UN-Plastik-Konvention
: Keine Einigung auf globales Abkommen gegen Plastikmüll

Plastikmüll ist ein globales Problem – doch ein Abkommen dagegen ist vorerst gescheitert. In Genf fanden rund 180 Staaten keinen gemeinsamen Weg.
Von
Christian Wille
Genf
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Plastikmüll in Pakistan: PRODUKTION - 07.08.2025, Pakistan, Lahore: Ein Müllsammler sammelt wiederverwertbare Gegenstände, darunter Plastik, auf einer Mülldeponie. In Genf finden derzeit Verhandlungen über eine UN-Plastik-Konvention statt. Foto: K.M. Chaudary/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Ein junger Müllsammler sucht wiederverwertbare Gegenstände auf einer Mülldeponie. In Genf finden derzeit Verhandlungen über eine UN-Plastik-Konvention statt. Doch eine weltweite Einigung zu diesem Problem ist gescheitert.

K.M. Chaudary/AP/dpa
  • UN-Plastik-Konvention scheitert: 180 Staaten einigen sich nicht auf globalen Vertrag.
  • Uneinigkeit: Über 100 Länder fordern strikte Maßnahmen, Rohstoff-Staaten setzen auf Abfallmanagement.
  • Plastikmüll gefährdet Umwelt und Gesundheit – Mikroplastik in Organen und Gehirn nachgewiesen.
  • Kunststoffproduktion stieg von 1970 bis 2020 auf 367 Mio. Tonnen, bis 2050 drohen 600 Mio. Tonnen.
  • 152 Mio. Tonnen Plastikmüll verschmutzen Flüsse und Meere – Kreislaufwirtschaft gefordert.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Nach drei Jahren Verhandlungen ist der Versuch gescheitert, ein weltweites Abkommen gegen Plastikmüll auf den Weg zu bringen. In der finalen Verhandlungsrunde in Genf konnten sich die rund 180 teilnehmenden Staaten nicht auf einen gemeinsamen Vertragstext einigen. Wie es nun weitergeht, ist offen.

Schon am Mittwoch war klar, dass die Positionen der Länder so weit auseinanderliegen wie eh und je. Ein Vertragsentwurf, aus dem praktisch alle bindenden Verpflichtungen gestrichen waren, wurde von Dutzenden Ländern zurückgewiesen. Auch ein neuer Entwurf vom Freitagmorgen fand keine einhellige Zustimmung, wie der Konferenzvorsitzende sagte.

„Kein Abkommen ist in diesem Fall besser als eines, das den Status quo auf UN-Ebene zementiert, anstatt eine echte Lösung für die Plastik-Krise zu sein“, sagte Florian Tize von der Umweltstiftung WWF.

Die unversöhnlichen Positionen

Auf der einen Seite stehen mehr als 100 Länder mit besonders ehrgeizigen Zielen (High Ambition Coalition), die eine Beschränkung der Produktion auf ein nachhaltiges Niveau fordern. Dazu gehören Deutschland, die EU und Dutzende Länder in Südamerika, Afrika und Asien. Sie wollen auch Einwegplastik wie Becher oder Besteck aus dem Verkehr ziehen, Plastikprodukte zur Mehrfachverwendung und eine Kreislaufwirtschaft fördern, bei der die Rohstoffe eines Produkts aufbereitet und erneut verwendet werden.

Auf der anderen Seite stehen vor allem die Länder, die den Rohstoff für das Plastik haben: Öl. Darunter sind Saudi-Arabien, der Iran und Russland. Sie nennen sich Gruppe der Gleichgesinnten (Like-Minded Group). Diese Länder möchten sich weitgehend auf ein besseres Abfallmanagement beschränken.

Der Auftrag, den die UN-Länder sich selbst 2022 gegeben hatten, war eigentlich klar: Im Mandat heißt es, der rechtsverbindliche Vertrag soll den ganzen Lebenszyklus des Plastiks umfassen, von der Produktion über das Design bis zur Entsorgung.

Was Plastik mit Ökosystemen und Menschen macht

Plastik vermüllt Meere und Umwelt und vergiftet Ökosysteme, tötet Fische und andere Lebewesen und gefährdet die menschliche Gesundheit. Kleinste Partikel werden vermehrt in Organen und auch im Gehirn gefunden. Die Nano- und Mikroplastikpartikel beeinträchtigen nach Studien unter anderem das Immunsystem, können sich in Arterien absetzen und fördern Entzündungen.

Es gibt zahlreiche Zahlen zur Verschmutzung. Die folgenden stammen aus dem deutschen Umweltministerium: Die Kunststoffproduktion habe sich von den 1970er Jahren bis 2020 auf 367 Tonnen im Jahr versiebenfacht und könnte ohne Maßnahmen bis 2050 fast 600 Millionen Tonnen im Jahr erreichen. Einen großen Teil machen demnach Einwegprodukte aus, darunter Verpackungen. Insgesamt seien bislang 8,3 Milliarden Tonnen Kunststoff produziert und davon 6,3 Milliarden Tonnen zu Abfall geworden, der großenteils auf Deponien landete. In Flüssen und Ozeanen haben sich nach Schätzungen weltweit 152 Millionen Tonnen Plastikabfälle angesammelt.

Mit Material von DPA