USA-Experten vor der Wahl: „Die Lüge hat sich festgefräst im Land“

Peter DeThier (l.) und Elmar Theveßen sprachen im SWP-Forum über die anstehende US-Wahl.
Matthias Kessler- USA-Kenner Elmar Theveßen und Peter DeThier im SWP-Forum in Ulm über die Wahl in den USA. <136/450>
- Diskussion über Polarisierung, Desinformation und wirtschaftliche Lage in den USA. <198/450>
- Theveßen reiste 9000 km durch 18 Bundesstaaten, um Stimmungen einzufangen. <264/450>
- Beide sehen ein knappes Rennen mit Vorteil für Kamala Harris. <314/450>
- Viele Amerikaner geben der Biden-Regierung die Schuld an hohen Lebenshaltungskosten. <394/450>
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Noch gut eine Woche bis zum Tag der Entscheidung: Bevor für sie als US-Korrespondenten die heiße Phase der Wahlberichterstattung beginnt, nahmen sich Peter DeThier und Elmar Theveßen Zeit für einen Besuch in Ulm. Beim ausverkauften SÜDWEST-PRESSE-Forum im Stadthaus teilten die beiden Experten ihre Einschätzung der Lage als langjährige USA-Beobachter mit dem Publikum, gaben aber auch Einblick in ihre ganz persönliche Sicht auf das Land, in dem beide seit Jahren leben. Peter DeThier, langjähriger Korrespondent der SÜDWEST PRESSE, ist bereits in Washington zur Schule gegangen und kehrte später, nach einigen Jahren in Europa, als Journalist ins Land zurück. Er blickt mit großer Sorge auf die Entwicklung der letzten Jahre: „Donald Trump hat den Hass und die Missgunst, die man auch im täglichen Leben beobachtet, salonfähig gemacht.“
Mit dem Wohnmobil als Reporter 9000 Kilometer durch die USA
Elmar Theveßen, seit 2019 Leiter des Washingtoner Studios des ZDF, hat sich kürzlich einen ganz besonderen Eindruck vom Land und seinen Bewohnern verschaffen können: Für eine Reportage reiste er mit seinem Team durch 18 Bundesstaaten, legte dabei mit einem Wohlmobil rund 9000 Kilometer zurück. Auch mit Trump-Wählern ins Gespräch zu kommen, sei dabei kein Problem gewesen, sagt der 57-Jährige. „Die sind ja zu hundert Prozent überzeugt, dass er der Richtige ist, der Auserwählte regelrecht. Deswegen sind sie auch bereit, sehr offen darüber zu reden.“ Doch der Blick auf Fakten sei ein völlig anderer. „Die Lüge hat sich festgefräst im Land, die Lüge von der gestohlenen Wahl 2020, das haben wir an jeder Ecke gehört.“
Theveßen berichtet von einer Begegnung mit drei Trump-Wählern in Arizona. Die Situation an der Grenze zu Mexiko sei sofort Thema gewesen, doch auf den Fakt, dass die Maßnahmen der Biden-Regierung dort in den vergangen acht Monaten tatsächlich messbar die Zahl der Zuwanderer gesenkt hätten, habe man sich einfach nicht einigen können. „Am Ende haben sie gesagt: Dann wahrscheinlich, weil die Länder, wo die herkommen, alle leer sind. Wir haben sie schon hier.“
Das Thema, das die Menschen in den USA am meisten bewege, sei die wirtschaftliche Lage, berichteten beide Korrespondenten - die faktisch eigentlich besser geworden ist: Die Inflation ist eingedämmt, die Arbeitslosigkeit im Rahmen. Dennoch machten etwa hohe Preise fürs Wohnen vielen Menschen weiter das Leben schwer, und die Schuld daran gäben viele der Biden-Regierung.
Mit Blick auf die Wahl am 5. November sehen beide ein knappes Rennen, mit leichtem Vorteil für Kamala Harris. "Trump begeistert mit seinen Lügen und kruden Thesen zwar seine Anhänger, es gelingt ihm aber kaum, seine Wählerbasis zu vergrößern", sagt DeThier. „Alle Umfragen können Sie gerade in der Pfeife rauchen, da werden 600 bis 1500 Menschen befragt bei 155 Millionen registrierten Wählern. Und das hat wirklich keine Aussagekraft“, erklärt Theveßen. Am Ende gehe es darum, wer seine Anhänger motivieren könne, zur Wahl zu gehen. Und hier spreche sein Baugefühl eher für einen Erfolg von Kamala Harris. „Also, wenn Sie durchs Land fahren und mit den Menschen reden, merken Sie schon, dass auch da eine Menge da sind, die die Nase voll haben von all dem Drama und Donald Trump, und Sie merken eine höhere Mobilisierung.“
Eine ausführliche Zusammenfassung des Gesprächs lesen Sie am Montag auf swp.de und am Dienstag in der gedruckten Ausgabe der Zeitung und im E-Paper.

