JD Vance übt Kritik an Trumps Iran-Politik
: Die volle Analyse im Wortlaut

Nach der schweren Niederlage der Republikaner bei den US-Zwischenwahlen übt Vizepräsident JD Vance ungewöhnlich deutliche Kritik am Iran-Krieg.
Von
Lukas Böhl
Washington
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US-Vizepräsident Vance: US-Vizepräsident JD Vance hält eine Rede bei einer Kundgebung auf dem Allen County Regional Airport. (zu dpa: «Vance sucht nach Wahldebakel Distanz zu Trump»)

JD Vance sieht den Iran-Krieg als Grund für die Wahlniederlage am Dienstag.

Samuel Corum/Pool Getty „Images “North America/AP/dpa

Die Republikaner haben bei den US-Zwischenwahlen am 3. November 2026 ihre Mehrheiten im Repräsentantenhaus und im Senat verloren. Einen Tag später meldete sich US-Vizepräsident JD Vance mit einer Analyse der Wahlniederlage zu Wort.

In einem ausführlichen Beitrag auf der Plattform X machte Vance vor allem den Krieg gegen den Iran für das Wahldebakel verantwortlich. Die Republikaner hätten nicht in erster Linie ein Mobilisierungsproblem gehabt. Vielmehr hätten sich zahlreiche Menschen, die 2024 noch Donald Trump und ihn selbst gewählt hatten, diesmal bewusst für die Demokraten entschieden.

Besonders deutlich wurde Vance bei der Frage nach den politischen Konsequenzen des Krieges. Die amerikanischen Wähler wollten ein Ende des Konflikts, niedrigere Lebenshaltungskosten, eine stärkere Orientierung an amerikanischen Interessen und eine Veränderung der Beziehungen zu Israel.

Damit setzt sich Vance öffentlich von Trumps Verteidigung des Iran-Krieges ab. Der Präsident hatte zwar eingeräumt, dass der Konflikt zum Wahlergebnis beigetragen habe, seine Entscheidung für den Krieg aber weiterhin verteidigt.

Die Analyse im Wortlaut

Nachfolgend die vollständige deutsche Übersetzung des X-Beitrags von JD Vance vom 4. November 2026:

„Eines der Themen, mit denen sich unsere Datenanalysten geradezu obsessiv beschäftigten, war die Zusammensetzung der Wählerschaft – also die Frage, ob sie der von 2024 ausreichend ähnelte, damit die Republikaner gewinnen konnten.

Und obwohl Umfragen einen erdrutschartigen Sieg der Demokraten vorhersagten, zeigten uns die Daten immer wieder dasselbe Bild: In manchen Bundesstaaten war die Wahlbeteiligung lediglich in Ordnung, in anderen war sie geradezu fantastisch, und in keinem einzigen Bundesstaat war sie katastrophal.

In unserem Team herrschte deshalb echter Optimismus: Unsere Leute gingen wählen.

Also fragte ich den klügsten Datenexperten, den ich kenne: Bedeutet das, dass wir die Welt überraschen werden?

‚Nein‘, antwortete er. ‚Wir könnten besser abschneiden, als die Umfragen vermuten lassen. Aber die Daten zeigen uns, dass viele Menschen, die 2024 Trump und Vance gewählt haben, wütend sind und vorhaben, für die andere Seite zu stimmen. Unsere Wähler gehen zwar wählen, aber möglicherweise wählen sie nicht uns.‘

Nun, im Nachhinein klingt das geradezu prophetisch.

Unsere Wähler sind tatsächlich zur Wahl gegangen. In Florida beispielsweise war die Wählerschaft um neun Prozentpunkte stärker republikanisch als demokratisch geprägt – nur ein paar Punkte schlechter als 2024.

Zweifellos gab es Orte, an denen wir bei der Wahlbeteiligung besser hätten abschneiden können. Aber das Hauptproblem war nicht die Wahlbeteiligung.

Das Hauptproblem besteht darin, dass viele Menschen, die 2024 Trump und Vance gewählt haben, 2026 für die Demokraten gestimmt haben.

Es wird viele interne Auseinandersetzungen und Diskussionen darüber geben, was passiert ist und warum.

Einer der Meinungsforscher, die ich wirklich respektiere, sagte mir, dass unsere wirtschaftspolitischen Botschaften in der Schlussphase des Wahlkampfs nicht prägnant genug gewesen seien. Ich bin sicher, dass das stimmt.

Aber der eigentliche Grund für unsere Niederlage ist für fast jeden offensichtlich.

Ein anderer Meinungsforscher – einer der klügsten Menschen, die ich in der Politik kenne – sagte mir gestern, dass wir bei der allgemeinen Parteipräferenz mit 13 Prozentpunkten Rückstand verlieren würden.

Ich war schon vor dem Dienstag pessimistisch, aber selbst mich hat das schockiert.

In seinen Umfragen hatte er festgestellt, dass viele Trump-Wähler von 2024 wütend waren und vorhatten, für die Demokraten zu stimmen.

Er fragte diese Wähler, die uns den Rücken gekehrt hatten, was sie dazu bewegen würde, wieder auf unsere Seite zurückzukehren.

Die vier häufigsten Antworten, auf die nahezu alle Rückmeldungen entfielen, lauteten:

Den Krieg beenden.

Sich auf die Lebenshaltungskosten und die Inflation konzentrieren.

Amerika an die erste Stelle setzen.

Unser Verhältnis zu Israel verändern.

Unsere Wähler sind zur Wahl gegangen. Und die vier genannten Gründe erklären, warum viele von ihnen für die Demokraten gestimmt haben.

Das sagt ein Meinungsforscher, der das Wahlergebnis exakt vorhergesagt hat.

Während viele am Montag Rachel Campos-Duffy dafür attackierten, dass sie eine diplomatische Lösung des Konflikts forderte, stellt sich nun heraus, dass ihr politischer Rat richtig war. (Sie ist übrigens auch ein großartiger Mensch.)

In den kommenden Monaten wird es zahlreiche Versuche geben, die Realität zu verdrehen.

Rechnet damit, dass alle möglichen Politiker des Establishments behaupten werden, die Lösung unserer Probleme bestehe in einer Amnestie für illegal eingewanderte Menschen.

Ich bin offen für die Überlegung, dass wir die Durchsetzung unserer Einwanderungsgesetze verändern sollten – beispielsweise indem wir uns stärker auf Unternehmen konzentrieren, die Menschen ohne legalen Aufenthalts- beziehungsweise Arbeitsstatus beschäftigen.

Aber jeder, der eine Amnestie fordert, belügt euch.

Der Grund für unsere Niederlage ist der Krieg. Der Präsident selbst hat das gestern Abend gesagt.

Wenn ihr argumentieren wollt, dass es das wert war, dass es den Verlust des Senats für die nächsten sechs Jahre wert war, dann tut das.

Argumentiert, dass es ein Preis war, den zu zahlen sich gelohnt hat.

Ob man dem zustimmt oder nicht – zumindest ist das ehrlich.

Aber jeder weiß, warum wir verloren haben.

Und jedes ehrliche Gespräch darüber, wie es von hier aus weitergehen soll, muss genau dort beginnen.

Ich bleibe hoffnungsvoll, was unser Land betrifft.

An diejenigen, die wütend sind und sagen wollen: ‚Ich habe es euch doch gesagt‘ – ihr habt recht, ihr habt es uns gesagt.

Nutzt diese Energie, um Republikaner zu wählen, die eure Weltanschauung teilen.

Und an diejenigen, die einfach nur wütend über die Ergebnisse sind: Das solltet ihr auch sein.

Lasst uns diese Wut nutzen und wieder an die Arbeit gehen, um unser Land zu retten.“