Österreich gegen Rechtsextreme: Hitlers Geburtshaus wird zur Polizeistation – für 20 Millionen Euro

Noch laufen die Bauarbeiten am Geburtshaus Hitlers in Branau am Inn, aber sie sind fast abgeschlossen. In wenigen Wochen soll bereits die Polizeiwache dort einziehen.
JOE KLAMAR/AFP- Hitlers Geburtshaus in Braunau wird für 20 Mio. Euro zur Polizeiwache umgebaut.
- Einzug der Polizei im „zweiten Quartal 2026“ geplant; Bau fast abgeschlossen.
- Ziel: „Neutralisierung des gesamten Ortes“ und Abschreckung von Rechtsextremen.
- Kritik: hohe Kosten, Abschottung statt Aufarbeitung; Alternatividee „Haus der Verantwortung“.
- In Braunau mahnt eine Gedenktafel „Nie wieder Faschismus“; Debatte hält an.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Ein Ort mit dunkler Vergangenheit im Wandel. Mittlerweile sind die Bauarbeiten fast abgeschlossen und in wenigen Wochen soll die Polizei im österreichischen Braunau am Inn ihre neue Wache beziehen. Das helle Steinhaus ist unspektakulär, doch seine Geschichte macht es zum Politikum: Hier wurde Adolf Hitler geboren, um die Nutzung des Gebäudes wurde jahrelang gestritten. Noch immer löst die Umwidmung des Hauses gemischte Gefühle aus bei den Menschen in der Grenzstadt am Inn.
„Es ist ein sehr zweischneidiges Schwert“, sagt Sibylle Treiblmaier vor Hitlers Geburtshaus. Zwar könne die Verwendung als Polizeiwache verhindern, dass sich Neonazis dort versammeln. „Aber ich finde, man hätte es besser oder anders nutzen können“, ist die 53-jährige Büroassistentin überzeugt.
„Neutralisierung des gesamten Ortes“ angestrebt
Die Regierung wollte mit dem Umbau eine „Neutralisierung des gesamten Ortes“ erreichen und verabschiedete 2016 ein Gesetz, um die baufällige Immobilie aus dem Besitz des privaten Eigentümers zu übernehmen. Zuvor hatte das Innenministerium das Haus bereits gemietet und unter anderem als Einrichtung für Menschen mit Behinderung genutzt.
Österreich ringt seit Jahrzehnten mit seiner nationalsozialistischen Vergangenheit. 1938 annektierte Hitler das Nachbarland, der „Anschluss“ ans Deutsche Reich wurde von vielen Österreichern bejubelt. Während der Nazi-Herrschaft wurden etwa 65.000 österreichische Juden ermordet und 130.000 ins Exil gezwungen. Immer wieder wurde Österreich vorgeworfen, seine Mitverantwortung für den Holocaust nicht vollständig anzuerkennen.
Gedenktafel vor dem Geburtshaus Hitlers
Die rechtspopulistische FPÖ, gegründet von ehemaligen Nazis, ist in den Umfragen die stärkste Partei. Bei der Wahl 2024 holte sie die meisten Stimmen, scheiterte jedoch bei der Regierungsbildung. Bis zum vergangenen Jahr trugen zwei Straßen in Braunau am Inn die Namen von Nazis; erst nach jahrelangem Protest von Aktivisten wurden sie umbenannt.

Vor dem Geburtshaus Hitlers mahnt eine Gedenktafel vor der Gefahr durch Faschismus.
JOE KLAMAR/AFPDas Haus, in dem Hitler am 20. April 1889 geboren wurde und als kleines Kind für kurze Zeit lebte, steht mitten im Stadtzentrum in einer schmalen Geschäftsstraße. Auf einem Gedenkstein davor steht: „Für Frieden, Freiheit und Demokratie. Nie wieder Faschismus. Millionen Tote mahnen.“
Polizei soll zwischen April und Juni einziehen
Nach Angaben des Innenministeriums sollen die Polizeibeamten im „zweiten Quartal 2026“ einziehen. Autor Ludwig Laher, Mitglied des Mauthausen-Komitees Österreich, das Holocaust-Opfer vertritt, sieht das kritisch: „Eine Polizeistation ist deshalb problematisch, weil die Polizei in jedem politischen System das, was der Staat will, zu schützen hat“, sagt er. „Widerstand innerhalb der Polizei ist ein seltenes Phänomen.“
Laher verweist auf die Idee, das Gebäude in ein „Haus der Verantwortung“ umzuwandeln – eine internationale Begegnungsstätte zur Völkerverständigung und Friedensarbeit. Dieser Plan habe „viel Zuspruch gefunden“, sagt Laher. Das Büro des konservativen Bürgermeisters von Braunau lehnte eine Stellungnahme gegenüber der Nachrichtenagentur AFP ab.

Im zweiten Quartal 2026 soll die Polizeiwache in Braunau am inn ihr neues Quartier in Hitlers Geburtshaus beziehen.
JOE KLAMAR/AFPHitlers Geburtshaus wird durch Polizei unzugänglich
Jasmin Stadler, eine Ladenbesitzerin und gebürtige Braunauerin, hätte sich gewünscht, Hitlers Geburtshaus zu einem Ort der Geschichte zu machen. „Es wäre spannender, das geschichtlich aufzuarbeiten“, sagt die 34-Jährige. Durch die Polizeistation werde das Haus wieder zu einem unzugänglichen Ort, kritisiert sie. Auch die Kosten für den Umbau – 20 Millionen Euro – findet sie zu hoch.
Wolfgang Leithner findet es hingegen „vernünftig, das Gebäude zu nutzen und es der Polizei zu geben, der öffentlichen Hand“. Die Diskussion um das Geburtshaus Hitlers werde damit dennoch nicht beendet sein, vermutet der 57-jährige Elektrotechniker. Er hofft, dass künftig zumindest keine Rechtsextremen mehr nach Braunau pilgern und „ein bisschen Ruhe reinkommt in das Ganze“.

