Harris oder Trump?: Showdown ums Weiße Haus – Wer liegt in Umfragen zur US-Wahl vorn?

Der Wahlabend in den USA könnte einige Überraschungen bereithalten. Obwohl Kamala Harris in aktuellen Analysen einen leichten Vorsprung hat, könnte ihr Kontrahent Donald Trump dennoch ins Weiße Haus einziehen.
VUCCI/MARTIN/AP/dpa- Am Dienstag wählen die USA den nächsten Präsidenten: Kamala Harris oder Donald Trump.
- Harris liegt in Umfragen knapp vorn, Trump hat bereits Klagen für den Fall einer Niederlage eingereicht.
- Über 72 Millionen Stimmen wurden vorzeitig abgegeben, Wahlmaschinen und Personal verbessert.
- Die Swing States wie Pennsylvania und Michigan werden entscheidend sein.
- Das Elektorensystem könnte erneut debattiert werden, falls die Direktstimmen und Elektoren auseinanderfallen.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Selten war das Rennen um die US-Präsidentschaft so knapp wie dieses Jahr. Für aktuelle News verfolgen Sie unseren Liveticker zur US-Wahl. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Wahltag am Dienstag beantworten wir hier:
Welcher Präsidentschaftskandidat lag unmittelbar vor dem Wahltag vorn?
Die Umfragen führen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Als wichtiger Indikator gilt die Website fivethirtyeight.com. Diese fasst auf differenzierte Weise verschiedene Umfragen zusammen und bewertet die Wählerbefragungen nach deren Verlässlichkeit und politischer Objektivität. Auch ermittelt das Institut Durchschnittswerte. Demnach lag Vizepräsidentin Harris zuletzt mit 1,0 Prozentpunkten in Führung.
Seit ihrem Einstieg in das Rennen hatte Harris zu keinem Zeitpunkt hinter ihrem Gegner gelegen. In den sieben entscheidenden Swing States halten sich die beiden Kandidaten in etwa die Waage. In Pennsylvania, das den Ausschlag geben könnte, liegen Harris und Trump ebenso wie in Nevada gleichauf. In Wisconsin und Michigan erfreut sich die Vizepräsidentin eines kleinen Vorsprungs. In North Carolina, Georgia und Arizona liegt der ehemalige Präsident knapp vorn.
Ist von Überraschungen auszugehen?
Trump hat für den Fall einer Niederlage bereits vorbeugend Klagen eingereicht, um Ergebnisse, die ihn benachteiligen, anzufechten. Er behauptet bereits jetzt, dass die Wahl in Pennsylvania manipuliert sei. Tatsache ist, dass in der Hauptstadt Harrisburg ermittelt wird, ob 2500 Wählerregistrierungen womöglich gefälscht sind und daher für ungültig erklärt werden müssen. Daraus leitet Trump wiederum ab, dass die gesamte Abstimmung anzuzweifeln sei.
Auch hat Trump signalisiert, dass er sich schon im Verlaufe des Wahlabends zum Sieger erklären könnte. Das hatte er 2020 getan, und zwar um 2.30 Uhr am Morgen nach der Wahl. Zu dem Zeitpunkt waren allerdings Millionen von Stimmzetteln noch nicht ausgewertet worden. Das lag vor vier Jahren daran, dass die Corona-Pandemie zu der höchsten Zahl von Briefwählern in der US-Geschichte geführt hatte.
Gibt es Änderungen am Wahlablauf, um Manipulation zu verhindern?
Mehrere. Zum einen ist die Zahl der Briefwähler deutlich geschrumpft. Gleichzeitig ist aber die Zahl der Wähler, die ihre Stimme frühzeitig in Person abgegeben haben, auf den höchsten Stand in der Geschichte gestiegen. So sind bei den Bundesstaaten und Gemeinden bis Montag mehr als 72 Millionen ausgefüllte Wahlzettel eingegangen. Damit sind bereits am Tag vor der Wahl etwa 40 Prozent aller Stimmen abgegeben worden. Vor allem Republikaner waren Trumps Aufruf gefolgt, vor dem offiziellen Termin ins Wahllokal zu gehen.
Ein Beispiel für verbesserte Methoden liefert Pennsylvania. So hat der Staat seit 2020 neue Erfassungs-, Zähl-, und Sortiermaschinen angeschafft, um die Auszählung zu beschleunigen. Auch wurde zusätzliches Personal ausgebildet und eingestellt. Interessant ist, dass einige der Swing States Anhänger von Trumps Wahllüge nun als Beobachter ausgebildet haben. Diese können Augenzeugen der Auswertung sein und sich überzeugen, dass alles mit rechten Dingen zugeht.
Wann ist mit einem Ergebnis zu rechnen?
Das ist schwer vorauszusehen. 2020 stand Präsident Joe Biden erst vier Tage nach der Wahl als Sieger fest. So hatten die Wahlbehörden in Pennsylvania bis Samstagvormittag gebraucht, um sicher zu sein, dass sein Vorsprung uneinholbar war. Damit wird diesmal nicht gerechnet. Falls entweder Harris oder Trump schon in der Nacht zum Mittwoch in den Swing States genügend „Elektoren“ auf dem Konto haben, könnte relativ schnell feststehen, wie der 47. US-Präsident heißen wird. So oder so hat Trump aber für den Fall einer Niederlage bereits ein Team von Rechtsanwälten engagiert und angekündigt, vor Gericht ziehen zu wollen, sollte er unterliegen. Das würde aber die 50 Staaten nicht davon abhalten, nach der erfolgten Auszählung einen Sieger zu konstatieren.
Elektoren entscheiden
Im US-Wahlsystem ist nicht die Gesamtzahl der Stimmen im ganzen Land für die Wahl des Präsidenten entscheidend, sondern jeder Bundesstaat ermittelt den eigenen Sieger und entsendet eine festgelegte Anzahl von Wahlmännern (Elektoren) in das Wahlmännergremium, das den Präsidenten bestimmt. Der Sieger eines Bundesstaates erhält alle Wahlmännerstimmen dieses Bundesstaates.
Sollten Donald Trump und Kamala Harris in den Staaten, in denen ihnen klare Siege vorausgesagt werden, die Nase vorn haben, werden die „Swing States“ entscheiden, wer 47. US-Präsident wird: Pennsylvania (19 Elektorenstimmen), Michigan (15) und Wisconsin (10), die bis 2016 als „blaue Mauer“, also undurchdringlich für Republikaner, angesehen wurden. Dazu kommen North Carolina (16), Georgia (16), Nevada (6) und Arizona (11). Harris bräuchte dort insgesamt 44 Wahlmänner, Trump müsste 51 für sich verbuchen, um die notwendige Mehrheit von 270 Elektoren zu erreichen. Für Harris würden Siege in den Staaten der ehemaligen „blauen Mauer“ genügen.
Kann die Wahl wieder eine Debatte über das Elektorensystem entfachen?
Angenommen, Harris verbucht die Mehrheit der Direktstimmen und Trump gewinnt wie auch 2016 die Mehrheit der Elektoren, könnte das durchaus geschehen. Es wäre dann das dritte Mal seit der Jahrtausendwende, dass ein Kandidat, den eine absolute Mehrheit der Amerikaner nicht im Weißen Haus haben will, trotzdem Präsident wird. Die Erfolgsaussichten eines Versuchs, das System zu reformieren, wären allerdings sehr gering.
Notwendig wäre dafür nämlich im Senat eine Zweidrittelmehrheit, die eine Verfassungsänderung verabschiedet. In der oberen Kongresskammer ist aber jeder Staat durch zwei Senatoren vertreten. Dadurch haben bevölkerungsarme Staaten wie Alaska oder North Dakota dasselbe Mitspracherecht wie Kalifornien und New York. Auch sind die „kleinen Staaten“ im Electoral College stärker vertreten, als es ihrem Bevölkerungsanteil entspricht. Da sie diesen Einfluss auf die Wahl nicht aufgeben wollen, sind bisher Versuche, das Elektorensystem zu kippen, gescheitert und hätten auch künftig kaum Chancen.



