Karlsruhe / Igor Steinle  Uhr
Der Ausbau der Erneuerbaren Energien kommt nicht voran. Der Neubau von Wind- und Solaranlagen ist fast zu Erliegen gekommen.

Der Energiekonzern EnBW hat vor einem Kollaps beim Ausbau erneuerbarer Energien gewarnt. „Mit dem aktuellen Tempo werden wir unsere Ziele nicht annähernd erreichen“, sagte der Politikchef des Karlsruher Unternehmens, Andreas Renner, bei einer Veranstaltung in Berlin.

Um die Klimaziele zu erfüllen, hat sich die Bundesregierung vorgenommen, bis 2030 einen Ökostromanteil von 65 Prozent zu erreichen. „Dafür muss aber noch viel mehr passieren“, mahnte Renner. Momentan liegt der Anteil bei knapp 40 Prozent. Geht es weiter wie bisher, würden laut EnBW 50 bis knapp 70 Prozent weniger Windkraft- und Solaranlagen ausgeschrieben als nötig.

Ein Grund dafür ist der schleppende Ausbau der Stromnetze. Um diese nicht zu überlasten, besteht das Bundeswirtschaftsministerium darauf, erneuerbare Energien synchron zur Erweiterung der Netze auszubauen. Der Stromnetzausbau kommt wegen Widerstands aus der Bevölkerung jedoch kaum voran. Zwar ist seit heute das Netzwerkbeschleunigungsgesetz von Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) in Kraft. Mit dem neuen Regelwerk will die Regierung die Genehmigungsverfahren für den Bau von Stromleitungen vereinfachen.

Das jedoch ändert nichts daran, dass auch der Ausbau der Windenergie fast vollständig zum Erliegen gekommen ist. In den ersten drei Monaten des Jahres gingen 90 Prozent weniger Anlagen ans Netz als im ersten Vorjahresquartal. Das liegt unter anderem auch daran, dass wie beim Netzausbau Klagen von Anwohnern oder Umweltverbänden die Genehmigungsverfahren verzögern.

Dirk Güsewill, Leiter der Portfolioentwicklung bei EnBW, warnte deswegen vor einem „Massensterben“ in der Branche, wie es die Solarindustrie bereits erlebt habe. „Seit Monaten operieren viele Unternehmen im Krisenmodus.“ Nötig seien bessere gesetzliche Rahmenbedingungen wie etwa ein CO2-Mindestpreis von 25 Euro die Tonne in allen Sektoren sowie schnellere Genehmigungen.