Naher Osten
: Neue Eskalation: Iran greift Israel mit Drohnen und Raketen an

HintergrundDer Iran hat Israel am Samstagabend mit Drohnen und nach eigenen Angaben auch Raketen attackiert. Israel ist im Alarmzustand. US-Präsident Joe Biden kehrte ins Weiße Haus zurück, um sich mit seinem Sicherheitsstab zu beraten. Ein Überblick über die Lage.
Von
dpa
Tel Aviv
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Nahostkonflikt — Iran: ARCHIV - 01.09.2020, Iran, Teheran: Ajatollah Ali Chamenei, Oberster Führer und geistliches Oberhaupt des Iran. (zu dpa: «Israels Armeesprecher: Iran hat Drohnenangriff gestartet») Foto: -/Office of the Iranian Supreme Leader/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Ajatollah Ali Chamenei, Oberster Führer und geistliches Oberhaupt des Iran (Archivbild).

-/Office of the Iranian Supreme Leader/dpa

Wie bereits seit Tagen befürchtet, hat der Iran einen Angriff auf Israel gestartet. Es ist das erste Mal in der Geschichte der Islamischen Republik, dass der Iran seinen Erzfeind Israel direkt angreift - trotz internationaler Warnungen. Israels Armeesprecher Daniel Hagari bestätigte am Samstag den Beginn des Angriffs. Hagari teilte mit, es werde mehrere Stunden dauern, bis die Drohnen israelisches Gebiet erreichen. Offen ist, ob Israel mit einem Gegenangriff auf den Iran reagiert.

Die militärischen Spannungen im Nahen Osten hatten sich verschärft, nachdem es bei einem mutmaßlich israelischen Luftangriff am 1. April auf ein Gebäude der iranischen Botschaft in Syriens Hauptstadt Damaskus mehrere Tote gegeben hatte. Darunter waren zwei Brigadegeneräle und fünf weitere Mitglieder der mächtigen iranischen Revolutionsgarden.

„Eine breite Drohnenoperation der Revolutionsgarden gegen Ziele im besetzten Land (Israel) hat vor Minuten begonnen“, hieß es in den Untertiteln des Staatsfernsehens kurz vor Mitternacht. Irans Revolutionsgarden feuerten nach den Angaben auch Raketen Richtung Israel ab. Begleitet von einem massiven Drohnenangriff sei das die „Antwort auf die jüngsten Verbrechen des zionistischen Regimes“, hieß es in einer im Fernsehen verlesenen Erklärung der Revolutionsgarden. 

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu wandte sich kurz vor dem Angriff an die Bürger seines Landes. „Der Staat Israel ist stark. Die IDF sind stark. Wir wissen es zu schätzen, dass die USA an der Seite Israels stehen, ebenso wie die Unterstützung Großbritanniens, Frankreichs und vieler anderer Länder“, sagte er. „Wir haben ein klares Prinzip: Wer uns schadet, dem schaden wir auch“, warnte er. „Gemeinsam werden wir standhalten und mit Gottes Hilfe alle unsere Feinde besiegen“, fügte Netanjahu hinzu.

Krisentreffen im Weißen Haus

Verteidigungsminister Joav Galant hatte wiederholt betont, ein solcher Angriff werde nicht unbeantwortet bleiben. „Ein direkter iranischer Angriff wird eine angemessene israelische Antwort gegen den Iran erfordern“, hatte Galant zuletzt am Freitag gewarnt.

Auch die USA bestätigten den iranischen Angriff. US–Präsident Joe Biden werde fortlaufend über die Lage informiert und werde sich am Samstagnachmittag (Ortszeit) mit seinem Sicherheitsteam im Weißen Haus zu Beratungen treffen, teilte eine Sprecherin des Nationalen Sicherheitsrats mit. Der Angriff werde sich „wahrscheinlich über mehrere Stunden hinziehen“.

US–Präsident Biden: 13.04.2024, USA, Washington: US-Präsident Joe Biden geht zum Oval Office des Weißen Hauses. Foto: Pablo Martinez Monsivais/AP +++ dpa-Bildfunk +++

US-Präsident Joe Biden brach seinen Wochenend-Ausflug ab und traf sich im Weißen Haus mit seinem Krisenteam.

Pablo Martinez Monsivais/AP

Für das Krisentreffen verkürzte Biden seinen Aufenthalt in Rehoboth Beach im US–Bundesstaat Delaware, wo er eigentlich das Wochenende verbringen wollte — und flog früher als geplant nach Washington zurück. Den Angaben zufolge wollten auch US–Verteidigungsminister Lloyd Austin, US–Außenminister Antony Blinken, US–Generalstabschef Charles Brown und CIA–Direktor William Burns an den Beratungen teilnehmen. Biden hatte Israel die volle Unterstützung der USA zugesichert. Am Samstag erneuerte US–Verteidigungsminister Lloyd Austin diese Zusicherung. 

Das israelische Militär sei in höchster Alarmbereitschaft und überwache die Situation, hieß es in einer Mitteilung, die die Armee über Telegram versendete. Das Luftabwehrsystem sei in Bereitschaft ebenso wie Kampfjets und Marineschiffe. Sprecher Hagari betonte, die Armee beobachte die Lage und alle Abwehrsysteme seien bereit. Zudem werde der GPS–Empfang in verschiedenen Landesteilen unterdrückt.  Wegen des Drohnenangriffs kündigte Israel zudem an, es werde seinen Luftraum ab Sonntag 00:30 Uhr Ortszeit (Samstag 23:30 MESZ) schließen, wie israelische Medien unter Berufung auf die Luftfahrtbehörde berichteten.  

Drohnen mit 2500 Kilometern Reichweite

Bei dem Angriff könnte es sich um einen Schwarm sogenannter Kamikazedrohnen vom Typ Shahed 136 handeln, die auch Russland im Kampf gegen die Ukraine einsetzt. Die in heimischer Produktion gefertigten Drohnen haben eine Reichweite von etwa 2500 Kilometern und können somit Ziele in Israel erreichen.

Israel hatte angesichts der angespannten Sicherheitslage kurz vor dem Angriff die Alarmbereitschaft weiter erhöht: Die Armee gab neue Schutzanweisungen für die Zivilbevölkerung heraus, die zunächst von Samstagabend bis Montagabend gelten sollten. 

Der deutsche Botschafter in Israel, Steffen Seibert, forderte alle Deutschen vor Ort auf, sich an die Anweisungen der Sicherheitsbehörden zu halten. „Ein Direktangriff wie noch nie: Iranische Drohnen im Anflug auf Israel und es kann noch mehr kommen“, schrieb er am Samstagabend auf X (vormals Twitter). „Alle deutschen Landsleute bitte ich dringend, zu Ihrer Sicherheit den Anweisungen des Home Front Command und der lokalen Behörden zu folgen.“

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