Russland-Kontakte
: Spionageverdacht bei Liebherr

Liebherr-Aerospace hat einen Mitarbeiter beurlaubt, der Kontakte zu Russland und zur Reichsbürgerszene haben soll. Das Unternehmen will den Vorgang untersuchen. Solange darf der Betroffene nicht arbeiten.
Von
dpa, swp
Lindenberg
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Russische Flagge: ARCHIV - 27.11.2024, Berlin: Die Flagge Russlands weht auf der russischen Botschaft. (Illustration zu "Russisches Passagierflugzeug abgestürzt") (zu dpa: «Russland-Verdacht: Liebherr-Aerospace beurlaubt Mitarbeiter») Foto: Annette Riedl/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Die Flagge Russlands weht auf der russischen Botschaft. Ein Mitarbeiter der Liebherr-Aerospace steht im Verdacht für Russland spioniert zu haben.

Annette Riedl/dpa
  • Liebherr-Aerospace beurlaubt Mitarbeiter wegen Russland- und Reichsbürger-Verdachts.
  • Der Mann hatte keinen Zugriff auf sicherheitsrelevante Daten, war aber Gast in der russischen Botschaft.
  • Foto zeigt ihn mit russischen Flaggen und „Z“-Symbol, das den Ukraine-Krieg unterstützt.
  • Unternehmen führt interne Untersuchung durch, Sicherheitsüberprüfungen bislang nicht vorgesehen.
  • Bayerischer Verfassungsschutz äußert sich nicht, russische Botschaft verweist auf öffentliche Veranstaltungen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die auch auf dem Verteidigungssektor tätige Liebherr-Aerospace Lindenberg GmbH (Allgäu) hat einen Mitarbeiter beurlaubt, der im Verdacht steht, Kontakte zu russischen Institutionen zu unterhalten und der Reichsbürgerszene nahezustehen. „Wir nehmen die Situation ernst und haben entsprechende interne Untersuchungen eingeleitet“, teilte das Unternehmen auf Anfrage mit. Der betreffende Mitarbeiter wurde für die Dauer der Untersuchung beurlaubt.

Die Liebherr-Aerospace Lindenberg GmbH entwickelt und fertigt nach eigenen Angaben integrierte Systeme für die Luftfahrtindustrie. Die Fahrwerksysteme, Flugsteuerungs- und Betätigungssysteme von Liebherr seien in Flugzeugen und Hubschraubern aller großen Hersteller im Einsatz.

Das Unternehmen, das zur Liebherr-Firmengruppe gehört und auch Zulieferer für die Bundeswehr ist, sei jedoch nicht an Projekten beteiligt, die der Geheimhaltung unterliegen. Eine Sicherheitsüberprüfung von Mitarbeitern sei deswegen auch nicht vorgesehen. Gleichwohl enthielten alle Arbeitsverträge eine Verschwiegenheitsverpflichtung. Ergänzend durchliefen alle Mitarbeitenden eine Schulung zum Umgang mit vertraulichen Daten.

Kein Zugriff auf sicherheitsrelevante Daten

Liebherr habe in der vergangenen Woche im Rahmen einer Rechercheanfrage davon erfahren, dass ein Mitarbeiter Kontakte in russlandnahe Kreise pflegen und sich in der Reichsbürgerszene engagieren soll. Der Mann sei 2011 als strategischer Einkäufer eingestellt worden und seit 2021 in der Kostenanalyse tätig. In beiden Funktionen habe er keinen Zugriff auf strategische oder sicherheitsrelevante Daten gehabt.

Der langjährige Beschäftigte war nach Recherchen der „Stuttgarter Zeitung“ und der „Stuttgarter Nachrichten“ Ende Juli zu Gast in der russischen Botschaft in Berlin. Es ist nicht die einzige Aktivität des Mitarbeiters, die Fragen aufwirft: Auf einem Foto, das von einem russischen Ministerium geteilt wurde, ist der Mann hinter zwei russischen Flaggen mit dem „Z“-Symbol zu sehen. Jenes Zeichen, das die Unterstützung für den russischen Angriffskrieg in der Ukraine symbolisiert.

Der bayerische Verfassungsschutz wollte sich zu dem Fall mit Verweis auf die Persönlichkeitsrechte des Mannes nicht äußern. Die russische Botschaft in Berlin erklärte, sie führe öffentliche Veranstaltungen durch, die von Hunderten Menschen besucht würden. Die Botschaft sammele dabei aber keine personenbezogenen Daten ihrer Besucher.