Hamas-Geiseln in Israel: So reagiert Shanis Familie auf den Baerbock-Besuch: Kritik und Hoffnung

Shani Louk (22) wurde beim brutalen Angriff der Hamas auf Israel verschleppt und schwerst verletzt. Das Bild zeigt eine Frau auf einer Mahnwache in London mit einem Bild von Shani mit dem Titel „getötet“ – was nicht stimmt. Shani liegt in einem Krankenhaus in Gaza.
Henry Nicholls, afpDie Bodenoffensive der israelischen Streitkräfte in Gaza steht kurz bevor und wurde am Sonntag nur durch das Wetter verzögert. Sie ist eine Reaktion auf den Angriff der radikalislamischen Terrororganisation Hamas auf Israel. Die beispiellose Brutalität der Hamas-Angreifer und die Verschleppung von Zivilisten als Geiseln lösen weltweit Entsetzen und Wut aus. Auch das Schicksal der 22-jährigen Shani Louk, die die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt und familiäre Wurzeln in Ravensburg hat, bewegt viele Menschen: Shani wurde am Samstag, 7.10.2014, bei dem Massaker auf einem Rave-Festival in Israel, bei dem 250 Menschen getötet wurden, schwer verletzt mutmaßlich von Hamas-Terroristen in den Gazastreifen verschleppt.
Baerbock bei Shanis Familie in Israel: Unterstützung zugesagt
Am Freitag war Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) zu einem Solidaritätsbesuch in Israel gewesen. Dabei besuchte sie auch Verwandte von Shani. Nach Angaben der Familie hat Baerbock ihre Unterstützung zugesichert. Konkrete Ergebnisse habe es bei dem Treffen am Freitag in Israel jedoch nicht gegeben, sagte Wilfried Gehr am Samstag der dpa. Gehr ist der Lebensgefährte von Shanis Tante. Beide halten sich aktuell in Sulz am Neckar in Baden-Württemberg auf.
Lebensgefährte von Shanis Tante kritisiert Baerbocks Besuch: „Polit-Show“
Shanis Mutter Ricarda hatte sich mit der Bitte um Hilfe an die Öffentlichkeit gewandt. Auch Shanis Tante Orly Louk hatte an die Behörden appelliert. Die Familien hätten bei dem Treffen mit Baerbock die Geschichten der Verschleppten erzählen dürfen, und bei der Außenministerin seien dabei auch ein paar Tränen geflossen, sagte Gehr. Shanis Mutter Ricarda habe durch das Treffen etwas beruhigt werden können. Gehr dagegen kritisierte das Gespräch als „Polit-Show“: Man habe die Familien lediglich als „Statisten“ benutzt, tue aber zu wenig, um die Gefangenen zu befreien, sagte er.
Shanis Mutter hat Hoffnung nach Besuch der Ministerin
Anders äußerte sich die Mutter der in den Gazastreifen verschleppten Shani. Sie erhofft sich mehr Einsatz der Bundesregierung für die Geiseln. „Wir hoffen, dass jetzt mehr gemacht wird“, sagte Ricarda Louk nach dem Treffen mit Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) in Israel. „Es war sehr gut, dass sie hier war in unserem Land“, sagte Louk am Samstag der dpa.
Den Familien sei wichtig gewesen, klar zu machen, „dass wir keine Zeit haben“. Unter den mutmaßlich Verschleppten seien kleine Kinder und alte Menschen, die Medizin brauchten. „Meine Tochter ist am Kopf verletzt und die Zeit drängt“, sagte Louk.
Mutter Ricarda Louk: „Jeder dort ist in Gefahr“
Die Informationen, dass Schani lebe, habe die Familie vor einigen Tagen „über eine vertraute Person im Gazastreifen“ erhalten. Mehr könne sie über ihre Quelle nicht sagen. „Jeder dort ist in Gefahr“, sagte Louk. Niemand könne ihnen bisher jedoch hundertprozentig bestätigen“, dass die Informationen über ihre Tochter richtig sind.
Ihre Familie teile zwar alle Informationen mit den deutschen und israelischen Behörden, erhalte im Gegenzug aber nichts, sagte Ricarda Louk: „Wir sind so total im Dunkeln und das ist das Schwierigste.“
Ihre Familie habe sich inzwischen mit anderen Betroffenen zusammengetan. „Es ist nicht nur Shani, sondern es sind viel mehr betroffene Familien und schreckliche Schicksale“, sagte Louk. „Auch die Ministerin sieht, es ist echt. Das sind keine Geschichten, das sind echte Schicksale und Menschen und Kinder und Großmütter, die entführt worden sind.“ (...) „Es ist unvorstellbar und die ganze Welt muss das wissen.“
Baerbock trifft Angehörige von Hamas-Geiseln
Bei ihrem Besuch in Israel traf Baerbock mehrere Angehörige deutscher Hamas-Geiseln. Sie rief die radikale Palästinenserorganisation auf, alle verschleppten Menschen freizulassen. „Lassen Sie diese unschuldigen Menschen, lassen Sie diese unschuldigen kleinen Mädchen frei“, sagte Baerbock am Freitag in Tel Aviv. Während ihres Besuches musste die Ministerin wegen Raketenalarms in einen Schutzraum.
Nach ihrem Treffen mit der Ministerin richteten mehrere Angehörige einen eindringlichen Hilfsappell an Deutschland. Sie baten bei einer Pressekonferenz in Tel Aviv die Bundesregierung, sich für die Freilassung ihrer von der Hamas verschleppten Angehörigen einzusetzen. „Wir wissen dass die Lage sehr kompliziert ist, aber wir vertrauen darauf, dass die israelischen und die deutschen Behörden unsere Familien zurückbringen werden“, sagte unter anderem Yoni Asher. Er berichtete von der Entführung seiner beiden Töchter, seiner Frau und seiner Schwiegermutter, die er auf einem Geisel-Video der Hamas erkannt habe.
Shani Louk von der Hamas bei Massaker verschleppt
Die 22-jährige Shani Louk soll beim Terrorangriff auf Israel am vergangenen Wochenende nach Überzeugung ihrer Familie verschleppt worden sein. Sie sei bei dem Musikfestival in der israelischen Negev-Wüste von der islamistischen Hamas als Geisel genommen worden. Shani Louks Familie, von der ein Teil in Ravensburg lebt und ein anderer Teil regelmäßig in Sulz am Neckar ist, geht davon aus, dass die junge Frau schwer verletzt, aber am Leben ist und sich im Gazastreifen befindet.
Auf einem Video war die 22-Jährige halbnackt auf einem Pick-Up zwischen mehreren Hamas-Männern offenbar im Gazastreifen zu sehen, mit dem Gesicht zum Boden, die Beine verdreht. Ein Junge spuckt auf ihren Körper. Ihre Mutter hatte sie anhand ihrer Tattoos erkannt.
Baerbock setzt sich in Ägypten für Freilassung der Geiseln ein
Unterdessen appellierte Bundesaußenministerin Annalena Baerbock nach Krisengesprächen in Ägypten eindringlich an die islamistische Hamas, alle aus Israel verschleppten Geiseln freizulassen. Der Bundesregierung seien acht Fälle von deutschen Staatsangehörigen unter den Verschleppten bekannt, darunter die meisten Doppelstaatler, sagte die Grünen-Politikerin nach einem Treffen mit ihrem ägyptischen Kollegen Samih Schukri in der Hauptstadt Kairo. Man nutze alle Kanäle, „um Informationen zu bekommen, in wessen Händen die Geiseln sind und um alles dafür zu tun, dass diese unschuldigen Menschen freigelassen werden“, ergänzte die Ministerin.
