Nach Messer-Attacke in Mannheim
: #FürRouven – Polizei ruft zu landesweiter Schweigeminute auf

Die tödliche Messer-Attacke von Mannheim hat bundesweit große Anteilnahme ausgelöst. Für Freitag ruft die Polizei in Baden-Württemberg zu einer Gedenkminute auf.
Von
Roland Müller,
dpa ,
AFP STATISTISCH
Mannheim
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Der Polizist Rouven L. wurde bei einer Messer-Attacke in Mannheim getötet

Die Trauer um Rouven L. ist riesig. Mit dem Hashtag #einvervonuns hat die Polizei in Mannheim die Bevölkerung zu einer Gedenkminute am Freitag aufgerufen.

Polizei Mannheim

Das Schicksal des Polizisten Rouven L., der bei einer Messer-Attacke in Mannheim ums Leben gekommen ist, geht vielen Menschen in ganz Deutschland nahe. Die baden-württembergische Polizei will dem jungen Beamten, der nur 29 Jahre alt wurde, nun mit einer besonderen Aktion gedenken. „Zum Gedenken an unseren getöteten Kollegen Rouven wird die Polizei BW am Freitag, 7. Juni 2024, um 11:34 Uhr, landesweit eine Schweigeminute durchführen“, teilten alle Polizeipräsidien im Südwesten auf Social Media mit. „Die gesamte Bevölkerung ist eingeladen, sich an der Schweigeminute zu beteiligen.“

An allen Streifenwagen der Polizei in Baden-Württemberg war schon zuvor ein Trauerflor angebracht worden, die Beflaggung an Dienstgebäuden der Polizei und des Innenministeriums wurde auf halbmast gesetzt.

Der Bundestag hat am Mittwoch zudem des getöteten Polizisten mit einer Schweigeminute gedacht. Auf Aufforderung von Parlamentspräsidentin Bärbel Bas (SPD) erhoben sich die Abgeordneten und anwesende Regierungsvertreter am Mittag von ihren Plätzen. Bas sprach von einem „brutalen Angriff“. Der 29-jährige Polizist sei gestorben, „weil er bei einer politischen Veranstaltung ein wichtiges Grundrecht unserer Demokratie verteidigte: die Meinungsfreiheit.“ Sie sprach den Angehörigen das Mitgefühl des Parlaments aus. „In Gedanken sind wir auch bei allen Polizistinnen und Polizisten, die Tag für Tag ihren Dienst für die Sicherheit in unserem Land leisten.“

Stadt Mannheim legt Kondolenzbuch auf

In einem Kondolenzbuch der Stadt Mannheim können Bürgerinnen und Bürger jetzt ihrer Trauer um Rouven L. Ausdruck verleihen. Das teilte die Stadt am Mittwoch mit. „Der heimtückische Mord an einem jungen und hochgeschätzten Polizeibeamten hat mich tief erschüttert“, schrieb Oberbürgermeister Christian Specht (CDU) auf der ersten Seite des Buches. „Dass Rouven bei seinem Einsatz zum Schutz des Lebens anderer sein eigenes Leben auf so sinnlose und brutale Weise verloren hat, lässt mich ebenso wie viele Menschen in Mannheim und weit darüber hinaus entsetzt und fassungslos zurück.“

Der junge Polizist war am vergangenen Freitag auf dem Marktplatz im Stadtzentrum von einem Angreifer mit einem Messer niedergestochen worden und erlag später seinen Verletzungen. Der mutmaßliche Täter, ein 25-jähriger Afghane, hatte am Freitag fünf Teilnehmer einer Kundgebung der islamkritischen Bewegung Pax Europa sowie Rouven L. mit einem Messer verletzt. Ein anderer Beamter schoss den Angreifer nieder. Er wurde anschließend operiert und konnte seither nicht vernommen werden. Der Täter wohnte zuletzt mit seiner Ehefrau und zwei Kleinkindern im hessischen Heppenheim, laut dpa-Informationen wurde sein Asylantrag bereits 2014 abgelehnt. Es wurde allerdings ein Abschiebeverbot verhängt, vermutlich wegen des jugendlichen Alters.

Ermittler gehen von einem islamistischen Motiv aus

Laut Einschätzung der Behörden und von Innenminister Thomas Strobl (CDU) war die tödliche Messerattacke mutmaßlich islamistisch motiviert. Es verdichteten sich die Erkenntnisse, dass es sich um eine islamistisch-extremistisch motivierte Straftat handle, sagte Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU) am Dienstag in Stuttgart. Die Gewalttat hat unterdessen eine politische Diskussion über Abschiebungen nach Afghanistan ausgelöst.