Silvester-Massaker in New Orleans
: Täter war US-Soldat und war offenbar von Terrormiliz IS inspiriert

Der Anschlag in der Neujahrsnacht forderte mindestens 15 Tote und 35 Verletzte. Ermittler erklären, dass der Mann familiäre und finanzielle Probleme hatte.
Von
Peter DeThier
New Orleans
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Auto fährt in Menschenmenge in New Orleans

Der Tatort wurde nach dem Anschlag abgesperrt.

Matthew Hinton/AP/dpa
  • Terroranschlag in New Orleans: Täter Shamsud-Din Jabbar (42), Ex-Soldat und IS-Mitglied
  • Mindestens 15 Tote, 35 Verletzte; Zusammenhang mit Explosion in Las Vegas möglich
  • FBI fand Sprengsätze und IS-Flagge; Jabbar hatte familiäre und finanzielle Probleme
  • Football-Spiel "Sugar Bowl" verschoben; Super Bowl im Februar könnte betroffen sein
  • Politische Reaktionen: Kritik an Sicherheitsbehörden durch Trump-Anhänger Josh Hawley

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Nach dem politisch turbulenten 2024 hat ein Terroranschlag die USA zum Auftakt des neuen Jahres in Schock versetzt. Hinter der Attacke im legendären französischen Viertel der Touristenmetropole New Orleans steckte der US-Staatsbürger Shamsud-Din Jabbar (42) aus Texas. Wie die Behörden glauben, hatte Jabbar, der von 2007 bis 2020 in der United States Army diente, höchstwahrscheinlich Komplizen, die ihn bei der Vorbereitung und Ausführung der Amokfahrt unterstützten. Der Anschlag forderte mindestens 15 Tote und 35 Verletzte.

„Wir glauben nicht, dass er alleine verantwortlich ist“, sagte Alethea Duncan, Sprecherin des Bundeskriminalamts FBI. Erste Hinweise deuten darauf hin, dass der Haupttäter Kontakte zu der radikalislamischen Terrormiliz „Islamischer Staat“ hatte und sogar ein „aktives Mitglied“ der Organisation war. Für Absprachen mit anderen IS-Terroristen spricht die Explosion eines Tesla Cybertruck vor einem Trump Hotel in Las Vegas, die mit dem Anschlag in New Orleans zusammenhängen könnte. In Las Vegas kam eine Person ums Leben.

Zwei Sprengsätze und eine IS-Flagge gefunden

In der Silvesternacht raste Jabbar mit seinem Ford-Truck vom Typ F150 in die ausgelassen feiernde Menge in der Stadt, die in den USA „The Big Easy“ genannt wird. Der Täter mähte über drei Straßenblocks unschuldige Passanten nieder. Als der Wagen zum Stillstand kam, entstieg der mit einem Sturmgewehr bewaffnete Ex-Soldat dem Wagen und lieferte sich mit der Polizei einen Schusswechsel, bei dem Jabbar ums Leben kam. In dem Kleinlaster fanden Agenten des FBI mindestens zwei selbstgemachte Sprengsätze und eine IS-Flagge. Auch konnten sie in der Umgebung des Trucks mehrere „Improvised Explosive Devices“ (IEDs), also unkonventionelle Sprengvorrichtungen, sicherstellen und entschärfen.

Der Anschlag brachte am Neujahrstag das Leben in der sonst pulsierenden Metropole zum Stillstand. Nachbarschaften in einem Umkreis von fast 3 Kilometern der Party-Meile „Bourbon Street“ wurden hermetisch abgeriegelt. Am Nachmittag erklärten die Veranstalter, dass New Orleans größtes Sportereignis, das „Sugar Bowl“ Football-Spiel, verschoben wird. Zu dem Viertelfinale der College-Meisterschaft, das im „Superdome“ ausgetragen werden sollte, waren mehr als hunderttausend Menschen in Louisianas größtes Ballungszentrum gereist. Als Grund für die Verschiebung nannten die Behörden die andauernde Unsicherheit darüber, ob womöglich andere Anschläge in Vorbereitung sein könnten. „Die öffentliche Sicherheit hat absolute Priorität“, erklärte Jeff Hundley, Direktor der Mega-Veranstaltung. Die Begegnung zwischen den Universitäten von Georgia und Notre Dame wird stattdessen am Donnerstagabend stattfinden.

Football-Endspiel verschoben

Im Superdome soll auch im Februar der Super Bowl, das Finale der NFL-Profi-Footballer, ausgefochten werden. Unklar ist, ob die Liga erwägen wird, kurzfristig einen neuen Schauplatz auszuwählen. Ein Grund dafür wäre auch, dass Metallschranken, die das französische Viertel am Silvesterabend absichern sollten, derzeit repariert werden und deswegen nicht installiert wurden.

Am späten Abend boten die Behörden dann konkrete Einblicke in die Hintergründe und mögliche Motivation. Die Kripo hatte nämlich mehrere Audioaufzeichnungen sichergestellt und ausgewertet, die Jabbar auf der Fahrt von Texas nach Louisiana gemacht hatte. Darauf beklagte sich der geschiedene Vater über familiäre Probleme, ein konfrontatives Scheidungsverfahren und daraus resultierende finanzielle Probleme. Auch hatte er offenbar auf Social-Media-Plattformen gesagt, dass der IS den Anschlag „inspiriert“ habe.

Attentäter hatte familiäre Probleme

Laut FBI habe er lange Zeit geplant, seine Familie aus einem festlichen Anlass zusammenzuführen und dort alle hinzurichten. Später habe er sich aber entschieden, stattdessen nach New Orleans zu fahren und ein Massaker anzurichten. Auch hatte Jabbar den Kleinlaster über die Online-Plattform Turo bekommen. Die Plattform ermöglicht es Kunden, Privatwagen direkt von Eigentümern anstelle von herkömmlichen Autoverleihfirmen zu mieten. Der Fahrer des Tesla in Las Vegas hatte den Truck ebenfalls über Turo angemietet und hatte ähnlich wie Jabbar Beziehungen zum US-Militär.

Die Audios gaben aber auch Aufschluss über mögliche Beziehungen zu radikalen Milizen. Darauf erklärte Jabbar nämlich, dem IS bereits beigetreten zu sein. Terrorismusexperten berichteten, dass es seit Jahren zu den bewährten Methoden der islamischen Milizen gehört, Zivilisten und auch Angehörige des Militärs zu rekrutieren. Häufig habe der IS Soldaten im Visier, die nach einem Kriegseinsatz unter „posttraumatischen Belastungsstörungen“ (PTBS) leiden. Jabbar war für die US-Armee von 2009 bis Anfang 2010 in Afghanistan stationiert.

Trump-Unterstützer attackiert Minister

Unterdessen hat die Tragödie auch eine politische Dimension angenommen. Senator Josh Hawley aus Missouri, ein erklärter Anhänger des neugewählten Präsidenten Donald Trumps und dessen MAGA ("Make America Great Again") Bewegung, will nämlich FBI-Direktor Christopher Wray und Heimatschutzminister Alejandro Mayorkas zur Rede stellen. Wray und Mayorkas müssten für „allfälliges Versagen ihrer Behörden bei diesem Anschlag volle Rechenschaft ablegen“, schimpfte Hawley.

Demokraten geißelten das Vorgehen des Senators als schonungslosen Versuch, wenige Wochen vor dem Regierungswechsel in Washington aus der Tragödie politisches Kapital zu schlagen. Das FBI erklärte in der Nacht zum Donnerstag, dass Experten der Kripo am Donnerstag Ausschüsse im Senat und Repräsentantenhaus über die Ergebnisse der aktuellen Ermittlungen informieren werden.