Sozialkassen Spahn fordert höhere Beiträge für Kinderlose

Von Guido Bohsem und Hajo Zenker 09.11.2018

Kinderlose sollen nach Willen von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) deutlich höhere Beiträge für die Pflege und für die Rentenversicherung zahlen als Eltern. Es handele sich um eine Gerechtigkeitsfrage, schreibt Spahn in einem Gastbeitrag für diese Zeitung. „Im Umlagesystem bekommen die Alten das Geld von den Jungen – auch, wenn es die Kinder nur der Anderen sind“, formuliert der Gesundheitsminister. Er sage dies ganz bewusst als „selbst Kinderloser, der bereit ist, finanziell mehr zur Zukunftsfähigkeit des Systems beizutragen.“

Die Frage stelle sich nicht nur bei der Rente, sondern auch in der Pflegeversicherung. „Auch hier ziehen Eltern eben auch künftige Beitragszahler groß und sichern das System so für die Zukunft“, betont Spahn, der für das Amt des CDU-Chefs  kandidiert. Derzeit liegt der Beitragssatz zur Pflegeversicherung für Kinderlose um 0,25 Prozentpunkte höher als für Versicherte mit Kindern. „Wir müssen die Dinge jetzt generationengerecht gestalten, sonst werden die immer weniger Jungen des übernächsten Jahrzehnts Wege finden, ihre finanzielle Überlastung abzuschütteln oder zu umgehen.“

Der Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus, betonte auf der Berliner Pflegekonferenz, man könne „den Anforderungen der nächsten 20 Jahre nicht mit den Methoden der vergangenen 20 Jahre begegnen“. Die Dimension des Fachkräftemangels beunruhige ihn. Laut Institut der deutschen Wirtschaft fehlen allein in der Altenpflege bis 2035 mindestens 130 000 weitere Pfleger. Laut dem  Pflegereport 2018 der Krankenkasse Barmer stehen 185 000 Menschen, die derzeit Angehörige zu Hause pflegen, kurz davor, diesen Dienst einzustellen.

Heute will der Bundestag das von Spahn vorgelegte Pflegepersonalstärkungs-Gesetz verabschieden. Das stellt die Finanzierung von 13 000 Stellen in der Altenpflege sowie von jeder neuen Pflegestelle in Krankenhäusern sicher.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel