Sabotage
: Warum mehr Patrouillen in der Ostsee notwendig sind

Die Anschläge auf die Leitungen in der Ostsee fordern die Europäische Union heraus.
Kommentar von
Guido Bohsem
Berlin
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EU High Representative for Foreign Affairs and Security Policy Kaja Kallas speaks during a press conference with EU leaders as part of a North-South Summit on security and immigration in Saariselka, Finnish Lapland, on December 22, 2024. (Photo by Antti Aimo-Koivisto / Lehtikuva / AFP) / Finland OUT

Die EU-Außenbeauftragte und Vizepräsidentin der Kommission, Kaja Kallas, hält Russland für den Drahtzieher der Sabotage an den Leitungen in der Ostsee.

Antti Aimo-Koivisto/AFP

Für ein Meer ist die Ostsee nicht besonders groß. Doch mit ihren 377.000 Quadratkilometern umfasst sie knapp 20.000 Quadratmeter mehr Fläche als die Bundesrepublik. Dieses Meer komplett zu bewachen, grenzt somit an eine Unmöglichkeit. Selbst wenn man sich auf die Bereiche beschränkt, durch die internationale Kabelstränge oder Pipelines verlegt wurden, handelt es sich um eine Herkulesaufgabe, die viel Personal und Material binden wird.

Das Risiko der Entdeckung erhöhen

Trotzdem scheint dieser Kraftakt notwendig zu sein, schließlich haben sich die betroffenen Leitungen nicht von selbst beschädigt. Sehr viel spricht dafür, dass es sich um Sabotageakte handelt, hinter denen nach Vermutung der Europäischen Union Russland steckt. Intensivere Überwachung durch Satelliten und verstärkte Patrouillenfahrten können die mutwillige Zerstörung zwar nicht hundertprozentig verhindert. Für die Kapitäne der Sabotageschiffe erhöht sich jedoch das Risiko, erwischt zu werden. Alleine schon die Ankündigung einer stärkeren Kontrolle dürfte deshalb die Bereitschaft mindern, sich für solche Aktionen zur Verfügung zu stellen.

Bislang haben die Anschläge keine größeren Folgen gehabt, zu einem nennenswerten Zusammenbruch der Kommunikationsstränge oder der Stromversorgung ist es nicht gekommen. Es gab genügend Möglichkeiten, die defekten Leitungen zu umgehen. Doch das stellt beileibe keine Garantie für die Zukunft dar. Auch ein redundant ausgelegtes System kann zusammenbrechen.

Gelingt ein solcher folgenreicher Schlag, hätte das große Auswirkungen auf die Befindlichkeiten, das Lebensgefühl in den europäischen Staaten. Es zeigte die Verletzlichkeit unserer freien und vernetzten Kultur auf.