Zugegeben: Pflanzenjauche klingt wenig appetitlich und ruft bei manchem Gartenmenschen fragendes Stirnrunzeln hervor. Doch Tomaten, Zucchini oder Kohl stehen auf den grünen Cocktail und danken es mit gesundem Wachstum und üppigem Fruchtansatz. Das Beste: Der Flüssigdünger kann unkompliziert selbst im Garten hergestellt werden und kostet fast nichts, außer ein wenig Zeit.
Die Pflanzenjauche, eine Brühe aus vergorenen Pflanzen und Kräutern, stellt Nährstoffe in gelöster Form zur Verfügung, die zur Bildung von Blüten, Früchten oder Knollen nötig sind. Vor allem stark wüchsige Gemüsepflanzen wie Tomaten, Kürbis oder Kohl brauchen viel Kraft für Wachstum und Fruchtbildung und verlangen öfter Düngernachschub. Während sich trockener Dünger wie Hornspäne oder Düngepellets im Boden erst zersetzen muss, steht Flüssigdünger den Pflanzen unmittelbar zur Verfügung.

Hält den Boden fruchtbar

Der Jauchecocktail enthält Stickstoff, Kalium, Phosphor, Kieselsäure, Enzyme, Hormone, Vitamine und Schleimstoffe, welche die Gemüsepflanzen schnell verstoffwechseln können. Und auch die Mikroorganismen und nützlichen Regenwürmer im Gartenboden freuen sich über den Krafttrunk. So hält Pflanzenjauche auch den Boden lebendig und fruchtbar. Für die Grundversorgung sollten Pflanzen aber jährlich mit Kompost oder anderem organischem Dünger versorgt werden. Die Jauchen sind als Pflanzenstärkungsmittel und Nährstoffkick zu verstehen.
Für das Ansetzen einer Pflanzenjauche eignet sich eine ganze Reihe von Pflanzen wie Brennnesseln, Ringelblumen, Beinwell, Schafgarbe, Rainfarn, Ackerschachtelhalm und Löwenzahn. Auch Mischungen verschiedener Pflanzen und Kräuter sind möglich. Sellerie, Kohl und Tomaten sprechen besonders gut auf eiweiß- und kalireiche Beinwelljauche (Comfrey) an. Ebenso lassen sich Gemüseblätter aus Ernteabfällen, Rasenschnitt sowie Wild- und Gartenkräuter ohne Samen zu Dünger verjauchen.

Täglich gut umrühren

Am bekanntesten ist die stickstoff- und mineralstoffreiche Brennnesseljauche, die mehrmals während der Wachstumszeit an Gemüsepflanzen mit großem Appetit gegossen werden kann. Zum Ansetzen braucht man lediglich frische Brennnesseln, Wasser und ein großes Gefäß aus Holz oder Kunststoff, etwa einen Mörteleimer. Metallkübel sind dagegen nicht geeignet, weil sie unerwünschte chemische Reaktionen mit dem Pflanzensaft auslösen können.

Jauchegefäß mit einem Drahtgitter abdecken

Das Gefäß wird locker bis zwei Handbreit unter den Rand mit grob zerkleinerten, nicht blühenden Brennnesseln bestückt und mit Regenwasser oder abgestandenem Leitungswasser aufgefüllt. Dann wird mit einem Holzstab gründlich umgerührt und das Jauchegefäß mit einem Drahtgitter zum Schutz von Kleintieren abgedeckt.
Ein sonniger Platz und tägliches Umrühren setzen die Gärung binnen weniger Tage in Gang. Wenn die Brühe schäumt und stinkt, läuft die Verwandlung zum Flüssigdünger auf Hochtouren. Wem das Jauchedüftchen zu sehr in der Nase sticht, kann eine Handvoll Steinmehl über die Brühe stäuben, welches den Geruch bindet. Nach ein bis zwei Wochen hat die Pflanzenbrühe in der Regel ausgegärt und ist fertig zum Verwenden. Pflanzenreste, die sich nicht zersetzt haben, können herausgefischt und auf den Kompost gegeben werden.

Auf das richtige Verhältnis kommt es an

Der kraftvolle Flüssigdünger darf Pflanzen niemals unverdünnt verabreicht werden. Ein Zuviel des Guten bewirkt aufgedunsenes Wachstum, viel Blattmasse und Anfälligkeit für Schädlinge. Deshalb wird Pflanzenjauche immer stark mit Wasser verdünnt, in der Regel im Verhältnis 1:20. Alle zwei bis drei Wochen ausgegossen, bekommt Brennnesseljauche fast allen Gemüse-, Obst- und Zierpflanzen gut. Nur Bohnen, Erbsen, Zwiebeln und Knoblauch mögen die stickstoffhaltige Kost nicht.
Starkzehrer wie Tomaten und Prachtstauden hingegen dürfen regelmäßig einen Brennnesselcocktail in der Verdünnung 1:10 zu sich nehmen. Die Brühe wird aus der Kanne direkt an den Wurzelbereich gegossen ohne Blätter und Blüten zu benetzen. Sie können an heißen Tagen regelrecht verbrennen.

 Brennnesseljauche gegen Blattläuse

Machen sich Blattläuse an Rosentrieben oder Gemüsepflanzen breit, kann gärende Jauche aus Brennnesseln helfen. Dazu wird die schäumende Brühe fünfzigfach verdünnt und ausgiebig über die befallenen Pflanzen gespritzt. Die Anwendung sollte mehrmals wiederholt werden. Achtung: Die beißende Jauche vertreibt nicht nur Blattläuse, sondern kann auch Nützlinge wie Marienkäferlarven oder Schlupfwespen schädigen. Deshalb am besten nur verwenden, wenn die Nützlinge der Blattlausinvasion nicht Herr werden.
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