Elon Musk und Donald Trump: Peinliche Panne, Lügen und Beleidigungen im Live-Interview

Bildkombo: Präsidentschaftskandidaten Donald Trump und Tech-Giganten und Multimilliardär Elon Musk im Interview.
Matt Rourke/Jos' Luis Villegas/AP/dpaDer erste „Höhepunkt“ des Interviews war gleich das Gegenteil – nämlich ein Tiefpunkt. Das Interview litt wie auch vergangene Livestreams auf Musks Plattform „X“ - ehemals Twitter - unter technischen Pannen. Nutzer konnten sich in das Gespräch nicht einloggen. Musk behauptete, es habe eine massive Cyberattacke gegen „X“ gegeben. Trumps Berater wollten aus den Problemen hingegen politisches Kapital schlagen. Sie sagten, der republikanische Präsidentschaftskandidat sei so beliebt, dass sein Interview mit dem Milliardär zu einem „Crash“ des Internets geführt habe. Tatsache ist aber, dass die Social-Media-Plattform offenbar nicht über ausreichende Bandbreite verfügte. So oder so begann das Gespräch mit einer Verspätung von etwa 45 Minuten.
Gab das Interview inhaltlich Relevantes her?
Trump und Musk begannen mit dem Anschlag auf den Kandidaten, bei dem Trump eine Schusswunde am Ohr erlitten hatte. Trump wiederholte im Detail, wie er das Attentat erlebt hatte. Der Tech-Unternehmer schlüpfte dann prompt in die Rolle des Ja-Sagers, die sich wie ein roter Faden durch das gesamte Gespräch zog. „Mut kann man nicht vortäuschen, und ich bewundere Ihren Mut!“ stimmte Musk den ersten einer langen Serie von Lobgesängen an. Dann artete das „Interview“ aus in eine Kombination aus Lügen, persönlichen Angriffen gegen die demokratische Spitzenkandidatin Kamala Harris sowie Präsident Joe Biden und ein Potpourri aus „Trumps Greatest Hits“.
Die schärfsten, unsachlichsten und persönlichsten Angriffe
Trump machte Biden und Harris allein für die hohe Inflation ebenso wie die „Karawane“ illegaler Immigranten verantwortlich, die vorwiegend aus psychisch Kranken und Verbrechern bestehen würde. Auch wiederholte der Republikaner, dass es unter ihm keinen Angriff der Terrororganisation Hamas auf Israel gegeben hätte und Wladimir Putin es niemals gewagt hätte, in die Ukraine einzumarschieren. Zudem behauptete er, dass sowohl Biden als auch Harris politisch inkompetent seien. Der amtierende Präsident „hatte schon vor 30 Jahren einen niedrigen Intelligenzquotienten, heute hat er gar kein IQ mehr“.
Wie Elon Musk Donald Trump helfen kann
Trump hat mit dem Auftritt auf Musks Plattform „X“ wie auch bei anderen Wahlkampfveranstaltungen vorrangig seine politische Basis angesprochen. Anhänger der MAGA ("Make America Great Again")-Bewegung waren erwartungsgemäß begeistert. Um den Boden, der er in Umfragen gegenüber Harris verloren hat, wiedergutzumachen, muss der Republikaner aber seine Basis verbreitern. Das ist ihm mit der oft verwirrenden Tirade nicht gelungen. So gesehen hat Musk mit dem Interview nicht geholfen. Tatkräftig unterstützt er hingegen den ehemaligen Präsidenten mit 45 Millionen Dollar, die er jeden Monat auf das Konto eines Trump-freundlichen Spendenkomitees überweist.
Was Trump zu seinen Gerichtsverfahren sagt
Trump zog vom Leder, aber mit denselben Beschwerden wie früher. Er warf der Biden-Regierung vor, die Justiz als Waffen gegen politische Gegner einzusetzen. Die Straf- und Zivilprozesse gegen ihn seien „Unsinn“, schimpfte Trump. Derartige Verfahren „gibt es sonst nur in Bananenrepubliken“. Dann behauptete er, dass die Prozesse ihm politisch sogar geholfen hätten, das habe sich seinerzeit an den Umfragewerten gezeigt. Er legte dann mit einer weiteren Beleidigung nach, die nichts mit dem Thema zu tun hatte: Biden nähere sich bereits „einem vegetativen Zustand“.


