„Reichsbürger“-Prozess: Zeugen machen Angaben zu den persönlichen Verhältnissen von Reuß

Der Hauptangeklagte Heinrich XIII. Prinz Reuß wird bei der Fortsetzung des Prozesses gegen eine mutmaßliche "Reichsbürger"-Gruppe in den Saal geführt.
Boris Roessler/dpa Pool/dpaIm Terrorprozess gegen die mutmaßliche „Reichsbürger“-Gruppe um Heinrich XIII. Prinz Reuß hat ein Beamter des Bundeskriminalamts (BKA) am Dienstag vor dem Oberlandesgericht ausgesagt. Es ging um Ermittlungsergebnisse zu den persönlichen Verhältnissen von Heinrich Prinz XIII. Reuß.
Zeuge gibt private Details vor Gericht preis
Der Vorsitzende Richter befragte den Zeugen nach Firmenbeteiligungen, Internetauftritten und Vereinen von Reuß. Auch die Zahl seiner Autos sowie seine Finanzen, Konten und Wohnorte waren Thema.
Gut zwei Stunden erklärte der Kriminalkommissar seine Ermittlungsergebnisse zu Prinz Reuß. Danach befragten mehrere Verteidiger den Zeugen noch zu den Ermittlungen, wie diese abliefen und wer daran beteiligt war sowie zur Ausarbeitung des vom Zeugen verfassten Vermerk mit allen niedergeschriebenen Erkenntnissen.
Der Kriminalbeamte sprach mehrmals Punkte der Anklage an, die von Reuß' Verteidigung beanstandet wurden, sodass Anklagepunkte völlig ausgeklammert wurden. „Es ist eine Befragung zu den persönlichen Verhältnissen von Prinz Reuß“, ermahnte der Vorsitzende mehrmals.
Der Zeuge sagte zudem aus, dass Reuß noch immer verheiratet sei. Die Verteidigung von Reuß verwies darauf, dass er bereits seit 2005 geschieden sei. Dieser Umstand machte einen großen Teil der Befragung durch die Verteidiger aus.
Der Verhandlungstag hatte mit mehr als eineinhalb Stunden Verspätung begonnen. Die Tontechnik im Zuschauer- und Presseraum war ausgefallen, sodass erst gegen 11.15 Uhr der Zeuge aufgerufen werden konnte. Für den Nachmittag war ein weiterer Zeuge geladen.
Zweiter Zeuge schildert die Razzia im Dezember 2022
Ein weiterer Zeuge machte vor allem Angaben zum Einsatzgeschehen während der Razzia um die „Reichsbürger“-Gruppe im Dezember 2022. Er war damals Durchsuchungsleiter der Wohnung von Reuß in Frankfurt. „Wir mussten uns den Platz freiräumen, um überall dranzukommen“, schilderte er. Es sei staubig und unaufgeräumt in der Wohnung gewesen – Reuß aber zeigte sich kooperativ und gefasst. Unter anderem Datenträger wie Festplatten und USB-Sticks, 32 Schuss Kleinkalibermunition und Finanzdokumente seien sichergestellt worden. Auch Pfeffersprays in einer Schublade im Badezimmer und ein Säbel seien in der Wohnung gefunden worden.
In Frankfurt sind neun Männern und Frauen angeklagt. Ihnen wird vorgeworfen, Mitglieder in einer terroristischen Vereinigung gewesen zu sein beziehungsweise diese unterstützt zu haben. Es soll ein bewaffneter Umsturz geplant gewesen sein. Als ein Rädelsführer ist der Frankfurter Unternehmer Heinrich XIII. Prinz Reuß angeklagt.
Bei der Fortsetzung des Prozesses am Mittwoch (5. Juni) sollen weitere Zeugen zu seinen persönlichen Verhältnissen befragt werden. Reuß selbst wolle sich im Verlauf des Prozesses äußern, erklärte seine Verteidigung. „Es ist sein inneres Bedürfnis, darzulegen, warum Gewalt nie ein Ziel in seinem Leben sein könnte“, sagte sein Verteidiger Roman von Alvensleben am Dienstag. Wann diese Erklärung abgegeben werde, sagte er nicht. (Mit Information von dpa)


