Personalmangel in Kliniken wegen Corona-Quarantäne
: Die Isolationspflicht schadet mehr, als sie nützt – ein Kommentar

Immer mehr Mediziner fordern, die Isolationspflicht nach einem positiven Corona-Test abzuschaffen. Das ist angesichts der Omikron-Variante verständlich. Es wird Zeit, der Hygiene-Kompetenz der Ärzte zu vertrauen.
Von
Dominik Guggemos
Berlin
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Fordert das Ende der Corona-Isolationspflicht: Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV).

Bernd von Jutrczenka/dpa

Immer mehr Kliniken beklagen, dass sie wegen Personalmangel planbare Operationen verschieben müssen. Doch das Problem ließe sich zumindest deutlich entschärfen: durch ein Ende der Isolationspflicht nach einem positiven Corona-Test. Das fordert nach dem Vorsitzenden der Universitätskliniken nun auch Andreas Gassen, Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. Nach fast zweieinhalb Jahren Pandemie und Angst vor einem Test mit zwei Strichen kommt dieser Vorschlag radikal daher.

Soll ein Arzt, der sich fit fühlt, aber laut Test ansteckend sein könnte, eine Patientin aus der Risikogruppe behandeln? Nicht nur Gassen sagt: Das machen wir bei der Grippe doch schon seit Jahrzehnten so. In dieser Phase der Pandemie und mit der milden Omikron-Variante wird es Zeit, dass wir auf die Hygiene-Kompetenz unserer Ärzte vertrauen. Sie wissen, wie sich das Ansteckungsrisiko für Patienten minimieren lässt, weil das unabhängig von Corona medizinischer Alltag ist. Falls eine gefährlichere Virusvariante im Herbst Omikron verdrängen sollte, kann die Isolationspflicht ja wieder eingeführt werden. Für den Moment schadet sie mehr, als sie nützt.