Nach Angriffen im Libanon: Israels Regierung beschließt landesweiten Ausnahmezustand

Das israelische Luftabwehrsystem Iron Dome feuert in Haifa, Israel, um Raketen abzufangen, die aus dem Libanon abgefeuert wurden.
Baz Ratner/AP/dpa- Israel verhängt nach Luftangriffen im Libanon Ausnahmezustand; erwartet Hisbollah-Gegenschläge.
- Netanjahu spricht von einer Veränderung des „Sicherheitsgleichgewichts“.
- 274 Tote und über 1000 Verletzte im Libanon, Tausende fliehen.
- UN warnen vor Eskalation, Iran droht Israel mit Konsequenzen.
- Libanons Regierung appelliert an UN-Vollversammlung.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Nach massiven Luftangriffen im Libanon hat die israelische Regierung in Erwartung von Gegenschlägen einen landesweiten Ausnahmezustand beschlossen. Laut einem israelischen Regierungsvertreter wurde dies bei einer telefonischen Befragung entschieden.
Die Entscheidung bedeutet nach Medienberichten unter anderem, dass die Größe von Versammlungen eingeschränkt werden kann. Bisher hat die Armee allerdings noch keine neuen Anweisungen veröffentlicht. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu versammelte nach Medienberichten das sogenannte Sicherheitskabinett zu weiteren Beratungen im Militärhauptquartier in Tel Aviv.
Zahl der Getöteten steigt auf 274
Nach eigenen Angaben griff die israelische Armee am Montag mehr als 800 Hisbollah-Ziele an. Die libanesische Regierung sprach von 274 Toten und mehr als tausend Verletzten. Auch 21 Kinder, 29 Frauen und Rettungskräfte seien gestorben, hieß es. Es war demnach die höchste Opferzahl seit Beginn der grenzüberschreitenden Gefechte vor rund einem Jahr. Nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums flohen tausende Familien.
Am frühen Abend meldeten libanesische Medien neue Angriffe im Osten. Ungeachtet der massiven israelischen Angriffe verstärkte die pro-iranische Hisbollah ihrerseits am Wochenende ebenfalls ihre Angriffe. Auch am Montag wurden laut Angaben der Miliz als Reaktion auf den israelischen Beschuss mindestens fünf Ziele bombardiert.
Netanjahu: Veränderung des „Sicherheitsgleichgewichts“
Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sprach von einer Veränderung des „Sicherheitsgleichgewichts“. „Ich habe versprochen, wir würden das Sicherheitsgleichgewicht, die Machtverhältnisse im Norden ändern – und das ist genau das, was wir tun“, sagte Netanjahu während eines Sicherheitstreffens. Israels Strategie sei es, Bedrohungen zuvorzukommen, anstatt auf sie zu „warten“.
Der Konflikt zwischen Israel und der mit der radikalislamischen Hamas verbündeten pro-iranischen Hisbollah hatte sich in den vergangenen Tagen nochmals verschärft. Mit einem gezielten Luftangriff tötete die israelische Armee in Beirut mehrere ranghohe Hisbollah-Kommandeure, zudem gab sie die Zerstörung tausender Raketenabschussrampen im Südlibanon bekannt.
Explosion von Pagern und Walkie-Talkies in der vergangenen Woche
Bereits in der vergangenen Woche hatte sich der Konflikt durch die Explosionen von hunderten Pagern und Walkie-Talkies der Miliz im Libanon zugespitzt. Die Hisbollah macht Israel für die Explosionen verantwortlich. Israel selbst äußerte sich nicht zur Urheberschaft der Explosionen, durch die 39 Menschen starben und tausende weitere verletzt wurden.
UN-Beobachtermission besorgt um Zivilisten im Südlibanon
Die UN-Beobachtermission Unifil warnte vor den „verheerenden“ Folgen einer weiteren Eskalation des Konflikts. Jede weitere Verschärfung „dieser gefährlichen Lage könnte weitreichende und verheerende Folgen“ für die Menschen in dem Grenzgebiet und die gesamte Region haben, teilte Unifil mit. Sie äußerte mit Blick auf die massiven israelischen Luftangriffe ihre „große Sorge um die Sicherheit der Zivilisten im Südlibanon“.
Der Iran warnte Israel nach Angriffen auf Hochburgen der Hisbollah-Miliz vor „gefährlichen Konsequenzen“. Außenministeriumssprecher Nasser Kanani nannte die jüngsten israelischen Angriffe „wahnsinnig“ und sprach von einer „ernsthaften Bedrohung für den regionalen und internationalen Frieden“. Irans Präsident Massud Peseschkian warf Israel vor, einen „größeren Konflikt“ zu wollen.
Libanesischer Regierungschef appelliert an UN-Vollversammlung
Der libanesische Regierungschef Nadschib Mikati warf Israel angesichts der Ausweitung der Angriffe einen „Zerstörungsplan“ für den Libanon vor. Dieser ziele darauf ab, „libanesische Dörfer und Städte zu vernichten“, sagte er bei einer Kabinettssitzung. Er rief die Vereinten Nationen, die UN-Vollversammlung sowie „einflussreiche Länder“ auf, Israel davon abzuhalten. Die Verschärfung des Konflikts zwischen Israel und der Hisbollah-Miliz dürfte eines der bestimmenden Themen bei der UN-Generaldebatte in New York sein, die am Dienstag beginnt.