Reservisten fordern Wehrpflicht
: „Im Kriegsfall sterben 1000 Soldaten pro Tag“

Wie können mehr Menschen zur Bundeswehr kommen? Reservistenverbandschef Sensburg erwartet viel mehr Freiwillige für die Truppe als viele glauben - und schiebt ein großes „Aber“ hinterher.
Von
afp/dpa
Berlin
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Der Reservistenverband wirbt am ersten Veteranentag in Kiel um Mitglieder. Der Gedenktag wird 2025 erstmals begangen.

Markus Scholz/dpa
  • Reservistenverbandschef Sensburg fordert die Wiedereinführung der Wehrpflicht für Deutschlands Verteidigungsfähigkeit.
  • Im Kriegsfall rechnet Sensburg mit 1000 getöteten oder schwer verwundeten Soldaten pro Tag.
  • Sensburg erwartet bis zu 40.000 Freiwillige pro Jahrgang, hält dies langfristig aber für unzureichend.
  • Ein neues Wehrdienstgesetz soll 2024 in Kraft treten, der Dienst bleibt vorerst freiwillig.
  • Streit um Musterung und soziale Dienste: DRK fordert Hinweise auf soziale Engagement-Möglichkeiten.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Der Präsident des Reservistenverbandes der Bundeswehr hält eine Wiedereinsetzung der Wehrpflicht für nötig, um Deutschland verteidigungsfähig zu machen. Im Falle eines Krieges rechne er mit 1000 getöteten oder verwundeten Soldaten an der Front pro Tag, sagte Patrick Sensburg den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland vom Mittwoch.

„Das klingt jetzt brutal, ich weiß: Aber nach Berechnungen der Bundeswehr werden im Kriegsfall pro Tag 1000 Soldaten an der Front sterben oder so schwer verwundet sein, dass sie nicht mehr kämpfen können.“ Die müssten ersetzt werden, „und zwar auch maßgeblich durch Reservistinnen und Reservisten“. Reservisten würden unter anderem für die Sicherung der militärischen Infrastruktur im eigenen Land und für zahlreiche weitere Aufgaben und den sogenannten Feldersatz benötigt, fügte Sensburg hinzu.

Losverfahren reicht nicht aus

Das diskutierte Losverfahren für die Musterung sieht er skeptisch. „Das Losverfahren wäre eine verfassungskonforme Möglichkeit. Sie ist aber kommunikativ nicht besonders glücklich. Sinn macht vermutlich eine Kombination aus Bestenauslese und Losverfahren.“

„Ich rechne damit, dass wir viel mehr freiwillige Bewerbungen kriegen werden als wir glauben“, sagte Sensburg weiter. „Wir reden von aufwachsenden bis zu rund 40.000 Freiwilligen, die wir aus über 600.000 Männern und Frauen eines Jahrgangs gewinnen müssen. Ich wette, die kriegen wir.“ Nur für die Reserve, also eine wehrhafte Zivilbevölkerung, werde es dauerhaft nicht reichen. „Deshalb wird es auf Dauer ohne Wiedereinsetzung der Wehrpflicht nicht gehen.“ Die Wehrpflicht ist seit 2011 ausgesetzt.

Neues Wehrdienstgesetz ab 2026 geplant

Zum 1. Januar soll ein neues Wehrdienstgesetz in Kraft treten, der Dienst soll zunächst auf Freiwilligkeit beruhen. Die Koalition ringt derzeit noch um die Ausgestaltung des Gesetzes. Der Streit der vergangenen Tage drehte sich vor allem darum, welche Mechanismen greifen sollen, wenn sich nicht genügend Freiwillige für die Bundeswehr finden und ob künftig alle jungen Männer wieder gemustert werden sollen, was Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) will.

Die Präsidentin des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), Gerda Hasselfeldt, forderte Pistorius auf, im Wehrdienst-Anschreiben an junge Menschen auch auf die Möglichkeit sozialer Dienste hinzuweisen. „Hier könnte man mit einfachen Mitteln für einen signifikanten Anstieg des gesellschaftlichen Engagements sorgen“, sagte Hasselfeldt dem RND.