Man muss den Koalitionsvertrag der Ampel offenbar lesen wie ein Stück Literatur: Er bietet derart viele Interpretationsmöglichkeiten, dass alle beteiligten Autoren für einen einzigen Satz unterschiedliche Lesarten anbieten können. Nur so lässt sich erklären, dass selbst am Tag der entscheidenden EU-Verhandlungen über ein Verbot des Verbrenner-Motors die Grünen noch etwas komplett anderes aus dem Text herauslesen als die FDP. Die einen das Ende der Technologie, die anderen eine Fortsetzung mit anderem Treibstoff. Selbst gemeinsame Lesezirkel vermochten es nicht, die Parteien rechtzeitig zusammenzubringen.

Berlin

Notorische Streithähne wie die Groko sind die Ampelparteien glücklicherweise noch nicht. Man kann auch nur hoffen, dass dem Land eine Wiederholung der despektierlichen Sticheleien von SPD und Union erspart bleibt. Wenn es der aktuellen Regierung allerdings selbst bei einer derart richtungsweisenden Entscheidung wie dem Verbrenner-Verbot erst im letzten Moment gelingt, einen belastbaren Konsens zu finden, muss man sich fragen, wie der Ampel-Roman noch zu einem Happy End finden soll. Spätestens heute stellt man sich diese Frage wohl in ganz Europa.