Kritik der Polizeigewerkschaft
: Millionen Überstunden und Ferien-Staus – viel Aufwand für Grenzkontrollen

2,8 Millionen Überstunden auf der einen Seite, 285 Zurückweisungen auf der anderen: Die deutsche Polizeigewerkschaft kritisiert den enormen Aufwand der Grenzkontrollen – und warnt vor Stau-Chaos.
Von
afp
Berlin
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Grenzkontrollen

Die verschärften Kontrollen an den deutschen Grenzen sind ein enormer Aufwand, kritisiert die Gewerkschaft der Polizei.

Patrick Pleul/dpa
  • Polizeigewerkschaft kritisiert Aufwand der Grenzkontrollen als unverhältnismäßig.
  • 2,8 Mio. Überstunden bei der Bundespolizei stehen 285 Zurückweisungen bis Juni gegenüber.
  • Warnung vor Staus: Grenzkontrollen könnten Urlaubsverkehr in Ferien stark belasten.
  • Schleuser weichen laut GdP auf neue Routen aus – vollständige Überwachung unmöglich.
  • Polen reagiert auf deutsche Kontrollen mit eigenen Maßnahmen an der Grenze.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Zwei Monate nach Beginn der verschärften Kontrollen an deutschen Grenzen mit Zurückweisungen von Asylbewerbern hat die Gewerkschaft der Polizei (GdP) den Aufwand als zunehmend unverhältnismäßig kritisiert und vor langen Staus in der Ferienzeit gewarnt. „Die Zahl der Zurückweisungen von Asyl- und Schutzsuchenden ist tatsächlich sehr gering, der Aufwand für die Bundespolizei dagegen riesig“, sagte GdP-Bundespolizei-Gewerkschaftschef Andreas Roßkopf der „Augsburger Allgemeinen“ (Dienstag). „Die Überstunden steigen dramatisch an“, betonte er.

Der offiziellen Zahl von 285 Zurückweisungen an den Grenzen bis Ende Juni stünden inzwischen 2,8 Millionen Überstunden bei der Bundespolizei gegenüber. „Das belastet Motivation und Gesundheit der Beschäftigten enorm“, warnte Roßkopf und forderte, die „aktuelle Intensität der Grenzkontrollen“ müsse so schnell wie möglich reduziert werden.

Verkehrschaos in den Ferien droht

Zudem drohe sonst ein Verkehrschaos in der Ferienzeit. „Die verschärften Grenzkontrollen werden den Urlaubsverkehr insbesondere bei der Rückreise, massiv belasten“, warnte Roßkopf. „Beim Ferienrückreiseverkehr müssen sich die Urlauber wegen der zusätzlichen Grenzkontrollmaßnahmen zwangsläufig auf teils massive Staus einstellen.“

Seit der Einführung der Kontrollen durch die Bundespolizei am 8. Mai mit Zurückweisungen sei zwar die Zahl der Asylanträge an den Grenzen zurückgegangen. „Wir gehen aber vor allem davon aus, dass die Kontrollen umgangen werden und die Schleuser neue Wege nutzen“, sagte Roßkopf. Es sei schlicht unmöglich, „jede Ecke der Grenze zu überwachen“.

Auch außenpolitisch haben die Kontrollen für Verwerfungen geführt – vor allem im Verhältnis zu Polen. Als Reaktion auf die deutschen Grenzregeln hat die polnische Regierung nun ebenfalls Kontrollen an der deutschen Grenze eingeführt.