Gaza: Erstes Schiff mit Hilfsgütern ausgelaufen – So lange dauert die Überfahrt

Hafenmitarbeiter bereiteten die Hilfsgüter für den Gazastreifen auf einer Plattform neben dem angedockten Schiff der Hilfsorganisation Open Arms vor. Das Schiff ist nun ausgelaufen und kommt in den nächsten Tagen in Gaza an.
Petros Karadjias/dpaMit verschiedenen Mitteln versuchte die internationale Staatengemeinschaft, darunter auch Deutschland und die USA, Hilfslieferungen für den Gazastreifen zu ermöglichen. Nun verlässt ein erstes Schiff einer Nichtregierungsorganisation mit Hilfsgütern den Hafen Larnaka auf Zypern.
NGO-Schiff sticht mit Hilfsgütern in See
Das Schiff „Open Arms“ der gleichnamigen Hilfsorganisation ist am Dienstag mit großer Verspätung aus dem zyprischen Hafen in Richtung Gazastreifen in See gestochen. Ursprünglich sollte es am Wochenende auslaufen. Die Nichtregierungsorganisation zeigte in einem Video auf X, ehemals Twitter, den Moment des Ablegens des Schiffes. Auch der zyprische Regierungssprecher, Giannis Antoniou, bestätigte der Deutschen Presse-Agentur den Beginn der Fahrt.
200 Tonnen Trinkwasser, Medikamente und Lebensmittel
Das Schiff - ein umgebauter Schlepper - zieht eine Plattform, auf die Hilfsgüter geladen worden sind. Es handele sich um rund 200 Tonnen Trinkwasser, Medikamente und Lebensmittel, hieß es aus Regierungsquellen. Die Fahrt ist eine Probefahrt entlang der Route eines geplanten Hilfskorridors, den EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und der zyprische Präsident Nikos Christodoulidis vergangenen Freitag in Larnaka angekündigt hatten.
Überfahrt nach Gaza dauert bis zu 60 Stunden
Der Hafen von Larnaka liegt rund 400 Kilometer von Gaza entfernt. Diese Fahrt könnte bis zu 60 Stunden dauern, da das Schiff langsam fährt. Die Route ist nicht ungefährlich: Im östlichen Mittelmeer wehen oft starke Winde, es gibt auch starke Strömungen und keine anderen Inseln, die im Falle eines Sturms Schutz bieten könnten.
Absetzen der Hilfsgüter weiter unklar
Wo und wie das Schiff nach Ankunft in den Gewässern vor Gaza seine Fracht löschen soll, ist unklar. Das Anliefern der Güter gilt als große Herausforderung, weil es in Gaza nur einen kleinen Fischerhafen gibt, der nicht tief genug für Frachtschiffe ist. Das US-Militär will deshalb gemeinsam mit internationalen Partnern einen temporären Hafen einrichten.
Dramatische humanitäre Lage in Gaza
Die humanitäre Lage der Menschen in Gaza spitzt sich seit Wochen dramatisch zu. Es fehlt am Nötigsten. Auslöser des Gaza-Kriegs war ein Massaker, das Terroristen der islamistischen Hamas und anderer extremistischer Gruppen am 7. Oktober im Süden Israels verübt hatten. Auf israelischer Seite wurden dabei mehr als 1200 Menschen getötet. Israel reagierte mit massiven Luftangriffen und einer Bodenoffensive im Gazastreifen. Auf palästinensischer Seite wurden nach Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde seit Kriegsbeginn mehr als 31 100 Menschen getötet.
(Mit Material der dpa)
