Eskalation in Nahost
: Iran startet neue Angriffswelle gegen Israel

Im Konflikt zwischen den Erzfeinden Iran und Israel steigen die Opferzahlen. Der Iran bestätigt den Tod sechs weiterer hochrangiger Generäle. Die gegenseitigen Angriffe gehen weiter.
Von
dpa/afp
Tel Aviv/Teheran/Jerusalem
Jetzt in der App anhören
Smoke billows from a site in the city of Haifa following a fresh barrage of Iranian missile attacks on June 15, 2025. Israel and Iran traded heavy fire for a third straight day on June 15, with mounting casualties and expanding targets marking a sharp escalation in hostilities between the longtime foes. (Photo by Ahmad GHARABLI / AFP)

Rauch steigt in Haifa auf.

AHMAD GHARABLI/AFP
  • Krieg zwischen Iran und Israel eskaliert; mehrere Tote und hunderte Verletzte.
  • Israel bombardiert Teheran; Ziele u.a. Verteidigungsministerium und Atomwaffenprojekte.
  • Iran feuert Raketen auf israelische Städte; Wohnhaus in Bat Jam getroffen, vier Tote.
  • Atomgespräche zwischen USA und Iran im Oman abgesagt.
  • Israel fliegt auch Angriffe gegen Huthi-Miliz im Jemen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Der Iran hat am Sonntagabend eine neue Angriffswelle gegen Israel gestartet. Israel werde mit Raketen angegriffen, berichtete die iranische Nachrichtenagentur Tasnim. In Jerusalem war Luftschutzalarm zu hören, wie Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichteten. Die israelische Armee bestätigte in einer Erklärung den Anflug iranischer Raketen. Auch in vielen anderen Teilen Israels heulten die Alarmsirenen. Die Armee rief die Bevölkerung erneut auf, die Schutzräume aufzusuchen.

Israel und der Iran setzten am Sonntag den dritten Tag in Folge ihre gegenseitigen Angriffe fort, die am Freitag mit dem Großangriff Israels begonnen hatten. Am Sonntagmittag hatte die israelische Luftwaffe eine neue Angriffswelle auf Ziele in der iranischen Hauptstadt Teheran gestartet. Der staatliche Rundfunk meldete Explosionen in der Nähe des Flughafens Mehrabad mitten in der Metropole. Iranischen Medienberichten zufolge gab es auch Einschläge nahe einem Luxus-Hotel im Norden der Millionenstadt mit ihren mehr als 15 Millionen Einwohnern. Details lagen zunächst nicht vor.

Die Zahl der Todesopfer in Israel durch iranische Angriffe in der Nacht zum Sonntag ist auf zehn gestiegen. In einem von einer iranischen Rakete getroffenen Wohnhaus seien zwei weitere Leichen geborgen worden, teilte am Sonntag die Polizei in Bat Jam mit. „Sechs Menschen wurden getötet und 180 verletzt“, sagte Polizeichef Daniel Hadad vor dem getroffenen Haus in der zentralisraelischen Stadt. Zudem wurden nach Behördenangaben bei einem Angriff auf Nordisrael vier weitere Menschen getötet. Nach den iranischen Raketenangriffen sind noch immer mehrere Menschen in einem getroffenen Gebäude in Zentralisrael verschüttet.

Iran meldet Tod sechs weiterer Generäle

Irans Revolutionsgarden haben derweil den Tod sechs weiterer Generäle gemeldet. Betroffen sind erneut ranghohe Kommandeure des iranischen Militärs, wie die Elitestreitmacht mitteilte. Damit erhöht sich die Zahl der Todesopfer unter der Militärführung auf mindestens 14. Unter ihnen waren auch der Kommandeur der mächtigen Revolutionsgarden, Hussein Salami, und der Generalstabschef Mohammed Bagheri. Eine Beisetzung Salamis, Bagheris und weiterer Getöteter soll voraussichtlich am Dienstag erfolgen, wie die als Sprachrohr der iranischen Revolutionsgarden geltende Nachrichtenagentur Tasnim schrieb.

Mehrere israelische Städte mit Raketen angegriffen

Israel hatte laut Berichten iranischer Staatsmedien am Sonntag ebenfalls eine wichtige Anlage des iranischen Verteidigungsministeriums angegriffen. Ziel sei eine Einrichtung in Isfahan im Zentrum des Landes gewesen, berichtete die Nachrichtenagentur Isna unter Berufung auf die Provinzbehörden. „Eventuelle Schäden werden derzeit untersucht.“

Zu den Angriffszielen in Teheran habe auch das Hauptquartier einer staatlichen Atom-Forschungsorganisation gehört, erklärte die Armee. Hinzu kämen Attacken auf weitere Ziele, mit denen - vom Iran dementierte - Bemühungen zum Bau von Atomwaffen unterbunden werden sollten, darunter das Versteck des staatlichen Atomarchivs.

Die Nachrichtenagentur Tasnim hatte zuvor berichtet, eine militärische Forschungseinrichtung im Norden der Metropole mit ihren rund 15 Millionen Einwohnern sei getroffen worden. Die Revolutionsgarden sind die Elitestreitkräfte der Islamischen Republik.

Israelische Armee warnt Iraner

Auch die Angriffe auf das Kommando des Verteidigungsministeriums wurden im Iran gemeldet. Im Nordwesten Teherans gerieten zudem Teile eines Öllagers in Brand. Die Lage sei unter Kontrolle, meldete das Portal SNN. Auch aus anderen Teilen der Stadt berichteten Augenzeugen von heftigen Explosionen. Israels Verteidigungsminister Israel Katz schrieb auf der Plattform X: „Teheran brennt“.

Die israelische Armee hat die Bevölkerung des Irans vor möglichen bevorstehenden Angriffen gewarnt. „Dringende Warnung an alle Personen, die sich jetzt oder in der Zukunft innerhalb oder im Umkreis von Rüstungsfabriken und ihrer unterstützenden Einrichtungen im Iran befinden“, hieß es in einer Mitteilung eines Militärsprechers auf Farsi. Die Menschen sollten „zum Schutz Ihres Lebens und Ihrer Sicherheit, diese Gebiete schnellstens verlassen und nicht zurückkehren“. Weiter hieß es, die Anwesenheit dort sei lebensgefährlich.

Seit Freitag (13.06.) gibt es Angriffe

Israel attackiert seit der Nacht zu Freitag Ziele im Iran - darunter Atomanlagen, Verteidigungsstellungen, Städte und Berichten zufolge auch Öl- und Erdgasfelder. Auch wurden führende Militärs und Atomwissenschaftler gezielt getötet. Seither sind im Iran nach offiziellen Angaben Dutzende Menschen getötet und Hunderte weitere verletzt worden. Die Islamische Republik wertete die Luftangriffe als Kriegserklärung und feuerte in mehreren Angriffswellen Hunderte Raketen und Drohnen auf Israel ab.

Oman: Am Sonntag keine Atom-Gespräche zwischen USA und Iran

Eigentlich hätten Delegationen des Irans und der USA als Israels wichtigstem Verbündeten am Sonntag im Oman Gespräche über das iranische Atomprogramm führen sollen – diese Runde in der Hauptstadt Maskat wurde jedoch wegen der militärischen Eskalation abgesagt. Diplomatie und Dialog seien dennoch „der einzige Weg zu dauerhaftem Frieden“, teilte Omans Außenminister Badr al-Bussaidi auf X mit. Das Sultanat fungiert als Vermittler.

In den seit rund zwei Monaten laufenden Verhandlungen zwischen Washington und Teheran über das umstrittene Atomprogramm gab es zuletzt keine Fortschritte mehr. Nach der Absage ist fraglich, ob es nun überhaupt noch zu einer weiteren Runde kommen wird. Israel, die USA und andere westliche Staaten befürchten, dass der Iran heimlich Atomwaffen entwickelt. Teheran betont dagegen, das Programm diene ausschließlich zivilen Zwecken. 

Israelische Sicherheitskräfte inspizieren zerstörte Gebäude, die von einer aus dem Iran abgefeuerten Rakete getroffen wurden. (zu dpa: «Iran und Israel überziehen sich mit schweren Angriffen»)

Ohad Zwigenberg/AP/dpa

Israel ist die einzige Atommacht in der Region. Seit Jahrzehnten folgt die israelische Regierung der Doktrin, dass feindliche Länder in der Region nicht in den Besitz von Atomwaffen gelangen und damit die Existenz des jüdischen Staates gefährden dürfen.

Israel fliegt auch Angriffe gegen Huthi-Miliz im Jemen

Der Iran unterstützt auch andere islamistische Kräfte wie die Huthi-Miliz im Jemen, die palästinensische Terrororganisation Hamas und die Hisbollah-Miliz im Libanon - sie alle gehören der von Teheran geführten „Achse des Widerstands“ gegen den Erzfeind Israel an. In Jemens Hauptstadt Sanaa, die von den Huthi kontrolliert wird, kam es ebenfalls zu lauten Explosionen.

Der arabische Nachrichtensender Al-Arabija berichtete unter Berufung auf nicht näher genannte Quellen, dass ein mutmaßlich von Israel geführter Angriff eine Zusammenkunft ranghoher Huthi-Funktionäre getroffen haben könnte. Weder die Huthi noch das israelische Militär äußerten sich zunächst dazu.

Israelische Sicherheitskräfte inspizieren zerstörte Gebäude, die von einer aus dem Iran abgefeuerten Rakete getroffen wurden. (zu dpa: «Iran und Israel überziehen sich mit schweren Angriffen»)

Ohad Zwigenberg/AP/dpa