Krieg zwischen Iran und Israel
: USA greifen Atomanlagen im Iran an

Donald Trump hat sich schneller als angekündigt dazu entschieden, in den Konflikt im Nahen Osten einzugreifen. Der US-Präsident droht bereits mit weiteren Angriffen.
Von
Peter Dethier
Washington
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Nahostkonflikt - Trump über Angriff auf iranische Atomanlagen: 21.06.2025, USA, Washington: US-Präsident Donald Trump spricht im East Room des Weißen Hauses, nachdem das US-Militär drei iranische Nuklear- und Militäranlagen angegriffen hat. Foto: Carlos Barria/Reuters Pool via AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

US-Präsident Donald Trump spricht im East Room des Weißen Hauses, nachdem das US-Militär drei iranische Nuklear- und Militäranlagen angegriffen hat.

Carlos Barria/Reuters Pool via AP/dpa
  • USA greifen in Israel-Iran-Konflikt ein, bombardieren drei iranische Atomanlagen.
  • Ziele: Fordo, Natanz und eine Anlage in Esfahan, zentrale Orte im iranischen Atomprogramm.
  • Trump bezeichnet Angriffe als Warnung, hofft auf Verhandlungen mit Irans Führung.
  • Kritik und Risiken: Gefahr eines größeren Konflikts, mögliche iranische Vergeltung.
  • Angriffe eng mit Israel koordiniert, Luftraum über Iran unter israelischer Kontrolle.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Am Freitag hatte es noch geheißen, dass US-Präsident Donald Trump „innerhalb der nächsten zwei Wochen“ entscheiden werde, ob die amerikanischen Streitkräfte aktiv in den Konflikt zwischen Israel und dem Iran eingreifen. Dabei dauerte es keine 24 Stunden, bis der Präsident diese Frage bejahte. In der Nacht zum Sonntag griffen die USA drei Atomanlagen im Iran an.

Die Bomben zerstörten unter anderem Fordo, eine der zwei großen, unterirdischen Anlagen zur Urananreicherung. Fordo, das knapp 100 Kilometer südwestlich der Hauptstadt Teheran liegt, kommt zentrale Bedeutung in Irans Nuklearprogramm zu. Auch trafen die US-Raketen die Atomanlage Natans in der Landesmitte und eine Anlage in der Provinzhauptstadt Isfahan.

Bomben auf Atomanlagen

In einer Fernsehansprache an die Nation sprach Trump von einem „spektakulären militärischen Erfolg“. Irans wichtigsten Anreicherungsanlagen wurden komplett zerstört. Iran, „der Rüpel vom Nahen Osten“, müsse sich nun auf Friedensverhandlungen einlassen. Ansonsten wären künftige Angriffe „größer und wesentlich leichter“, sagte Trump. „Es kann nur Frieden geben oder eine Tragödie für den Iran“.

Ranghohen Regierungsangestellten zufolge handelte es sich um einen Warnschuss, der dem Regime in Teheran als Weckruf dienen sollte. Der Präsident hoffe auf diesem Wege, Ajatollah Ali Khamenei, den politischen und religiösen Führer des Landes, an den Verhandlungstisch zu bringen, heißt es in Washington. Trump hat sich mit den Angriffen aber auf politisches Glatteis begeben, und zwar sowohl im In- als auch im Ausland.

Irans Außenminister droht mit Konsequenzen

Irans Außenminister Abbas Araghtschi hat nach den US-Angriffen auf iranische Atomanlagen mit Konsequenzen gedroht. „Die Ereignisse von heute Morgen sind ungeheuerlich und werden dauerhafte Folgen haben“, schrieb der Minister auf der Plattform X.

Demokraten standen einem Militärangriff von vornherein skeptisch gegenüber. Senator Bernie Sanders sagte, dass die Angriffe „grob verfassungswidrig sind“. Die Verfassung autorisiere ausschließlich den Kongress, Kriegshandlungen vorzunehmen. Das Publikum, das sich am späten Abend um den früheren Präsidentschaftskandidaten aus Vermont versammelt hatte, brach in Rufe von „No more war!“ aus.

Noch schärfere Kritik übte die Kongressabgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez aus New York. Sie bezeichnete den Einsatz als Grund für ein weiteres Amtsenthebungsverfahren gegen Trump. „Er ist ein impulsives Risiko eingegangen, das unser Land in einen Krieg führen wird, der uns für Generationen begleiten könnte.“

Aber auch unter den Republikanern, die ausnahmsweise nicht geschlossen hinter Trump stehen, gehen die Meinungen auseinander. So herrschte im Nationalen Sicherheitsrat (NSC) kein Konsens über die Notwendigkeit eines US-Engagements. Die oberste Geheimdienstchefin Tulsi Gabbard hatte gesagt, dass keine zwingenden Beweise darüber vorliegen, dass Teheran nukleare Waffen entwickelt. Damit hatte sie sich den Zorn des Präsidenten zugezogen. Viele andere Republikaner vertreten die Doktrin des „Nicht-Interventionismus“ im Ausland. Unter ihnen auch Vizepräsident JD Vance, der sich aber letztlich hinter seinen Chef gestellt hat.

Mike Johnson, der Sprecher des Repräsentantenhauses, sagte, dass Trump vollen Respekt für die Verfassung habe. Es habe sich um „notwendige, begrenzte und gezielte Angriffe gehandelt, die einer langjährigen Tradition von Präsidenten beider Parteien folgen“, erklärte Johnson. Andere Republikaner zeigten weniger Verständnis. Thomas Massie, ein Abgeordneter aus Kentucky, nannte die Attacken verfassungswidrig. Er hatte zusammen mit anderen Parlamentariern beider Parteien einen Gesetzesentwurf vorgelegt, der die ausdrückliche Zustimmung des Kongresses für einen solchen Einsatz vorschreiben sollte. „Dies ist nicht unser Krieg, aber wenn schon, dann muss der Kongress entscheiden“, sagte der Republikaner.

Angriff mit hohem Risiko

Trump geht zudem Risiken auf der außenpolitischen Front ein. Wie Brett McGurk, der ehemalige Nahost-Koordinator im NSC glaubt, sei die Gefahr nun deutlich gestiegen, dass die USA in einen breiter angelegten Militärkonflikt verwickelt werden könnten. Zudem könnte der Iran mit Vergeltungsschlägen nicht nur Israel, sondern auch US-Stützpunkte und Zehntausenden Soldaten, die in der Region stationiert sind, ins Visier nehmen.

Auch ist McGurk überzeugt, dass Trump schon seit einigen Tagen genau weiß, wann er in den Konflikt einsteigen wollte und dies mit Israel eng koordiniert hat. „Der Luftraum über Iran ist seit einiger Zeit faktisch unter israelischer Kontrolle“, sagte der Sicherheitsexperte. Die US-Angriffe hätten nicht ohne detaillierte Absprachen zwischen Washington und Jerusalem stattfinden können.

Ein Republikaner, der nicht namentlich genannt werden wollte, meinte, dass Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu den Präsidenten zu den Angriffen überredet hat. „Er hat Trump komplett ausgetrickst“, meinte der Stratege. Netanjahu habe „Trump umschmeichelt, ihm vermutlich gesagt, dass ein US-Engagement für die nationale Sicherheit unverzichtbar sei und der Präsident damit in die Annalen der Geschichte eingehen wird“. Danach habe Trump nicht mehr widerstehen können.