Waffenruhe in Nahost
: Hamas lässt drei weitere Geiseln frei

Die islamistische Hamas hat im Gazastreifen drei weitere Geiseln freigelassen. In einer Fernseh-Liveübertragung war zu sehen, wie die aus Israel entführten Männer an Vertreter des Roten Kreuzes übergeben wurden.
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dpa
Tel Aviv/Gaza
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Nahostkonflikt - Tel Aviv: 08.02.2025, Israel, Tel Aviv: Eine Frau hält während einer Versammlung Plakate mit Fotos der israelischen Geiseln Eli Sharabi, Or Levy und Ohad Ben Ami. Foto: Oded Balilty/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Eine Frau hält während einer Versammlung Plakate mit Fotos der israelischen Geiseln Eli Sharabi, Or Levy und Ohad Ben Ami, die am Samstag freigelassen wurden.

Oded Balilty/AP/dpa
  • Hamas ließ im Gazastreifen drei weitere Geiseln frei, darunter Ohad Ben Ami, Or Levy und Eli Scharabi.
  • Die Freilassung erfolgte trotz US-Präsident Trumps umstrittener Äußerungen zum Gazastreifen.
  • Israel kündigte die Freilassung von 183 palästinensischen Häftlingen als Gegenleistung an.
  • Die Geiseln haben teils tragische Schicksale erlitten; Familienangehörige wurden ermordet.
  • Die Familien der Geiseln zeigten Freude und Erleichterung über die Freilassung.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Nach der Freilassung drei weiterer Geiseln durch die islamistische Hamas im Gazastreifen sind die Männer zurück in ihrer Heimat. Bei den freigelassenen Männern handelt es sich um Ohad Ben Ami (56), Or Levy (34) und Eli Scharabi (52). Sie hätten die Grenze nach Israel überquert, teilte das Militär mit. Sie seien auf dem Weg zu einer Armeeeinrichtung im Süden Israels. Dort sollen sie demnach auch ihre Angehörigen treffen. Zudem sollen sie dort medizinisch untersucht werden. Anschließend sollten sie in Krankenhäuser gebracht werden. Die aus Israel entführten Männer sahen bei der Übergabe an Vertreter des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) abgemagert und blass aus.

Familien schockiert über Zustand der Freigelassenen

Angehörige der Geiseln haben angesichts ihres augenscheinlich schlechten Zustands bestürzt reagiert. Mehrere Familienmitglieder brachen in Tränen aus, als sie die Männer live im Fernsehen sahen, wie israelische Medien berichteten.

Die Verwandte von Ohad Ben Ami (56), der Berichten zufolge auch die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt, sagte Medien zufolge, der 56-Jährige sehe schlimm und mindestens zehn Jahre älter aus, als er sei.

Der Bruder von Or Levy (34) sagte israelischen Medien zufolge, es sei schwer, ihn so zu sehen, nach allem, was er durchgemacht habe. Der Sohn des 34-Jährigen sei aufgeregt und könne es kaum erwarten, seinen Vater wiederzusehen, sagte Tal Levy demnach. Die Mutter des Kindes war am 7. Oktober auf dem Nova-Musikfestival getötet worden.

Das Forum der Geiselfamilien sprach von „verstörenden Bildern“ der Freilassung.

Geiseln trotz Aussagen von Trump freigelassen

Es gab Befürchtungen, US-Präsident Donald Trump könnte mit seinen überraschenden Vorschlägen zum Gazastreifen die Geiselfreilassungen gefährden. Doch der Austausch israelischer Geiseln gegen inhaftierte Palästinenser ging am Samstag (8.2.) trotz der Aufregung um die umstrittenen Äußerungen von US-Präsident Donald Trump zur Zukunft des Gazastreifens weiter. Die islamistische Hamas wies Trumps Umsiedlungspläne zwar empört zurück und warf Israel vor, die im Rahmen des Abkommens zur Gaza-Waffenruhe vereinbarten Hilfslieferungen zu verzögern.

Doch die militärisch erheblich geschwächte Terrororganisation hielt sich an die Vereinbarung und kündigte die Freilassung drei weiterer Geiseln an. Im Gegenzug für die drei israelischen Geiseln hat Israel die Freilassung von 183 palästinensischen Häftlingen aus israelischen Gefängnissen angekündigt.

Dies sind die drei Verschleppten:

Ohad Ben Ami 

Der 56-Jährige, der Berichten zufolge auch die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, wohnt im Kibbuz Beeri in der Nähe des Gazastreifens. Von dort wurde der Buchhalter der Siedlung während des Massakers der Hamas und anderer Extremisten aus dem Gazastreifen in Israel am 7. Oktober 2023 verschleppt.

Auch seine Frau Ras Ben Ami fiel den Islamisten in die Hände und wurde ebenfalls in den Gazastreifen entführt. Sie kam bei einer Feuerpause im November 2023 frei. Eine der Töchter stellte ein Video ins Netz, in dem die Freude und Erleichterung über die Ankündigung der Freilassung zu sehen ist. „Endlich wird mein Herz wieder eins“, schrieb sie dazu, wie die Zeitung „Times of Israel“ berichtete. 

Or Levy 

Seine Geschichte ist trauriger. Der 34-Jährige war am 7. Oktober 2023 mit seiner Frau Einav auf dem Nova-Musikfestival nahe der Grenze zum Gazastreifen, als die Islamisten ihr Massaker begannen. Ihren kleinen Sohn hatten sie bei seinen Großeltern gelassen. Vor den marodierenden Palästinensern flüchtete das Paar in einen der Betonschutzbauten, die als Unterstände vor Raketenangriffen aus dem Gazastreifen gedacht waren. 

Sie sind etwa so groß wie ein Wartehäuschen an einer Bushaltestelle und haben keine verschließbaren Türen. Deshalb wurden sie für viele Schutzsuchende zur Todesfalle, weil die Terroristen Handgranaten hineinwarfen oder hineinschossen. Auch Ors Frau Einav starb dort. Er selbst wurde verschleppt. Nachdem Ors Freilassung angekündigt worden war, sagte sein Bruder dem kleinen Sohn Ors: „Mogi, wir haben Vati gefunden.“ Der Junge sei vor Freude auf dem Bett herumgehüpft.

Eli Scharabi

Ihn hat es am schwersten getroffen. Auch der 52-Jährige wohnte mit seiner aus Großbritannien stammenden Frau Lianne und ihren zwei Töchtern Noija und Yahel wie Ben Ami im Kibbuz Beeri. Die Islamisten löschten seine Familie aus. Sie ermordeten Scharabis Frau und die beiden Töchter im Schutzraum des Wohnhauses. 

Scharabi selbst wurde zusammen mit seinem nebenan wohnenden Bruder Jossi gefangen genommen und in den Gazastreifen verschleppt. Gut drei Monate später bestätigten die israelischen Behörden, dass auch der Bruder getötet worden und seine Leiche im Gazastreifen sei. 

Die Familie von Scharabi schrieb einem Bericht „Times of Israel“ zufolge: „Heute wollen wir ihm mehr denn je zeigen, dass er nie allein war.“ Aber es wird schwer werden, weiß sein Bruder Scharon. „Meine Lebensaufgabe ist es, Eli lebend zurückzubringen, aber ich weiß nicht, wie er weiterleben soll, wenn er erfährt, dass er keine Familie mehr hat. Wie kann man jemandem helfen, sich davon zu erholen“, sagte er der Zeitung „Haaretz“ im vergangenen Herbst.