Überraschender Auftritt bei Parteitag: Mit Verband und erschüttert – so tritt Trump vor seine Anhänger

Milwaukee: Der republikanische Präsidentschaftskandidat und ehemalige US-Präsident Donald Trump nimmt am ersten Tag der Republican National Convention teil und trägt einen Verband am Ohr.
Evan Vucci/AP/dpaIn der Regel warten amerikanische Präsidentschaftskandidaten bei ihren Nominierungsparteitagen auf den letzten Abend, um einen großen Auftritt zu feiern. Anders aber bei Donald Trump, der immer für Überraschungen gut ist. Nur zwei Tage nach dem Anschlag auf den früheren Präsidenten erschien der Republikaner vor einem jubelnden Publikum im Milwaukee und begeisterte seine Anhänger. Die Inszenierung war mal wieder perfekt.
Wenige Stunden zuvor hatten Delegierte beim republikanischen Parteikonvent in Milwaukee in dem Swing State Wisconsin Donald Trump offiziell als ihren Spitzenkandidaten bestätigt. Dann um Punkt 21:00 Uhr Ortszeit, mitten in der abendlichen Prime Time, der große Auftritt. Trump geht gemessenen Schrittes durch den Tunnel des Fi-Serv Sport Arena, wo normalerweise die NBA Basketballmannschaft der Milwaukee Bucks ihre Heimspiele bestreitet. Musikalisch untermalt ist der Auftritt von der patriotischen Schnulze „Proud to be an American“ („Stolz, ein Amerikaner zu sein“) von dem Country-Sänger Lee Greenwood. Trump ballt die Faust, genau wie nach dem Attentat am Samstag. Sein ältester Sohn Don Junior hat Tränen in den Augen. Mit einem Verband auf dem rechten Ohr und einer bitterernsten Miene tritt Trump dann in die VIP-Loge. Das Publikum feiert den klaren Favoriten im Rennen um die US-Präsidentschaft wie einen Superhelden. Neben ihm Mike Johnson, der Sprecher des Repräsentantenhauses, und Trumps designierte Nummer zwei, der Senator und Schriftsteller JD Vance.
Trump wirkt vom Attentat erschüttert
Vance, der mit 39 Jahren genau halb so alt ist wie Trump, symbolisiert zugleich den Generationenwechsel in der amerikanischen Politik. Jene Wachablösung, zu der sich die Demokraten noch nicht durchringen konnten. Der ehemalige und womöglich künftige Präsident ist sichtlich bewegt. Die Bilder erwecken den Anschein, als hätten die Turbulenzen vom Wochenende Trump tatsächlich erschüttert. Trump verzichtet auf eine Ansprache, die große Rede hat er sich für Donnerstagabend aufbewahrt. Seine Söhne Don und Eric versichern, dass ihr Vater versprechen wird, die Nation zu einen.
Zuvor hatten allerdings einige Posts auf Trumps Social Media Plattform „Truth Social“ signalisiert, dass der Kandidat weiter bereit ist, gegen seinen Nachfolger, Joe Biden und die Demokraten schweres Geschütz aufzufahren. Vor Beginn der Abendveranstaltung hatte Biden selbst dem Fernsehsender NBC ein Interview gegeben. Darin sprach er Trump erneut sein Beileid aus und sagte, dass dessen ganze Familie „in First Lady Jills und meinen Gebeten ist“. Gleichwohl erinnerte Biden an die 28 Lügen, die der Republikaner während der ersten Fernsehdebatte in die Welt setzte. Auch an dessen Rolle bei dem blutigen Aufstand im US-Kapitol vor dreieinhalb Jahren. Aus Sicht der Demokraten besonders wichtig: Der Präsident bekräftigte, dass er nicht daran denke, aus dem Rennen auszusteigen. Es war ein Abend, dessen Intensität höchstens von Trumps Rede zum Abschluss des Parteitags übertroffen werden könnte.
Hoffnungen, dass der schmutzigste Wahlkampf in der Geschichte plötzlich einem zivilen Ton weichen dürfte, könnten aber in wenigen Tagen schon wieder verflogen sein.


