DKK (ca. 19 €), Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sind kostenlos; Info zu Öffnungszeiten: vardemuseerne.dk/de



