Ausgerechnet Niger. Das Land erklimmt nur selten die Agenda der internationalen Politik. Nur als Transitland für Flüchtlinge findet es gerade Aufmerksamkeit. Durch die Tenere-Wüste im Norden des Landes soll eine vorgezogene EU-Außengrenze gezogen werden. Mehr interessiert nicht. Doch extreme Armut, Unterentwicklung, hoher Bevölkerungsdruck und Bedrohungen durch islamistische Milizen in den Nachbarländern sorgen für eine gefährliche Gemengelage im Land.
Hinzu kommen Folgen des  Klimawandels. In der Sahelzone droht immer mehr Menschen der Verlust ihrer  Lebensgrundlagen. Wegsehen oder helfen? Mit dem Kinderhilfswerk Unicef startet unsere Zeitung eine Kooperation. Sie will die Gemeinde Gomozo im Südwesten des Niger beim Aufbau einer sicheren Trinkwasserversorgung unterstützten. Wir werden in den kommenden Wochen intensiv über das Land und seine Herausforderungen berichten.

Ausgangspunkt

Niger gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Im UN-Ranking nimmt das Land Platz 187 von 188 Staaten ein. Knapp 22 Millionen Menschen leben in dem Land, das drei Mal so groß ist wie Deutschland. Die Hälfte ist jünger als 15 Jahre. Nur ein vergleichsweise kleiner Teil des Landes ist wirklich bewohnt. Der Norden besteht aus Wüste. Obwohl nur 12 Prozent der Flächen landwirtschaftlich genutzt werden, leben 80 Prozent der Bevölkerung von der Landwirtschaft. Entsprechend gering sind die Einkommen. Im Durchschnitt muss ein Nigrer von 1 US-Dollar am Tag leben, was auch im Niger nicht möglich ist.

Gesundheitsversorgung

Niger hat eine der höchsten Raten von Kindersterblichkeit. Jedes 10. Kind stirbt vor seinem 5. Geburtstag. Das liegt auch daran, dass vor allem auf dem Land Mütter oft keinen Zugang zu Gesundheitszentren haben. Auch Unter- und Mangelernährung sind ein großes Problem.

Wasser

Nicht einmal jeder zweite Einwohner im Niger hat verlässlichen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Das trifft vor allem die Jüngsten. Viele Kleinkinder sterben an vermeidbaren Krankheiten wie Durchfall oder Cholera. In Afrika müssen Menschen mit 20 Liter und weniger pro Tag auskommen, während in den Industriestaaten eine Person zwischen 100 und 200 Liter Wasser pro Tag verbraucht.

Konflikte

Die Wasserknappheit verschärft die Konflikte zwischen Ackerbauern und Viehzüchtern. „Konflikte nehmen zu“, beobachtet Stefanie Wesch vom Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung, die zu Auswirkungen des Klimawandels in Niger geforscht hat. Damit steigt auch die Gefahr ethnischer Auseinandersetzungen, da Bauern meist zur Ethnie der Haussa gehören, während Viehzüchter aus der Ethnie der Fulani oder Tuareg sind. Nicht selten endet der Wettbewerb um Ressourcen tödlich.

Klimawandel

In der Sahelzone steigen die Temperaturen besonders stark. „Wir beobachten eine deutliche Zunahme von heißen Tagen und heißen Nächten“, sagt Stefan Liersch, Klimaforscher beim Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung. Die Jahresdurchschnittstemperatur liegt in Niger jetzt schon bei 27,2 Grad, zwischen März und Mai werden tagsüber Werte zwischen 40 und 50 Grad erreicht. Damit verdunstet das Oberflächenwasser immer schneller. Zu sehen ist die dramatische Veränderung am Tschadsee, dessen Oberfläche zwischen 1963 und 2007 von 250 000 auf 2500 Quadratkilometer geschrumpft ist. Mit dem Wasser verschwinden die Lebensperspektiven für die Menschen. Aber nicht nur die Menge, auch die Qualität leidet. Oberflächenwasser ist in vielen Regionen für Menschen nicht mehr genießbar. Brunnen müssen aufwendiger und tiefer gebohrt werden, bestätigt auch Armand Gnahore, Chef des Unicef-Wasser- und Sanitärprogramms in Niger.
Mit dem Temperaturanstieg nimmt die Gefahr extremer Wetterphänomene wie Starkregen und starke Winde zu. Neben Dürren bedrohen Überschwemmungen und sturzflutartige Regengüsse, die fruchtbares Ackerland wegschwemmen, die Bauern. Ebenso Heuschreckenplagen.

Brandherde

Niger grenzt an unsichere Nachbarn. In Nigeria operieren Kämpfer von Boko Haram. Sie greifen immer wieder Dörfer im Südosten des Landes an. Besonders gefährdet ist die Region Diffa. Auch von Mali im Westen schwappen Konflikte in das Land. Der muslimisch geprägte Niger droht unter dem Einfluss wahabitischer Strömungen mehr und mehr von seinem offenen Charakter            zu verlieren. Beobachter wie der katholische Missionar Pater  Armanino Mauro, sprechen bereits von einem „Umbruch“. Nachdem 2015 auch im Niger Kirchen brannten, sei „soziales Vertrauen“ in den kleinen christlichen Gemeinden verloren gegangen.

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