Russische Schulen
: Kritiker beklagen mehr Kreml-Propaganda in russischen Schulen

In russischen Schulen werden Kinder früh auf Kreml-Linie gebracht, Erziehung zu kritischem Denken ist nicht gefragt. Das britische Verteidigungsministerium rechnet mit Folgen.
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dpa
Russland
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„Tag des Wissens“ in Russland: 02.09.2024, Russland, Moskau: Erstklässler nehmen an einer Zeremonie teil, mit der der Unterricht in einer Schule im Rahmen der traditionellen Eröffnung des Schuljahres, dem "Tag des Wissens" beginnt. Foto: Dmitry Belitsky/Moscow News Agency/AP +++ dpa-Bildfunk +++

Schülerinnen und Schüler in Russland werden früh auf Kreml-Linie gebracht.

Dmitry Belitsky/Moscow News Agency/AP/dpa

Zum Beginn des neuen Schuljahres in Russland rechnen Experten mit einer deutlich stärkeren staatlichen Indoktrinierung von Kindern. Der Unterrichtsanteil, der sich als „Propaganda der Ideen des Kremls“ werten lasse, werde sich in diesem Schuljahr auf etwa 1.300 Stunden verdoppeln. Das schrieb das Portal „Agentstwo“, in dem oppositionsnahe russische Journalisten zusammenarbeiten.

Kremlchef Wladimir Putin hatte schon mehrfach gefordert, dass Schulen Kinder möglichst früh und intensiv zu Patrioten erziehen sollen. Erziehung zu kritischem Denken ist dagegen nicht gefragt. 

„Agentstwo“ hat nach eigenen Angaben die Summe der Schulstunden addiert, in denen die Position des Kremls zu verschiedenen Themen wie Geschichte, Krieg in der Ukraine bis hin zu konservativen Familien- und gesellschaftlichen Werten vorangetrieben wird. Der Anteil dieser Stunden am Lehrplan könne von Klasse zu Klasse variieren, doch mehr als 1.300 der 11.000 Schulstunden könnten für Propaganda genutzt werden, schrieb das Portal. 

Militarisierung des Unterrichts

Experten beklagen seit längerem eine Militarisierung des Unterrichts. Die Erhöhung der Schulstunden ergibt sich „Agentstwo“ zufolge unter anderem durch das Modul „Militärische Ausbildung. Grundlagen des militärischen Wissens“. Es wird im Fach Grundlagen der Sicherheit und Verteidigung des Heimatlandes unterrichtet. Kinder trainieren laut Medienberichten vielfach das Aufsetzen von Gasmasken oder das Auseinandernehmen und Zusammensetzen von Kalaschnikow-Sturmgewehren. Sie hören sich auch Vorträge von Soldaten an.

Auf die Lage an den Schulen wies auch das britische Verteidigungsministerium am Dienstag hin. Der Unterricht ziele darauf ab, eine stärker militarisierte und sicherheitsorientierte Gesellschaft zu schaffen, schrieb das Ministerium in seinem täglichen Geheimdienstbericht zum Ukraine-Krieg auf der Plattform X. Die neue Jugendstrategie solle etwa das Ansehen des Militärdienstes erhöhen, Patriotismus vermitteln und Jugendliche auf den Militärdienst vorbereiten.