Historische Panne: Trump-Regierung lädt Reporter zu geheimer Kriegsplanung ein

US-Präsident Donald Trump will von der Blamage nichts gewusst haben.
Uncredited/POOL/AP/dpa- Trump-Berater lädt versehentlich "The Atlantic"-Chefredakteur in geheime Kriegsplanung ein.
- US-Militär startet Luftangriffe gegen Huthi-Milizen im Jemen, mindestens 12 Verletzte, ein Toter.
- Vizepräsident Vance kritisiert US-Einsatz im Suezkanal zugunsten Europas.
- Trump behauptet, nichts gewusst zu haben und kritisiert "The Atlantic".
- Goldberg enthüllt Details im Artikel „Die Trump Administration hat mir per Messenger versehentlich ihre Kriegspläne mitgeteilt“.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Es handelt sich um eine historische Panne, die nicht einmal der oft chaotischen Regierung von US-Präsident Donald Trump zuzutrauen war: Trumps Nationaler Sicherheitsberater Michael Waltz hat versehentlich den Chefredakteur der sozialliberalen Zeitschrift „The Atlantic“ in eine Chat-Gruppe aufgenommen, in der Vorbereitungen auf US-Militärschläge gegen Jemens Huthi-Milizen diskutiert wurden. Noch nie in der Geschichte war es geschehen, dass ein Journalist an aktiven Gesprächen über sensible Fragen der nationalen Sicherheit teilnahm.
Am 15. März begannen die US-Streitkräfte eine Serie von Luftangriffen gegen Stellungen der Huthis im Jemen. Am Montag, dem zehnten Tag der Attacken, wurden mindestens zwölf Personen verletzt und ein Rebell getötet. Grund für den Einsatz sind wiederholte Angriffe der Milizen gegen Tanker und Frachtschiffe im Suezkanal. Unklar ist, wie lange die US-Marine die Militäraktion gegen die Huthis fortsetzen will.
Nun sorgte ein Artikel von Jeff Goldberg, dem Chefredakteur der traditionsreichen Zeitschrift, in Washington für Aufsehen. In dem Beitrag mit dem Titel „Die Trump Administration hat mir per Messenger versehentlich ihre Kriegspläne mitgeteilt“ schreibt Goldberg, dass auf der Kommunikationsplattform „Signal“ seine Handynummer einer Gruppe hinzugefügt wurde, an der neben Waltz auch Vizepräsident J.D. Vance, Außenminister Marco Rubio, Pentagon-Chef Pete Hegseth sowie die führenden Geheimdienstchefs beteiligt waren. Zunächst habe er geglaubt, dass es sich um ein Täuschungsmanöver handelte, um seiner Publikation Falschnachrichten zuzuspielen, schreibt Goldberg. „Doch dann begannen die Bomben zu fallen“.
US-Vizepräsident: „Ich hasse es einfach, Europa zu retten“
Dem Bericht zufolge gab die Diskussion insbesondere Aufschluss über die kritische Haltung wichtiger Regierungsmitglieder gegenüber Europa. So stellte Vance in Frage, warum sich das US-Militär überhaupt einmischen solle. Er wies darauf hin, dass der Seeverkehr über den Suezkanal vor allem für den europäischen Außenhandel wichtig sei. „Ich hasse es einfach, Europa zu retten“, sagte der Vizepräsident. In diesem Sinne soll sich auch Verteidigungsminister Hegseth geäußert haben.
Von Reportern auf den Vorgang angesprochen, wusch Trump wie üblich seine Hände in Unschuld und behauptete, von der Blamage nichts gewusst zu haben. Daran knüpfte er prompt einen Hieb gegen die Zeitschrift. „Ich bin kein großer Fan von ‚The Atlantic‘ und weiß nur, dass die Zeitschrift kurz vor der Pleite steht“, sagte der Präsident. Den Zorn des Präsidenten hatte sich das politische und Zeitgeistmagazin während dessen erster Amtszeit zugezogen. Damals schrieb „The Atlantic“, dass Trump sich privat abschätzig über im Krieg gefallene US-Soldaten geäußert hatte.
Hegseth selbst bestritt den „Atlantic“-Bericht vehement. „Niemand hat Kriegspläne getextet“, antwortete er am Flughafen in Hawaii auf eine Reporter-Frage nach seiner Landung. Der frühere TV-Moderator des rechtskonservativen Sender Fox News verunglimpfte Goldberg als „betrügerischen und diskreditierten sogenannten Journalisten“, der es sich zum Beruf gemacht habe, eine Kampagne gegen die Regierung zu fahren und immer wieder Falschmeldungen zu verbreiten.
Ein Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates, Brian Hughes, bestätigte allerdings, dass der Chatverlauf höchstwahrscheinlich authentisch sei. Er kündigte eine interne Prüfung an.
Innenpolitisch schlägt der Vorgang in Washington enorme Wellen. Die Opposition im US-Parlament will die Kommunikationspanne untersuchen lassen. Der Minderheitsführer der Demokraten im Senat, Chuck Schumer, sprach auf der Plattform X von „amateurhaftem Verhalten“ und forderte eine umfassende Aufarbeitung. Die Zeitung „The Hill“ und der Sender ABC zitierten ihn mit den Worten, es handele sich um „eine der unglaublichsten Verletzungen“ militärischer Geheimnisse, die ihm je untergekommen sei.
Demokratische Opposition fordert Untersuchung
Der demokratische Senator und Militärexperte Jack Reed erklärte, „wenn diese Geschichte wahr ist, stellt sie eines der ungeheuerlichsten Versäumnisse in Bezug auf die operative Sicherheit und den gesunden Menschenverstand dar, die ich je gesehen habe“. Militäroperationen müssten mit äußerster Diskretion und über genehmigte, sichere Kommunikationswege abgewickelt werden, denn es gehe um das Leben von Amerikanern. „Die Nachlässigkeit, die das Kabinett von Präsident Trump zeigt, ist erstaunlich und gefährlich. Ich werde sofort Antworten von der Regierung einfordern.“
Die frühere demokratische Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton postete den „Atlantic“-Artikel auf X und schrieb dazu: „Das soll wohl ein Scherz sein.“ Der damalige Präsidentschaftskandidat – und heutige Präsident – Donald Trump hatte ihr im Wahlkampf 2016 immer wieder vorgeworfen, E-Mails über einen privaten Account verschickt und damit Sicherheitsregeln missachtet zu haben.
Üblicherweise gibt es strenge Regularien dazu, wie die US-Regierung mit vertraulichen und streng geheimen Informationen umzugehen hat, die die nationale Sicherheit betreffen. Das gilt umso mehr für konkrete Pläne zu Militäreinsätzen im Ausland. Die Signal-App ist laut „Atlantic“ von der US-Regierung generell überhaupt nicht für den Austausch vertraulicher Informationen zugelassen.



Verbotene Worte, unterdrückte Proteste, bedrohte Medien: Trump, Vance & Co. legen in den USA die Axt an die Meinungsfreiheit. Das zeigt: Der Kampf gegen angebliche „Cancel Culture“ ist ein trojanisches Pferd des Autoritarismus – auch bei uns.