Bildung Schlechte Noten für Schulen

Berlin / Mathias Puddig 24.10.2018

Bildungserfolg hängt in Deutschland noch immer stark vom sozialen Hintergrund ab. Ein Kind kann noch so talentiert sein – wenn die Eltern es nicht unterstützen wollen oder können, oder wenn es die falsche Schule besucht, hat es bedeutend schlechtere Chancen auf einen ordentlichen Abschluss als andere Kinder. Das geht aus zwei Studien hervor. Die OECD hat am Mittwoch eine Sonderauswertung der Pisa-Studie von 2015 vorgelegt und bescheinigt Deutschland darin eine vergleichsweise geringe Bildungsmobilität. Das heißt, dass nur wenige Kinder einen höheren Abschluss erreichen als ihre Eltern.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund hat sich den zehnten Jahrestag des Dresdner Bildungsgipfels zum Anlass für seine Untersuchung genommen. 2008 verabschiedeten die Regierungschefs von Bund und Ländern ein anspruchsvolles bildungspolitisches Konzept mit der Überschrift „Aufstieg durch Bildung”. Das Fazit des DGB: Dieses Versprechen wurde gebrochen. Es wurden nicht nur die sozialpolitischen Ziele des Gipfels verfehlt. Auch die angepeilten zehn Prozent des Bruttoinlandsproduktes für die Bildung wurden nicht erreicht. Die Lücke betrug 2015 mehr als 27 Milliarden Euro.

So früh wie möglich beginnen

Dass dieses Geld gut angelegt wäre, belegt die OECD-Analyse. Andreas Schleicher, der bei der OECD das Direktorat für Bildung leitet, weist darauf hin, dass etwa der Vergleich zwischen Deutschland und Estland zeige, wieviel bei der Chancengerechtigkeit bewegt werden kann. Die estnischen Schüler aus privilegierten Haushalten erreichten ein ähnliches Leistungsniveau wie die deutschen. Die sozial benachteiligten Schüler waren längst nicht so abgehängt wie hierzulande.

Schleicher betont: „Der soziale Kontext der Schule beeinflusst den Schüler stärker als der individuelle soziale Kontext.“ Das heißt: Gute Schulen können die Fehler des Elternhauses ausbügeln – wenn sie entsprechend ausgestattet sind. Es müsse für die besten Lehrer deshalb finanziell und intellektuell attraktiv gemacht werden, an die schwierigen Schulen zu gehen, fordert Schleicher. Er wirbt zudem für eine stärkere soziale Durchmischung an den Schulen. Die Vorteile am unteren Rand des Spektrums würden die Nachteile am oberen Ende weit überwiegen.

Die Schere zwischen Bildungsgewinnern und -verlieren öffnet sich immer weiter, je älter die Jugendlichen werden. Wie schlecht das läuft, zeigt wiederum die Untersuchung des DGB. Deren Autoren haben vor allem zwei Gruppen Dreijähriger ausgemacht, die mit Bildung unterversorgt sind: Kinder mit Migrationshintergrund und Kinder aus bildungsfernen Elternhäusern – jene Gruppen also, die frühkindliche Förderung besonders stark benötigen.

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