Pressestimmen zur Israel-Wahl
: „Arabische Israelis nicht ignorieren“

Ausnahmezustand und Krieg nach der Parlamentswahl in Israel? Die Meinungen und Analysen internationaler Medien gehen auseinander.
Von
Michael Maier
Tel Aviv
COMBO-ISRAEL-VOTE: (COMBO) This combination of pictures created on October 28, 2026, shows
Yashar party leader Gadi Eisenkot (L) addressing his supporters at the election night rally in Tel Aviv early on October 28, 2026, and Prime Minister Benjamin Netanyahu speaking to the media after voting in Jerusalem on October 27, 2026.. The camp of Prime Minister Benjamin Netanyahu was ahead of his rival's opposition bloc but still short of a majority on October 28 after 50 percent of votes were counted in Israel's pivotal general election. (Photo by Maya LEVIN and Jewel SAMAD / various sources / AFP)

Gadi Eisenkot und Benjamin Netanjahu kämpfen um die Macht.

MAYA LEVIN/JEWEL SAMAD/afp
  • Internationale Medien bewerten Israels Wahlausgang unterschiedlich – zentrale Frage: Koalitionen.
  • Der Guardian: Opposition müsse arabische Israelis einbinden oder Netanjahu stärke.
  • De Volkskrant zweifelt an Kooperation mit arabischen Parteien und warnt vor heiklem Thema.
  • The Age: Netanjahu bleibt geschäftsführend und ist trotz Kritik politisch nicht besiegt.
  • Arabische Parteien gewannen deutlich hinzu, da arabische Israelis die Wahlbeteiligung steigerten.

Die Zusammenfassung wurde von einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt.

Zum knappen Wahlausgang in Israel, dem womöglich bald neue militärische Auseinandersetzungen mit dem Iran folgen könnten, heißt es am Mittwoch im Londoner „Guardian“:
„Die großen Zugewinne der palästinensischen Parteien bei den Parlamentswahlen in Israel stellen die etablierte Opposition des Landes vor eine dringende und grundlegende Herausforderung: Entweder sie kooperiert mit den arabischen Israelis oder sie liefert Benjamin Netanjahu einen Fahrplan für sein politisches Überleben. (...) Eisenkot könnte argumentieren, er habe eine Chance, eine Parlamentsmehrheit auszuhandeln. Doch dafür wären er und seine Partner gezwungen, sich mit den palästinensischen Gruppierungen an den Verhandlungstisch zu setzen.“

„Notstandssituation“ in Israel?

Etwas skeptischer zu solchen Optionen äußert sich die niederländische Zeitung „de Volkskrant“. Sie bezweifelt, dass Eisenkot wirklich Palästinenser in seine Regierung aufnehmen könnte.
„Vor allem in Orten mit überwiegend arabischer Bevölkerung lag die Wahlbeteiligung deutlich über den früheren Werten. Aus Angst, dass erneut eine rechtsextreme Regierung an die Macht kommen könnte, hatten sich viele arabische Israelis (Palästinenser mit israelischem Pass) entschieden, diese Wahl nicht zu boykottieren. Das spiegelt sich im Ergebnis der arabischen Parteien wider, die laut Nachwahlbefragungen auf deutlich mehr als die 10 Sitze kommen, die sie 2022 erlangt hatten.“

„Dass Israel eine sehr komplizierte Regierungsbildung bevorsteht, ist bereits jetzt klar. Wahrscheinlich wird weder der Parteienblock von Gadi Eisenkot noch der von Benjamin Netanjahu eine absolute Mehrheit in der Knesset erreichen. Die arabischen Parteien könnten angesichts ihres großen Zuwachses an Mandaten eine wichtige Rolle spielen. Doch eine Zusammenarbeit mit ihnen ist ein äußerst heikles Thema, da sie im Wahlkampf von vielen Politikern als „der Feind“ dargestellt wurden.“

„Netanjahu warnte dabei vor einer Kooperation zwischen linken und arabischen Israelis, die „gefährlich“ seien und die Wahlen „stehlen“ wollten. In sozialen Medien sprach er von einer „Notstandssituation“. Eisenkot beteiligte sich zwar nicht an der Hetzkampagne gegen arabisch-israelische Wähler, doch auch er hat erklärt, nicht mit den arabischen Parteien zusammenarbeiten zu wollen.“

„Netanjahu noch nicht besiegt“

In Australien, wo der Tag bereits ausklingt, kommentiert die Tageszeitung „The Age“ das Geschehen ausführlich mit Kritik an Netanjahu, aber auch mit großer Nüchternheit:

„Die Israelis sind in großer Zahl zu den Wahlurnen geströmt, um Benjamin Netanjahu und den rechtsextremen Kräften, die ihn in den vergangenen vier Jahren an der Macht gehalten haben, eine Absage zu erteilen. Doch obwohl er für das größte Sicherheitsversagen in der Geschichte Israels verantwortlich war, ist die politische Karriere des Ministerpräsidenten, der bisher am längsten im Amt war, noch nicht beendet.“

„Netanjahu bleibt geschäftsführender Ministerpräsident, bis eine neue Regierung gebildet ist. Dabei kann er die Vorteile seines Amts nutzen, um den weiteren politischen Wettbewerb zu seinen Gunsten zu beeinflussen. Schon ein Patt wäre für ihn ein Erfolg, schließlich sah es nach den Angriffen vom 7. Oktober 2023 zunächst so aus, als wäre seine politische Karriere beendet. (...) Netanjahu ist angeschlagen, aber noch lange nicht besiegt. Nicht einmal annähernd.“