MEDI Baden-Württemberg
: Ärzte warnen vor Missbrauch von Abnehmspritzen als „Lifestyledroge“

Der Ärzteverband MEDI Baden-Württemberg warnt vor einem leichtfertigen Einsatz von Abnehmspritzen und -pillen. Diese könnten zur Lifestyledroge für reine Körperoptimierung werden.
Von
red/epd
Stuttgart
Bavaria, Germany March 20, 2026: Several syringes and a measuring tape symbolize modern weight-loss injections. The image represents medical assistance with weight loss, as well as the opportunities and risks associated with this form of therapy. *** Mehrere Spritzen und ein Maßband symbolisieren moderne Abnehmspritzen zur Gewichtsreduktion. Das Bild steht für medikamentöse Unterstützung beim Abnehmen sowie Chancen und Risiken dieser Therapieform.

Der fachübergreifende Ärzteverband MEDI Baden-Württemberg hat vor einem leichtfertigen Einsatz von Abnehmspritzen und -pillen gewarnt (Symbolfoto).

IMAGO/Bihlmayerfotografie
  • Ärzteverband MEDI Baden-Württemberg warnt vor leichtfertigem Einsatz von Abnehmspritzen.
  • Gefahr einer Lifestyledroge für reine Körperoptimierung – Präparate dämpfen Hunger.
  • Nachhaltige Adipositas-Therapie braucht Lebensstiländerung und ärztlich-psychologische Betreuung.
  • Sorgen vor Semaglutid als Tablette ab September: niedrigere Hemmschwelle zur Einnahme.
  • Risiken laut Hausärzten: Mangelernährung und schneller Muskelverlust, besonders im Alter.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Der fachübergreifende Ärzteverband MEDI Baden-Württemberg hat vor einem leichtfertigen Einsatz von Abnehmspritzen und -pillen gewarnt. Das Risiko sei groß, dass sich die Präparate zu einer Art Lifestyledroge für die reine Körperoptimierung entwickeln, teilte der Verband am Donnerstag in Stuttgart mit. Eine nachhaltige Behandlung von starkem Übergewicht (Adipositas) erfordere jedoch eine langfristige Lebensstiländerung sowie eine enge ärztliche und psychologische Betreuung.

Besonders im Hinblick auf die für September erwartete Markteinführung des Wirkstoffs Semaglutid in Tablettenform äußerte MEDI-Chef Norbert Smetak Sorge. Durch die orale Darreichungsform sinke die Hemmschwelle zur Einnahme weiter. Hausärzte wie Stefan Reschke, Sprecher der Nachwuchsorganisation „Young MEDI“, verwiesen auf deutliche Risiken der Medikamente: Neben Mangelernährung drohe ein rascher Verlust von Muskelmasse, was vor allem bei älteren Menschen die Sterblichkeit erhöhen könne. Die Wirkstoffe, die ursprünglich für Typ-2-Diabetes entwickelt wurden, verlangsamen die Magenentleerung und dämpfen das Hungergefühl.

Übergewicht ist in Deutschland eine Volkskrankheit

Sollten die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für die derzeit ausgeschlossenen Medikamente künftig übernehmen, dürfe dies laut dem Verband nur in schwerwiegenden Fällen und eingebunden in ein ganzheitliches Therapiekonzept geschehen. Übergewicht ist in Deutschland mittlerweile eine Volkskrankheit: Rund 61 Prozent der Männer und 38 Prozent der Frauen gelten als übergewichtig. Um die gesamtgesellschaftlichen Kosten von jährlich rund 63 Milliarden Euro zu senken, fordert der Verband zudem deutlich höhere Investitionen in die Vorbeugung.